WIL: Panik, Tränen und Ratlosigkeit

Dieses Jahr sind an Ostern selbst die Ostereier eingefroren. Die tiefen Temperaturen hielten das Momoll-Theater aber nicht von ihren Proben ab. Das Ensemble studierte in der Lokremise ihr neues Stück ein.

Michael Hug
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Spielen gegen die Kälte: Co-Regisseurin Barbara Schüpbach gibt Anweisungen an der Probe in der Lokremise. (Bild: Michael Hug)

Spielen gegen die Kälte: Co-Regisseurin Barbara Schüpbach gibt Anweisungen an der Probe in der Lokremise. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

Es ist Karfreitag, nachmittags. Das ganze Ensemble des «Momoll» sitzt vor der Lokremise. «Wir wärmen uns auf», lacht Claudia Rüegsegger, zusammen mit Barbara Schüpbach Co-Regisseurin beim Wiler Momoll-Jugendtheater. «Es ist drinnen kälter als draussen», klärt Rüegsegger auf, «der Föhn wirkt nur im Freien, drinnen bleibt es einfach kalt. Darum verbringen wir die Pausen draussen.» Vielleicht zehn Grad herrschen in der Lok-remise, eigentlich viel zu kalt, um zu arbeiten.

Kein bezahlter Profischauspieler würde sich bei solchen Bedingungen die Glieder abfrieren. Doch die 22 Jugendlichen des Momoll tun dies sogar freiwillig. Auch an Ostern. Da müssen sehr viel Leidenschaft und Enthusiasmus für das Theaterspielen vorhanden sein.

Mehr Darsteller als Sprechrollen

«Karin B. (16)» heisst das Stück, das dieses Jahr geprobt wird. Wie immer ist es ein Thema, das die Jugendlichen direkt anspricht. «Es geht um Jugendliche in einem Ferienlager in den Sechzigerjahren», sagt Regisseurin Rüegsegger, «es geht um das Zusammenleben auf engem Raum, um Freundschaften und Knatsch, und dann ist plötzlich eine der Schülerinnen beim Abendessen nicht mehr da.» Nun geht die Suche los, es gibt Panik, Schuldzuweisungen, Tränen und mittendrin steht der Lagerleiter, der auch nicht weiter weiss. Geschrieben wurde Karin B. von Paul Steinmann, der schon mehrere Stücke für das «Momoll» kreiert hat.

Für das Stück haben Schüpbach und Rüegsegger 22 Jugendliche begeistern können. «Es sind jedes Jahr mehr dabei», stellt Rügsegger fest, «es gibt einige, die immer wieder dabei sein wollen und dann kommen auch immer wieder neue aus unseren Theaterkursen dazu.» Der Erfolg führt aber auch zu einem Problem: «Es gibt nicht viele Stücke, die man mit so vielen Darstellenden spielen kann, wo jeder eine Sprechrolle hat und nicht nur einfach Statist ist.» Doch man hat ja Paul Steinmann und der hat immer etwas auf Lager. Für Karin B. zog der Autor eine ältere Idee aus der Schublade und entwickelte sie zu einem fertigen Stück mit grossem Ensemble. Karin B. wird in drei Wochen als Uraufführung in der Wiler Lokremise gespielt werden. «Dieses Jahr haben wir sogar eine vierköpfige Band integriert. Diese vier jugendlichen Musikerinnen und Musiker spielen dem Stück gerecht Musik aus den Sechzigern, aber nicht nur, sie haben auch Sprechrollen», so Rüegsegger weiter. Die ganze Produktion wird auf drei Bühnen gespielt – Platz gibt es ja genug in der Lokremise. Und wärmende Decken für das Publikum ebenso. Denn bis die Frühlingswärme ins alte Lokdepot dringt, wird es wohl Sommer werden müssen.

Hinweis

Die Premiere von «Karin B. (16)» ist am Samstag, 21. April, um 20.15 Uhr, in der Wiler Lokremise; weitere Vorstellungen: 24., 26., 28. und 30. April, 3., 4. und 5. Mai, jeweils um 20.15 Uhr; Tickets sind erhältlich unter: www.momoll-theater.ch, Türöffnung und Bar, jeweils um 19.30 Uhr.