Wil
Parlament will Autoposer aus dem Verkehr ziehen – das dürfte aber schwierig werden

SVP-Fraktionspräsident Benjamin Büsser fordert in einem Vorstoss weitere Massnahmen gegen Autoposer. Wegen fehlender gesetzlicher Grundlagen auf Bundesebene sind die Möglichkeiten der Stadt aber begrenzt.

Gianni Amstutz
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Die Polizei führt im ganzen Kanton vermehrt Kontrollen durch und nimmt damit Autoposer ins Visier.

Die Polizei führt im ganzen Kanton vermehrt Kontrollen durch und nimmt damit Autoposer ins Visier.

Bild: LZ

Sie sind laut, verärgern die Anwohner und gefährden die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. Die Rede ist von Autoposern. Zum Spass fahren sie durch die Innenstädte und verursachen dabei – oft mit technisch unerlaubt veränderten Autos – ohrenbetäubenden Lärm.

Auch in Wil ist das Problem bekannt. Jetzt schaltet sich die Politik ein. Sie will das bunte Treiben der Autoposer nicht länger hinnehmen – und fordert den Stadtrat zum Handeln auf.

Eine unangenehme Nebenerscheinung

SVP-Fraktionspräsident Benjamin Büsser.

SVP-Fraktionspräsident Benjamin Büsser.

Bild: PD

SVP-Stadtparlamentarier Benjamin Büsser hat einen Vorstoss eingereicht. Im Hinblick auf die wärmere Jahreszeit einerseits und die Lockerungen der Pandemiemassnahmen anderseits werde der öffentliche Raum wieder stärker genutzt, schreibt er. Damit einher gingen unangenehme Nebenerscheinungen, insbesondere das häufigere Erscheinen von sogenannten Autoposern, hauptsächlich im Bahnhofsbereich und auf der Zürcherstrasse.

Büsser stört sich nicht nur daran, dass die Autoposer «Effekthascherei mit ihren oft übermotorisierten Fahrzeugen» betreiben.

«Sie stellen ihre manipulierten Abgasanlagen akustisch zur Schau und führen waghalsige Manöver und Beschleunigungsrennen durch.»

Abgesehen von der Lärmbelästigung bildeten die Autoposer zudem eine potenzielle Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer und die Fussgänger.

Was wird bereits gemacht gegen Autoposer?

Büsser will nun vom Stadtrat wissen, was bereits gegen Autoposer unternommen worden ist und welche weiteren Schritte sich der Stadtrat vorstellen könnte. Denn andere Gemeinden, die ebenfalls vom Problem betroffen seien, hätten in Zusammenarbeit mit der Polizei erfolgreich Aktionspläne gegen diese Auswüchse ausgearbeitet.

Zudem will Büsser wissen, wie viele Personenwagen auf dem Gebiet der Stadt Wil im Jahr 2020 und im laufenden Jahr von der Polizei aufgrund übermässiger Geschwindigkeit, Lärmbelästigung oder unerlaubter technischer Modifikationen aus dem Verkehr gezogen worden sind.

Dass Autoposer über Parteigrenzen hinweg als Problem betrachtet werden, zeigt der Umstand, dass Büssers Vorstoss von Mitgliedern aller fünf Fraktionen des Wiler Stadtparlaments unterzeichnet wurde. Und nicht nur in der Stadt Wil beschäftigt das Thema.

Auch der Kanton ist ratlos

Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Kantonsrat mit dem Problem befasst. Die Kantonsregierung hatte damals zwar verlauten lassen, dass das Verhalten der Autoposer nicht geduldet werden könne und vermehrte Kontrollen angekündigt. Trotzdem machte sie auch klar, dass der Einfluss begrenzt sei.

Zwar sei es vorstellbar, die Fahrzeugleistung abhängig vom Alter des Lenkers einzuschränken oder eine Lärmobergrenze einzuführen, dazu müsste allerdings das Bundesrecht angepasst werden. Auf Kantons- oder Gemeindeebene gebe es hingegen keine erfolgversprechenden Massnahmen, die über verstärkte Polizeikontrollen hinausgehen.

Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Vorstoss im Wiler Stadtparlament nur mit geringer Wahrscheinlichkeit eine komplett neue Lösung des Problems hervorbringen. Es bleibt aber abzuwarten, ob der Stadtrat im Gegensatz zur Kantonsregierung einen kreativen Ansatz findet, um den Autoposern die Grenzen aufzuzeigen.