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WIL: Orgelklänge zwischen Festtagstrubel und Fasnacht

Toccata Wil lud zum traditionellen Orgelspaziergang in nachweihnachtlicher Zeit ein. Die Gelegenheit zum besinnlichen Zwischenhalt wurde von vielen Wilerinnen und Wilern wahrgenommen.
Jens Wiech an der Orgel der Neuapostolischen Kirche. (Bild: Peter Küpfer)

Jens Wiech an der Orgel der Neuapostolischen Kirche. (Bild: Peter Küpfer)

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des traditionellen musikalischen Rundgangs durch die Kirchen Wils wurde ein reichhaltiges Programm geboten. Marie-Louise Eberhard Huser zeigte sich in ihrer Begrüssung erfreut, dass sich schon am früheren Nachmittag eine stattliche Zahl von Zuhörerinnen und Zuhörern in der Neuapostolischen Kirche einfand, wo der Rundgang seinen Anfang nahm. Wie Eberhard später sagte, sei die Idee zur Durchführung dieses jährlichen Anlasses auch davon inspiriert, dass Wil über viele Kirchen auf kleinstem Raum verfüge. Jede habe ihre eigene Ausstrahlung, welche von verschiedenen Orgeln musikalisch geprägt werden.

Ausgewogenes Programm

Die Eröffnung brachte zwei Stücke von Altmeister Buxtehude. Dem schloss sich das Präludium mit Fuge G-Dur von Mendelssohn an. Die überschaubaren Verhältnisse in dieser Kirche, mit Jens Wiech am Podium, riefen in Erinnerung, dass die Orgel «den ganzen Menschen» verlange. Buchstäblich müsse das anspruchsvolle Instrument ja «mit Händen und Füssen von der Seele gar nicht zu sprechen» gespielt werden.

Den Sprung in die Neuzeit machte Giuseppe Isaiello mit einem Programm in der St. Peter Kirche, das von Ulrich Knörr über de Jong, Fletcher, Bossi bis zu Théodore Dubois reichte. Weiter ging es mit dem dreigliedrigen Programm, das Stephan Giger auf «seiner» Kuhn-Orgel in der Kreuzkirche absolvierte. Zuerst folgte man einer Variation von «Ihr Kinderlein kommet» des süddeutschen Organisten Karl Alois Mack, dann dem «In dulci jubilo» von Willy Burkhard und schliesslich der Rhapsodie «On Old French Carols» von William Faulkes.

Ausklang mit Paul Huber

Es ging in der Klosterkirche St. Katharina weiter mit traditionelleren Klängen, die ebenso in die Höhen und Tiefen der Orgelwelt entführten. Antonia Ruesch Lengwiler mit ihrer Violine und Monika Bernold-Bissig an der Albietz-Orgel absolvierten ein Programm mit Stücken aus dem Barock, von Vivaldi und Bach über Rheinberger und Manfredini bis zu Händel.

Den Schlussakkord setzte Marie-Louise Eberhard Huser dann in der Stadtkirche. Zu Ehren von Paul Huber, dessen 100. Geburtstag sich jährt, war ihr Programm dem St. Galler Komponisten gewidmet, der 2001 verstorben ist. Wie bei Willy Burkhard war auch bei den von Eberhard intonierten Titeln von Huber der Jubel über das weihnachtliche Ereignis erst nach aufwühlendem Ringen des Komponisten um Trost spürbar – in «Adeste fideles» wie in den Variationen zu «Stille Nacht» oder der «Toccata über die Glocken des Domes zu St. Gallen». Gerade das Schluss-Stück aus der späteren Schaffensphase von Huber erinnerte daran, dass der aus dem Italienischen stammende Begriff «Toccata» damit zu tun hat, die Zuhörer zu berühren. Auch in der Kirche St. Nikolaus hatte es viele Zuhörer. Offensichtlich stösst die von Toccata Wil gebotene Möglichkeit, zwischen dem Trubel der Festtage und dem sich ankündigenden fasnächtlichen Treiben eine musikalische Einkehr einzuschalten, nach wie vor auf grossen Zuspruch.

Peter Küpfer

redaktion@wilerzeitung.ch

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