Wil
Uzwiler Architekt renoviert Wiler Schutzobjekt und verlegt sein Büro in den Garagentrakt

Architekt Klemens Dudli zügelt Mitte Jahr sein Büro von Uzwil nach Wil. Dort wird er die Villa Luegisland an der St.Gallerstrasse restaurieren. Der Jugendstilbau wurde vergangenes Jahr unter kantonale Schutz gestellt.

Philipp Stutz
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Das Wohnhaus Luegisland an der St.Gallerstrasse 7 steht südlich der Altstadt an der Hauptverbindungsstrasse Richtung Zuzwil. Das Gebäude wurde vergangenes Jahr unter kantonalen Schutz gestellt.

Das Wohnhaus Luegisland an der St.Gallerstrasse 7 steht südlich der Altstadt an der Hauptverbindungsstrasse Richtung Zuzwil. Das Gebäude wurde vergangenes Jahr unter kantonalen Schutz gestellt.

Bilder: Philipp Stutz

«Wir verlegen unseren Betrieb in einigen Monaten von einer historischen Stätte in die nächste», sagt Klemens Dudli. Er ist Architekt und beschäftigt in seinem Büro zwei Mitarbeiter. Schon bei der Erstausbildung zum Architekten begeisterte er sich für ältere und neuere Bauten von hoher gestalterischer und handwerklicher Qualität. Durch seine aktuelle Weiterbildung «Umnutzung und Denkmalpflege» wird dieses Know-how weiter ins Zentrum gerückt.

«Wir werden uns hauptsächlich diesem Themenfeld widmen», betont Dudli. «Unseren Schwerpunkt legen wir auf die Bereiche Altbauten, Denkmalpflege, Umnutzung, Umbauten und Bauen im Bestand.» Neben klassischen Architekturleistungen stehen denkmalpflegerische Beratungen und Expertisen im Mittelpunkt. So begleitet das Büro seit drei Jahren als «Klosterarchitekten» die barocke Anlage in Fischingen.

Fokus nicht alleine auf Altstadt und Hof richten

Bislang hatte das Architekturbüro seine Büroräumlichkeiten in der ehemaligen Bahnhofapotheke, einem der wenigen historischen Häuser im Zentrum von Uzwil. «Die Lokalität repräsentiert unsere Firmenphilosophie in hohem Masse», betont Dudli, der diesen Standort ungern verlässt. Er hofft, dass sich jemand finden lässt, der die Räume zu schätzen weiss.

Klemens Dudli vor der Garage, die ihm und seinen beiden Mitarbeitern nach einem Umbau als Büro dienen wird.

Klemens Dudli vor der Garage, die ihm und seinen beiden Mitarbeitern nach einem Umbau als Büro dienen wird.

Die Stadt Wil erachtet er für seine neue berufliche Ausrichtung als ideal. Für Umbauten und Denkmalpflege biete sich die Äbtestadt geradezu an. Er sagt:

«Wil verfügt über eine reiche Substanz an historischen Bauten. Es ist deshalb schade, dass der Fokus meist auf den Hof und die Altstadt gelegt wird.»

So umfasst das Inventar der Stadt Wil beispielsweise viele Jugendstil-Bauten, die zwischen 1900 und 1910 errichtet wurden. Dies verdeutlicht, dass sich die Stadt um die Jahrhundertwende, bedingt durch die Industrialisierung und damit verbundenen Wohlstand, stark ausdehnte und zahlreiche Bauten von hoher Qualität entstanden.

Büro in der umgebauten Garage nutzen

Zu diesen Bauten zählt die Villa Luegisland an der St.Gallerstrasse. Dudli wird das markante Gebäude denkmalpflegerisch restaurieren und in der ehemaligen Garage, einem frei stehenden Gebäude, sein kleines «Büro für Denkmalpflege und Architektur» einrichten. Die Garage verfügt im Innern über eine eigene Tanksäule, die allerdings längst nicht mehr in Betrieb steht. Nun wird sie umgebaut und mit Nasszelle und Küchenzeile ausgestattet. Die Garagentore werden mit Holzlamellen versehen.

Das Wohnhaus St.Gallerstrasse 7 steht südlich der Altstadt an der Hauptverbindungsstrasse Richtung Zuzwil. Auf der Frontseite ist der Schriftzug «Luegisland» erkennbar. Dudli sagt:

«Das Gebäude wurde vergangenes Jahr unter kantonalen Schutz gestellt. Darüber bin ich froh, denn dadurch kann es in seiner Eigenart erhalten bleiben.»

Er möchte das Haus sanft restaurieren. Die Baubewilligung liegt vor. Die meisten Räume befinden sich noch im ursprünglichen Zustand. Böden werden aufgefrischt und Holztäferungen gestrichen, Fenster energetisch verbessert. Die insgesamt vier Wohnungen werden anschliessend vermietet.

Im Jahr 1907 von Adolf Gessert erbaut

Das Mehrfamilienwohnhaus wurde 1907 vom Wiler Architekten Adolf Gessert erbaut. Es bestand aus drei Etagenwohnungen und einem Dachgeschoss mit Kammern. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erfuhr der Bau Veränderungen und Renovationen im Küchen- und Sanitärbereich. Mit dem Einbau eines Badezimmers im ersten Obergeschoss an Stelle der Küche wurde das Gebäude zum Zweifamilienwohnhaus umgenutzt. Die letzte grosse Pinselrenovation erfolgte Mitte des 20. Jahrhunderts, wobei die gesamte Ausstattung von 1907 erhalten blieb.

Im Treppenhaus der Villa finden sich mit Jugendstilranken bemalte Decken.

Im Treppenhaus der Villa finden sich mit Jugendstilranken bemalte Decken.

Die letzte Fassadenrenovation fand in den 1990er-Jahren statt, bei der in Richtung der stark befahrenen St.Gallerstrasse Lärmschutzfenster als historische Nachbauten eingesetzt wurden. Die letzte Innenrenovation erfolgte vor rund zehn Jahren. Zur Liegenschaft gehört ein erhaltenswerter Park, der sich auf der Südseite befindet. Er birgt eine Buche, die unter Schutz steht, Eiben und eine Mispel. Hinzu kommen Naturstein-Platten und Plätze, die aus den Vierzigerjahren stammen.

Nachdem es verschiedene Besitzerwechsel gab, erwarb Albert Meile-Schilling 1925 das Mehrfamilienwohnhaus. Meile war Miteigentümer der Drahtwarenfabrik Knecht & Meile. Die Fabrik befand sich gegenüber dem heutigen Bahnhofgebäude. Die zur Liegenschaft gehörende Autogarage wurde 1928 durch Hermann Schilling errichtet und steht nicht unter Schutz. Nach dem Tod ihrer Eltern 1960 übernahm Sylvia Meile (1929–2018) die Liegenschaft St.Gallerstrasse 7. Anhand stilistischer Beobachtungen im Haus erfolgte zwischen 1940 und 1960 eine Renovation, die wohl mit dem Besitzerwechsel in Verbindung gebracht werden kann.

Bausubstanz wurde bei Renovationen berücksichtigt

«Alle Renovationen respektierten die Bausubstanz von 1907», heisst es in einem Schutzwürdigkeitsgutachten der Kunsthistorikerin Annina De Carli-Lanfranconi. Dies hat zur Folge, dass das Gebäude eine komplett erhaltene Aussenhülle und Ausstattung aus diesem Jahr aufweist.

Bemerkenswert sind im Innern vor allem der historische Fensterbestand, die Wandtäfer, Türen und Parkettböden, das erhaltene Treppenhaus und die hier mit Jugendstilranken bemalten Decken. Das Äussere besticht durch das Ecktürmchen, mehrgeschossige Balkonanbauten, durch die Haustür mit Vordach, das Dachhaus mit Sichtfachwerk und Sprengwerkverzierungen im Giebel.