Wil setzt auf das Wohnen

Der Stadtrat hat die Nutzungsplanung revidiert. Etliche Punkte im Zonenplan und im Baureglement fördern das verdichtete Bauen. Auf die eingeschossige Wohnzone wird verzichtet. Dafür werden neue Zonen eingeführt.

Philipp Haag
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Das Agrar-Areal neben den Bahngeleisen soll überbaut werden. Das Gelände ist in die WG4-Zone eingeteilt. (Bild: Philipp Haag)

Das Agrar-Areal neben den Bahngeleisen soll überbaut werden. Das Gelände ist in die WG4-Zone eingeteilt. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Die Nutzungsplanung der Stadt Wil stammt aus dem vergangenen Jahrhundert. Gut 25jährig sind der Zonenplan und das Baureglement. Sie entsprechen den heutigen Verhältnissen und Anforderungen nicht mehr. Aus diesem Grund hat der Wiler Stadtrat unter Beizug der Planungskommission die Nutzungsplanung einer Revision unterzogen. Im Jahr 2013 erfolgte die öffentliche Auflage. Im Jahr darauf die Änderungsauflage. Nun hat die Bau- und Verkehrskommission die Nutzungsplanung zuhanden des Stadtparlaments verabschiedet.

Verdichtung gegen innen

Das übergeordnete Motto der überarbeiteten Nutzungsplanung lautet: verdichtet bauen. Auf Basis des kantonalen Raumplanungs- und Baugesetzes fördert der Stadtrat die Verdichtung des Wohnraums innerhalb der Stadtgrenze. Dies bedeutet: die Ausnutzungsziffern in den Wohnzonen werden moderat erhöht und neue Zonen eingeführt, die es erlauben, in die Höhe zu bauen. «Auf die Zone für eingeschossige Bauten wird auf dem gesamten Stadtgebiet verzichtet», sagt Stadtrat Marcus Zunzer, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr. Als Ersatz für die W1-Zone wird die Zone W2a eingeführt, welche Gebäude mit zwei Stockwerken erlaubt. Die Vorgaben bleiben etwa die gleichen, abgesehen von der Höhe der Liegenschaft. Der Unterschied der W2a-Zone zur ebenfalls neu eingeführten W2b-Zone liegt vor allem in der Höhe der Ausnutzungsziffer, also welcher Anteil des Grundstücks überbaut werden darf, und der Dimension der Gebäude. Betroffen von der neuen W2a-Regelung sind im Besonderen die Einfamilienhaus-Quartiere am Hofberg und am Nieselberg.

Ebenfalls neu nimmt der Stadtrat eine WG4- und eine K4-Zone in den Zonenplan auf. Die neue WG4-Zone (Wohn/Gewerbe 4geschossig) kommt innerhalb des Stadtgebiets entlang der Hauptverkehrsachsen wie der Toggenburger- und der St. Gallerstrasse zur Anwendung. Auch das der Gewerbe-Industrie-Zone zugeteilte Agrar-Areal neben den Bahngleisen ist neu in der WG4-Zone. Auf dem Grundstück soll eine Siedlung mit Hochhaus, Wohnbauten und Gewerbeliegenschaften entstehen. Eine weitere Grossüberbauung ist auf dem Landhaus-Gelände entlang der unteren Bahnhofstrasse geplant. Auf Basis des Gestaltungsplans ist das Grundstück von der Kernzone, in der mindestens drei Geschosse erlaubt sind (K3), in die neu geschaffene K4-Zone umgeteilt worden. Die geforderte Einführung der K4-Zone im Bereich der Fussgängerzone Obere Bahnhofstrasse lehnte der Stadtrat aus städtebaulichen Überlegungen ab, wie Zunzer sagt.

Insgesamt sind 4,5 Hektaren Neueinzonungen vorgesehen. Für das Wohnen sind als grösste Flächen in die entsprechende Zone umgeteilt worden: das Gebiet Lenzenbüel von der Arbeitsplatzzone, das Klinikgelände hinter dem Hotel Freihof von der Zone für öffentliche Bauten und das Zeughaus-Areal ebenfalls von der Zone für öffentliche Bauten. Durch die Umzonungen forciert der Stadtrat das Wohnen. Dieses ist auch beim Gelände der Firma Kindlimann, die den Betrieb nach Tägerschen verlegen möchte, ein Thema. Das Areal verbleibt vorerst in der Industriezone, wie Zunzer sagt. Erst wenn klar sei, wo und in welcher Grösse die Allmend angeordnet sei, könne das Grundstück über einen Teilzonenplan umgezont werden.

Über 50 Einsprachen

Gegen die im Jahr 2013 aufgelegene Nutzungsplanung sind 44 Einsprachen eingegangen. Die meisten betrafen die neu geschaffene Zone W1. Gegen die Änderungen gingen beim Stadtrat 10 Einsprachen ein. Dieser hat in 22 Entscheiden über die Eingaben befunden. «Die meisten haben wir abgelehnt», sagt Zunzer. Nun gelangt die Nutzungsplanung ins Stadtparlament. Im ersten Halbjahr 2016 sollte dies der Fall sein. Die Nutzungsplanung unterliegt dem fakultativen Referendum. Wird es nicht ergriffen, beginnt mit dem Ende der Frist die Rekursfrist für die abgelehnten Einsprachen. Zunzer hofft, die Nutzungsplanung, oder zumindest den grössten Teil, im Lauf des nächsten Jahres in Kraft setzen zu können.

Marcus Zunzer Stadtrat, Vorsteher Departement Bau, Umwelt und Verkehr (Bild: pd)

Marcus Zunzer Stadtrat, Vorsteher Departement Bau, Umwelt und Verkehr (Bild: pd)

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