WIL: Schweizer Kinder in der Minderheit

Der SVP-Stadtparlamentarier Nathanael Trüb möchte vom Stadtrat wissen, was er gegen hohe Anteile fremdsprachiger Kinder an einigen Schulhäusern unternimmt. Er möchte verhindern, dass Schweizer Schüler vernachlässigt werden.

Philipp Haag
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Die Primarschule Lindenhof hat mit 79 Prozent den höchsten Anteil an fremdsprachigen Kindern in der Stadt Wil. (Bild: Philipp Haag)

Die Primarschule Lindenhof hat mit 79 Prozent den höchsten Anteil an fremdsprachigen Kindern in der Stadt Wil. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Die Stadt Wil verfügt über einen hohen Ausländeranteil. Demzufolge ist der Anteil an fremdsprachigen Kindern in vielen Schulhäusern ebenfalls hoch, in einzelnen gar überdurchschnittlich. Den Spitzenwert erreicht die Primarschule Lindenhof mit 79 Prozent im vergangenen Schuljahr. Auch im Matt-Schulhaus mit 65 Prozent, an der Oberstufe Lindenhof mit 58 Prozent und im Allee-Schulhaus mit 55 Prozent sind die Kontingente bedeutend. Ein Umstand, der Nathanael Trüb, Stadtparlamentarier der SVP und Medienpädagoge, Sorgen bereitet. «Es gibt immer mehr Schulhäuser, in denen die Schweizer Schülerinnen und Schüler in der Minderheit sind», sagt er. Eine Entwicklung hat eingesetzt, bei der noch kein Ende abzusehen ist. Aus diesem Grund fordert Trüb vom Stadtrat Massnahmen, die er in einer Interpellation anspricht (siehe Kasten).

Die Perspektive wechseln

Dem Stadtparlamentarier geht es bei seinem Vorstoss nicht primär um die fremdsprachigen Kinder. Seine Aufmerksamkeit gilt den Schweizer Kindern, zu denen er auch Eingebürgerte und Secondos zählt. Trüb, der auch für den Schulrat kandidiert, erwartet vom Stadtrat einen Perspektivenwechsel. «Integration in Ehren», sagt er, «aber die deutschsprachigen Kinder dürfen nicht vergessen werden.» Er sieht sie zum Teil gar vernachlässigt. Trüb fordert darum den Stadtrat auf, Vorkehrungen zu treffen, wie die Schweizer Schülerinnen und Schüler in den Schulhäusern mit einem hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern gefördert werden können. Ihm schwebt eine Minderheitenförderung vor.

Die Schweizer Kinder und diejenigen mit Migrationshintergrund in verschiedenen Klassen zu separieren geht ihm zu weit. Dennoch wünscht er sich Klassen, in denen das Verhältnis ausgeglichener ist als in vielen heutigen. «Es muss eine Balance geschaffen werden», sagt Trüb. Klassen mit zur Hälfte Schweizer Schülerinnen und Schülern sowie gleich vielen mit ausländischem Hintergrund sieht er als ideal an, «in den Schulhäusern, in denen es umsetzbar ist». Mit derartigen Eingriffen möchte Trüb verhindern, dass weiterhin Schweizer Eltern innerhalb der Stadt umziehen von Quartieren mit einem hohen Ausländeranteil in solche mit einem tiefen. Er sieht die Stadtverwaltung in der Pflicht, mit raumplanerischen und städtebaulichen Anreizen eine vielfältigere Durchmischung in den Quartieren zu erreichen.

Fehlende Informationen

Den Einsatz von Schulbussen für eine bessere Durchmischung in den Schulhäusern sieht Trüb nicht als Lösungsansatz. «Der Schulweg hat auf die Kinder eine sozialisierende Wirkung», sagt er. Aus diesem Grund dürfe der Schulweg nicht verlorengehen. Er wundert sich denn auch, dass beim Kindergarten Schultransporte innerhalb von Wil eingesetzt werden. «Ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt», wie Trüb ergänzt. Er erfuhr es per Zufall, weil Eltern ihn darauf angesprochen haben. Den Grund einzig bei der Klassengrösse zu suchen, was bei Schultransporten meist angeführt wird, greift dem Stadtparlamentarier zu kurz. Trüb vermutet, dass durch die Schultransporte die Integration fremdsprachiger Kinder und demzufolge die soziale Durchmischung verfolgt werden soll.

Am meisten stört Trüb aber, dass die Bevölkerung nicht informiert wird. Darum möchte er wissen, «wieso Kinder in der Stadt herumgefahren werden». Der Stadtparlamentarier erwartet vom Bildungsdepartement Transparenz und möchte erfahren, welche Strategie es bei den fremdsprachigen Kindern verfolgt. «Denn so wie heute kann es nicht weitergehen.»

Nathanael Trüb Stadtparlamentarier SVP (Bild: pd)

Nathanael Trüb Stadtparlamentarier SVP (Bild: pd)