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WIL: Verbrechern einen Schritt voraus

Die Polizei wirft einen Blick in die Zukunft. Mit einer Software ist es möglich, Einbrüche vorherzusagen. Der Wiler Kantonsrat Erwin Böhi will wissen, ob ein Einsatz des Programms im Kanton geprüft wird.
Gianni Amstutz
Professionelle Einbrecher gehen oft nach bestimmten Mustern vor. (Symbolbild: PD)

Professionelle Einbrecher gehen oft nach bestimmten Mustern vor. (Symbolbild: PD)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

In Wil gab es seit Jahresbeginn bereits sechs Einbruchdiebstähle, zuletzt am vergangenen Samstag. Wie Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei, bestätigt, wurden die Delikte von denselben Tätern begangen. Noch konnte die Polizei die Identität der Diebe nicht ermitteln. Doch rund einen Viertel der Einbruchsdelikte können aufgeklärt werden, wie Krüsi sagt. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass Einbrecher oft mehrmals zuschlagen, wenn sie in einem Gebiet erfolgreich waren. Auf dieser Annahme basierend, soll es nun möglich sein, Straftaten zu vorauszusehen, noch bevor diese verübt wurden.

Mit Software auf Verbrecherjagd

Die Software «Pre Crime Observation System», kurz Precobs, sagt voraus, wo und wann Verbrechen geschehen. Tönt nach Science-Fiction, ist aber pure Statistik. Das Programm wertet Daten wie den Tatort, die Tatzeit und die Vorgehensweise der Täter vergangener Delikte aus. Danach errechnet Precobs die Wahrscheinlichkeiten von Verbrechen in den verschiedenen Gebieten zu bestimmten Zeiten. Es sind also keine exakten Voraussagen, sondern lediglich Risikoeinschätzungen, die Precobs liefert. Doch das ermöglicht der Polizei, ihre Patrouillen in Gebieten mit hoher Deliktwahrscheinlichkeit gezielt zu verstärken.

Da das Programm versucht, Muster bei Verbrechen zu erkennen, kommt es vorläufig in erster Linie bei Einbrüchen zum Einsatz. Nicht geeignet ist Precobs hingegen, um Gewalttaten vorherzusagen, da diese vielfach im Affekt verübt werden und solche Delikte in der Regel nicht in einer Serie geschehen.

In mehreren Kantonen wird die Arbeit mit Precobs heute schon praktiziert. Die Aargauer Kantonspolizei und die Stadtpolizei Zürich beispielsweise setzen bei der Einbruchsprävention auf die Software – mit Erfolg. Wie die «Solothurner Zeitung» berichtet, ist die Zahl der Einbrüche im Kanton Aargau um 37 Prozent zurückgegangen, seit Precobs im Einsatz ist. Auch in Zürich wurde ein Rückgang von 30 Prozent bei Einbruchsdiebstählen festgestellt, heisst es in einem Bericht der «Aargauer Zeitung».

Der Wiler Stadtparlamentarier und Kantonsrat Erwin Böhi (SVP) ist durch Medienberichte auf Precobs aufmerksam geworden. In einer Einfachen Anfrage will der Politiker nun von der Kantonsregierung wissen, ob die Kantonspolizei St. Gallen auch auf Software zur Prävention von Einbruchsdiebstählen setzt oder beabsichtigt, in Zukunft mit einem Programm wie Precobs zu arbeiten. Als Auslöser für seine Anfrage führt Böhi die Einbruchsserie in Wil auf. Das Thema habe ihn aber schon längere Zeit beschäftigt. Mit seiner Anfrage wolle er klären, wie die Haltung der Regierung zu Precobs sei und ob der Einsatz im Kanton St. Gallen Sinn machen würde. «Einbruchsprävention effektiv umzusetzen ist schwierig», betont Erwin Böhi. «Precobs ist kein Wundermittel, kann aber als Ergänzung zu anderen Massnahmen helfen, die Zahl der Einbruchsdiebstähle zu verringern.»

Bei der Kantonspolizei habe man Kenntnis von der Software, sagt Hanspeter Krüsi. «Eine Anschaffung ist aber vorläufig weder geplant noch budgetiert.» Das sei ein strategischer Entscheid. Man verfolge selbstverständlich den Einsatz und die Wirkung von Precobs in anderen Kantonen. Sollte sich zeigen, dass die Software erfolgreich zur Verbrechensprävention beitrage, sei auch ein Einsatz im Kanton St. Gallen prüfenswert und möglich.

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