WIL: Ohne Mampf kein Kampf

Sieben angehende Armeechefköche servierten gestern beim Kirchplatzschulhaus einen militärischen Gaumenschmaus. Dies, um die Verpflegungsproduktion in grossen Mengen praxisnah trainieren zu können und ihre Arbeit öffentlich zu präsentieren.

Gianni Amstutz
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Samuel Eppenberger (links) serviert der Wiler Bevölkerung mit weiteren angehenden Armeechefköchen Pouletgeschnetzeltes mit Reis. (Bild: gia)

Samuel Eppenberger (links) serviert der Wiler Bevölkerung mit weiteren angehenden Armeechefköchen Pouletgeschnetzeltes mit Reis. (Bild: gia)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Vor dem Kirchplatzschulhaus in Wil herrschte gestern Mittag Hochbetrieb. Weit über hundert Personen waren der Einladung der Armee zu einem Mittagessen für fünf Franken gefolgt. Zubereitet wurde das Menü von sieben angehenden Armeechefköchen. Für sie war es eine Übung im Rahmen ihrer Ausbildung, bei der sie für den Ernstfall trainierten, aber auch in Kontakt mit der Öffentlichkeit treten konnten. «Für die angehenden Küchenchefs ist das eine tolle Gelegenheit, ein direktes Feedback zu erhalten», sagte der Ausbilder Fabian Manferdini. Und dieses war durchwegs positiv.

Das zeigten nicht nur die Anzahl verkaufter Menüs, sondern auch die Reaktionen der Bevölkerung. 136 Personen hatten sich vorgängig einen Bon gekauft, doch letztlich erschienen viele weitere Besucher spontan zum militärischen Gaumenschmaus.

Alle Portionen restlos ausverkauft

Nach nur einer halben Stunde waren alle Portionen verkauft. Und dies, obwohl die Armeeköche rund 40 zusätzliche Portionen eingeplant hatten. «Ich finde, das sollte zu einem wöchentlichen Anlass werden», sagte eine Frau. Ein junger Mann war von der Aktion und dem Essen ebenso begeistert. Erst beim Vorbeifahren mit dem Velo wurde er auf die Aktion aufmerksam, worauf er mit seiner ganzen Familie zum Essen kam. «Das Essen war lecker. Die Armeeköche sollten ein Restaurant eröffnen», sagte er. Serviert wurde Pouletgeschnetzeltes mit Currysauce und Gemüsepilawreis. Dieses Menü kochten die angehenden Armeechefköche in einem mobilen Verpflegungssystem. Dieses verfügt über eine eigene Strom- und Wasserversorgung und würde deshalb autonom funktionieren. Lassen es die Möglichkeiten zu, kann das mobile Verpflegungssystem an Strom- und Wasserleitungen angeschlossen werden. Bisher komme es noch eher selten zum Einsatz, sagte Manferdini. «Da es über eine Wasseraufbereitungsanlage verfügt, eignet es sich beispielsweise auch für die Versorgung der Bevölkerung bei einer Naturkatastrophe.»

Gekocht werde in Druckmodulen, die gleich funktionierten wie Dampfkochtöpfe, erklärte Samuel Eppenberger, der in Wil für die Leitung der Küche zuständig war. Zusätzlich stehen den Köchen ein Bratmodul sowie zwei Kombisteamer zur Verfügung. Eppenberger, der wie die meisten anderen angehenden Armeechefköche auch im zivilen Leben eine Kochlehre absolviert hat, betonte, wie wichtig eine gute Planung für das Kochen grosser Mengen sei. So könnten im mobilen Verpflegungssystem bis zu 300 Portionen zubereitet werden. «Während der Rekrutenschule habe ich allerdings ausschliesslich in der stationären Küche in der Kaserne gekocht», sagt der 19-Jährige. Erst in der achtwöchigen Ausbildung zum Chefkoch habe er weitere Methoden wie das Kochen über Feuer, mit dem Notkocher oder im mobilen Verpflegungssystem gelernt.

Von Indianern zu Häuptlingen

«Kochen können sie alle», sagte Fabian Manferdini. In der Ausbildung zum Armeechefkoch stünden deshalb die Entwicklung der Führungs- und Ausbildungskompetenz im Zentrum. «Die Soldaten müssen von Indianern zu Häuptlingen werden. Deshalb halte ich mich bei solchen Übungen zurück und stecke lediglich die Grenzen ab.» Organisation und Ausführung lägen in der Verantwortung der angehenden Küchenchefs. Denn in wenigen Tagen endet der achtwöchige Lehrgang. Dann übernehmen die ausgebildeten Chefköche die Verantwortung für eine Armeeküche und müssen ohne Hilfe von Ausbildern zurechtkommen.

Eppenberger weiss um die Verantwortung, welche damit einhergeht. «Im Militär sind die drei Mahlzeiten das Highlight des Tages.» Gerade nach einer strengen Übung freuten sich die Soldaten auf ein frisch zubereitetes Essen. Oder wie es ein Armeesprichwort besagt: Ohne Mampf kein Kampf. «Wenn du dann als Koch eine gute Qualität lieferst, gönnt man es dir, dass du bei Übungen in der Küche bleiben und am Nachmittag auch einmal eine Pause machen kannst.»