WIL: Pilgern für mehr Mitspracherecht

Am 2. Mai startete eine neunköpfige Gruppe von St. Gallen aus in Richtung Rom. Ihr Ziel: Mehr Mitspracherecht für Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Mittendrin die Wilerin Cäcilia Koller, die auf der ganzen Strecke dabei war.

Arcangelo Balsamo
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Cäcilia Koller war auf der ganzen Strecke dabei. (Bilder: pd)

Cäcilia Koller war auf der ganzen Strecke dabei. (Bilder: pd)

WIL. Cäcilia Koller ist froh, wieder zu Hause zu sein. «Wil ist meine Heimat. Die Leute, die eigenen vier Wände – das hat mir schon gefehlt», erzählt die langjährige Katechetin. Vor einer Woche reiste sie aus Rom zurück, nachdem sie am 2. Mai von St. Gallen aus mit ihrer Pilgergruppe in Richtung Ewige Stadt aufgebrochen war. Zwei Monate waren sie unterwegs. Eine Pilgerreise über Stock und Stein, über mehr als 1000 Kilometer, unter dem Motto: «Für eine Kirche mit den Frauen».

Die Wilerin war auf Anhieb begeistert vom Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich für mehr Mitspracherecht der Frauen in der katholischen Kirche einzusetzen. Nach den repressiven Jahren unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI., in welchen das Thema tabu war, war es Zeit, ein Zeichen zu setzen.

Wie einst Franz von Assisi

Nach alter Schule, so wie einst Franz von Assisi, nahm man sich vor, nach Rom zu pilgern, um dem Papst das Anliegen zu präsentieren. Zu einem Treffen mit dem Heiligen Vater kam es aber nicht. Wenige Kilometer vor der italienischen Hauptstadt wurde mitgeteilt, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche im Juli keine Termine annehme. Die Enttäuschung der Pilger hielt sich in Grenzen. Und so überwog am 2. Juli die Freude. Rund 500 Unterstützer und Unterstützerinnen des Projekts sowie die Bischöfe Felix Gmür aus Basel, Markus Büchel aus St. Gallen, Wilhelm Krautwaschl aus Graz, Abt Urban Federer aus Einsiedeln und zwei weitere Äbte waren angereist und feierten mit der Pilgergruppe im Petersdom Messe. Bischof Markus Büchel nahm stellvertretend eine Schachtel entgegen, in welcher sich auch ein Brief für den Papst befand. Über 1000 Leute nutzten das Angebot mit der neunköpfigen Gruppe, für ein Teilstück mitzupilgern. Besonders in der Schweiz war das Interesse gross, aber auch in Italien stiessen immer wieder Menschen dazu, um eine oder mehrere Tagesetappen mitzugehen.

Regen und sengende Hitze

Wer denkt, dass man die Pilgerreise mit einer gemütlichen Wanderung vergleichen kann, der irrt sich. Egal, ob Regen oder sengende Hitze, täglich hiess es am Morgen: «Schuhe und Rucksack an, wir ziehen weiter.» Blasen und Muskelkatern wurde regelmässig getrotzt, und auch als eine Teilnehmerin nicht mehr weitergehen konnte, kam es für diese nicht in Frage, umzukehren. Die Frau begleitete danach die Pilger mit einem Mietauto, in welchem sie einen Teil des Gepäcks jeweils zur nächsten Unterkunft transportierte. «Mein Bein schmerzte. So sehr, dass ich für einen Tag mit dem Auto mitfahren musste, um mich zu erholen», erzählt Cäcilia Koller, für die Aufgeben nie in Frage kam.

Gegenseitiges Motivieren

Die Gruppe hat sich immer wieder gegenseitig motiviert und dank spezieller Momente neue Kraft getankt. Etwa auf dem Splügen, als sie bei miesem Wetter – durchnässt und entmutigt – von drei Alphornbläsern und heissen Getränken erwartet wurden. «Das war ein richtiger Aufsteller», erzählt die Wilerin. Doch auch nach dem Überqueren der Alpen gab es noch genügend Hürden zu überwältigen. Einmal mussten die Pilger abends sogar auf Strom und fliessendes Wasser verzichten, weil es zu Überschwemmungen kam. Trotz der physischen und mentalen Belastung gelang es, sich an der Natur zu erfreuen. «Die Landschaften, das Gezwitscher der Vögel, die Pflanzenwelt und das Wissen, dass man für eine gute Sache unterwegs war, entschädigten für die Strapazen», schwärmt Cäcilia Koller.

«Kirche mit* den Frauen» bei der Ankunft in Rom. (Bild: pd)

«Kirche mit* den Frauen» bei der Ankunft in Rom. (Bild: pd)