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WIL: Van Halen statt Van Beethoven

Der Musiker Giuseppe Iasiello hat vor 15 Jahren neue Töne in der Wiler Kirchenmusik angeschlagen. Sein Chor Roxing umrahmt seither katholische Gottesdienste mit Rock- und Popsongs. In seinen Augen verdient jede Musikform Gehör.
Ursula Ammann
Als ausgebildeter Kirchen- und Schulmusiker fühlt sich Giuseppe Iasiello sowohl in der klassischen Musik als auch in der Populärmusik zu Hause. Mit seinem Chor Roxing widmet er sich ausschliesslich Letzterem. (Bild: Ursula Ammann)

Als ausgebildeter Kirchen- und Schulmusiker fühlt sich Giuseppe Iasiello sowohl in der klassischen Musik als auch in der Populärmusik zu Hause. Mit seinem Chor Roxing widmet er sich ausschliesslich Letzterem. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Wenn im Gottesdienst «November Rain» von Guns' n' Roses auf die Kirchenbänke niederprasselt oder Robbie Williams' «Angel» zwischen Heiligenfiguren seine klanglichen Flügel ausbreitet, dann gibt gerade Roxing den Ton an. Der Rock- und Popchor der katholischen Kirchgemeinde Wil hat sich der weltlichen Musik verschrieben: Auf den Notenblättern steht Van Halen statt van Beethoven, Michael Jackson statt Mozart oder Toto statt Telemann. Begleitet werden die Sängerinnen und Sänger nicht von Orgel und Orchester, sondern von E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Klavier. Acht bis neun Mal jährlich tritt der Chor, der heute rund 30 Mitglieder zählt, im Jugendgottesdienst auf. Dazu kommt etwa ein Konzert pro Jahr ausserhalb des kirchlichen Rahmens.

Musik als Ganzheit verstehen

Leiter von Roxing ist der Sirnacher Kirchen- und Schulmusiker Giuseppe Iasiello. Er hat den Chor vor 15 Jahren ins Leben gerufen – auf Anfrage des damaligen Jugendseelsorgers der katholischen Kirchgemeinde Wil. «Ziel war es, wieder mehr Jugendliche in die Kirche zu bringen», erzählt Giuseppe Iasiello. Das sei gelungen. «Von einer Revolution kann man zwar nicht sprechen, doch die Besucherzahl ist nun schon seit langer Zeit stabil», sagt er.

Einer kleinen Revolution entspricht aber die Tatsache, dass die Katholische Kirchgemeinde Wil die Tür öffnete für Rock und Pop, zumal die Kirchenmusik über Jahrhunderte klassisch geprägt war. «Im Gottesdienst englisch zu singen war früher verpönt», erinnert sich Giuseppe Iasiello. Er selbst ist während seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker ebenfalls ausschliesslich mit klassischen Werken in Berührung gekommen. «Andere Stilrichtungen pflegte ich in der Freizeit», sagt der 40-Jährige, der neben seiner Arbeit als Musiklehrer und Kirchenmusiker auch heute noch in einer Band spielt. Klassische Musik und Populärmusik seien bedauerlicherweise oft gegeneinander ausgespielt worden, sagt Giuseppe Iasiello. «Was es braucht, ist Respekt gegenüber anderen Richtungen. Sowohl gegenüber dem Traditionellen als auch gegenüber dem Populären.» Er sei in beidem daheim.

Für den Sirnacher ist es wichtig, Musik als etwas Ganzheitliches zu verstehen. «Musik hat die Kraft, Menschen in einen Zustand der Spiritualität zu versetzen – ob es nun Bach ist oder Queen», betont er.

Auch Rock- und Popmusik transportiere Botschaften, die in der Kirche ihren Platz hätten, sagt Giuseppe Iasiello. «In Michael Jacksons <Man in the Mirror> geht es beispielsweise um Schöpfung und Veränderung», sagt er. Ein Songtext könne durchaus auch mal Stoff für die Predigt bieten.

Auch mal gerne keine Musik

«In Wil erlebe ich viel Offenheit gegenüber Neuem und auch eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Chören der Kirchgemeinde – dem Chor zu St. Nikolaus, dem Chor zu St. Peter und der Singbox», hält Giuseppe Iasiello fest und verweist auf gemeinsame Auftritte. Etwa am Kirchenklangfest Cantars.

Bei ihm stösst grundsätzlich jede Musik auf Gehör. «Ausser, wenn sich objektiv kein Unterschied zwischen Lärm und Kunst mehr ergibt», lacht der Vater zweier schulpflichtiger Kinder. Und manchmal, da habe er auch mal gerne keine Musik – seine Ruhe eben.

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