Wil
Verkaufen, vermieten oder umbauen: Was die Katholische Kirchgemeinde mit ihren Liegenschaften plant

Vor der anstehenden Urnenabstimmung beschäftigen vor allem die Liegenschaften der Kirchgemeinde. Der Umbau der «Harmonie» in der Altstadt war um einiges teurer als erwartet. Mehr noch gibt aber der geplante Verkauf des Hauses an der Scheibenbergstrasse zu reden.

Gianni Amstutz
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Das Haus Harmonie links neben der Stadtkirche wurde saniert und umgebaut.

Das Haus Harmonie links neben der Stadtkirche wurde saniert und umgebaut.

Bild: Simon Dudle

Die Kirchbürgerinnen und -bürger der Katholischen Kirchgemeinde Wil werden dieses Jahr ihre Beschlüsse an der Urne fassen. Während die Genehmigung der Rechnung und des Budgets ohnehin Formsache sein dürfte, gäbe es bei anderen Themen wohl durchaus Diskussionsbedarf.

Die Kirchgemeinde will ihre Liegenschaft an der Scheibenbergstrasse 14 verkaufen. Seit März 2020 steht diese leer. Das Grundstück wurde der Kirche 2007 von der aufgelösten Stiftung Kinderkrippe Wil anvertraut. Der Stiftungszweck – ein jugendfürsorgerischer Zweck – sollte von der Kirche weiterhin wahrgenommen werden, so die Bedingung. Seither lebten die ehemaligen Italienseelsorger der «Missione Cattolica» in der Liegenschaft.

Nun ist das in die Jahre gekommene Haus gemäss der Kirchgemeinde ohne aufwendige und umfassende Sanierung nicht mehr bewohnbar und vermietbar. Der Verwaltungsrat schreibt:

«Ein Totalumbau mit Gesamtsanierung des bestehenden Gebäudes würde sich nicht lohnen und wäre sehr aufwendig.»

Deshalb will die Kirchgemeinde die Liegenschaft verkaufen. Der geschätzte Verkehrswert beträgt fast eine Million Franken. Um dem Stiftungszweck trotzdem gerecht zu werden, soll der Erlös für jugendfürsorgerische Zwecke eingesetzt werden.

Gegner machen Stimmung gegen Verkauf

Die Stimmberechtigten sollen nun dem Verwaltungsrat die Kompetenz erteilen, um den Verkauf in die Wege zu leiten. Der Antrag ist aber nicht unbestritten. In Leserbriefen machten zwei Kirchbürger unlängst deutlich, dass für sie ein Verkauf nicht nachhaltig sei. Stattdessen solle das Grundstück im Baurecht abgegeben werden. Das würde in Form des jährlichen Baurechtszinses ständige Einnahmen zu Gunsten des Jugendfürsorgefonds generieren – und sei deshalb die bessere Lösung.

Kirchenverwaltungsratspräsident Jürg Grämiger.

Kirchenverwaltungsratspräsident Jürg Grämiger.

Bild: PD

Dem widerspricht Kirchenverwaltungsratspräsident Jürg Grämiger: «Die Nachhaltigkeit sei mit dem Verkauf sogar besser gewährleistet.» Dies weil ein Teil des Erlöses in ein konkretes Jugendhilfeprojekt fliessen soll. Konkret will die Kirchgemeinde günstige Wohnmöglichkeiten für junge Erwachsene schaffen. Die Details des Projekts seien noch nicht ganz spruchreif, sagt Grämiger. Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger würden aber schon im Herbst darüber informiert und könnten dann Stellung beziehen.

750'000 Franken teurer als erwartet

Der Bereich Liegenschaften interessiert vor dem Urnengang aber auch sonst. Denn die Sanierung der Liegenschaft Harmonie beim Kirchplatzschulhaus wurde teurer als erwartet – und das deutlich. 1,75 Millionen Franken waren veranschlagt, gekostet hat der Umbau nun ganze 2,5 Millionen Franken. Was nach schlechten Nachrichten tönt, ist in Wahrheit keine teure Fehlplanung.

Das ursprüngliche Projekt wurde angepasst, da die Stadt Wil Interesse zeigte, die Räume im Erd- und 1. Obergeschoss für das benachbarte Kirchplatzschulhaus zu mieten. Um den Anforderungen für die Nutzung durch die Schule zu entsprechen, fiel der Umbau rund 450'000 Franken teurer aus.

Hinzu kamen Mehrkosten für die Dämmung der Innenhülle sowie die Heizung mittels Wärmepumpe mit Erdsonde. Weiter wurde im Kirchenverwaltungsrat beschlossen, den Keller im Haus Harmonie als Mehrzweckraum auszubauen. Dies primär für eigene Nutzungen im Zusammenhang mit der Kirche St.Nikolaus.

Insgesamt entstanden so Mehrkosten von rund 750'000 Franken. Dank stabiler und langfristiger Mietzinseinnahmen sei die Liegenschaft aber trotz deutlich höherer Um- und Ausbaukosten aber langfristig rentabel, heisst es im Amtsbericht.

Weitere Verkäufe möglich

Auch in den kommenden Jahren werden die Liegenschaften der Kirchgemeinde ein wichtiges Thema bleiben. Wie der Kirchenverwaltungsrat im Amtsbericht andeutet, wird er sich auch in diesem Jahr «konkreter als bisher mit einzelnen möglichen Verkäufen von Anlagenliegenschaften beschäftigten».

Man wolle sich verstärkt auf die Aufgaben in den fünf bestehenden Seelsorgebereichen konzentrieren. Diese Strategie hat auch finanzielle Gründe: Ziel sei es, den Haushalt mittel- bis langfristig abzusichern, wenn die Einnahmen einmal knapper zu werden drohen.