Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WIL: Ohm 41 erwacht aus der Blockade

Nach diversen Rückschlägen hat sich das Künstlerkollektiv Ohm 41 die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. Sogar über eine Auflösung wurde diskutiert. Dazu kommt es aber nicht.
Ursula Ammann
Eine Aktion des Künstlerkollektivs Ohm 41 am Hamburger Bahnhof im Jahr 2015. Thomas Fri Freydl (rechts) und Stefan Kreier tauschen Schweizer Bergluft gegen Hamburger Atemluft. (Bild: PD)

Eine Aktion des Künstlerkollektivs Ohm 41 am Hamburger Bahnhof im Jahr 2015. Thomas Fri Freydl (rechts) und Stefan Kreier tauschen Schweizer Bergluft gegen Hamburger Atemluft. (Bild: PD)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

«Wir haben so viel miteinander erarbeitet, das können wir nicht einfach aufgeben», sagt Markus Eugster. Der «Öhmler» spricht im Namen des Kollektivs, das sich diese Woche zu einer Standortbestimmung getroffen hat. «Wie weiter?», lautete dabei die grosse Frage. Seit dem «Kunstcamp Randzone» im Sutter-Park Münchwilen vor gut einem Jahr sei Ohm 41 wie «erstarrt», sagt Markus Eugster. Kurz zuvor war Andreas Schedler gestorben. Für die Gruppe ein herber Verlust. «Er hinterliess ein grosses Loch», sagt Eugster.

Ein Rückschlag für das Künstlerkollektiv war aber auch die Geschichte rund um den Wettbewerb «Kunst am Bau im Sportpark Bergholz». Ein Thema, das Ohm 41 ursprünglich selbst angestossen hatte. Dies, indem die Gruppe die Stadt «darauf aufmerksam» machte, dass sie ihren eigenen Richtlinien widerspricht, weil in der Bauausschreibung kein Posten für die Kunst am Bau vorgesehen war.

Die «Öhmler» beteiligten sich dann ebenfalls am Wettbewerb, wurden aber von der Jury nicht in die engere Auswahl genommen. Für die Gruppe kam dies einem Affront gegenüber lokalen Kunstschaffenden gleich. Mit Kritik zeigte sich Ohm 41 deshalb nicht zurückhaltend, was man von der Gruppe aber bereits kannte. Immer wieder mal äusserte das Kollektiv seinen Unmut gegenüber der Wiler Kulturpolitik. Etwas, das aber auch innerhalb der Gruppe selbst Diskussionen auslöste. «Es gab verschiedene Meinungen, wie man gegenüber der Stadt auftreten soll», sagt Markus Eugster. «Dieser Zwiespalt führte zu einer Blockade.» Die Frage, ob man sich politisch so weit aus dem Fenster lehnen wolle, habe letztlich die Frage nach sich gezogen, ob man sich nicht besser auflöse. Dazu kommt es aber nicht. Zu stark sind die «Öhmler» zusammengeschweisst. Seit 1999 besteht das Netzwerk unter dem Namen Ohm 41. Die Mitglieder sind jedoch in loser Formation bereits vorher miteinander aufgetreten. Mit Aktionen im In- und Ausland hat die Gruppe provoziert und irritiert. Erstmals als Ohm 41 in Erscheinung getreten ist die Gruppe mit einer Aktion im Jahr 2000. Die «Öhmler» verhüllten die von einer Kies-Firma gespendete «Welcome»-Figur, um «die kulturelle Ereignislosigkeit betreff zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum in der Stadt Wil» zu plakatieren. 2015 wollten sie den Necker rot einfärben, um auf das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Im selben Jahr reiste Ohm 41 für das Filmprojekt «Seehschärfe» nach Hamburg und verteilte dort unter anderem Schweizer Bergluft an Passanten.

Das rund zehnköpfige Netzwerk mit Kunstschaffenden aus Wil und Umgebung hat seinen Namen von der Einheit des elektrischen Widerstands: Ohm. Und in dieser Rolle versteht sich das Kollektiv nach wie vor, auch wenn die Mitglieder älter und damit auch etwas zahmer geworden sind.

Das Kriegsbeil mit der Stadt begraben

An der Standortbestimmung von dieser Woche hat Ohm 41 folgende Entscheidungen getroffen: Man will sich nicht mehr «vor den Karren spannen lassen». Markus Eugster erläutert: «Es geht darum, unabhängig von irgendwelchen Institutionen zu sein.» Das Kollektiv möchte nicht «auftragsmässig» die Vorstellungen anderer erfüllen, sondern selbst bestimmen können, wie ihre Kunst auszusehen hat, sprich Eigenes auf die Beine stellen. Seien es Guerilla-Aktionen oder künstlerische Flash Mobs. Auch eine grössere Ausstellung in Wil ist denkbar, denn hier ist die Gruppe «verortet».

Was den Umgang mit der Stadt Wil anbelangt, schlägt die Künstlergruppe zukünftig einen milderen Ton an. «Wir wollen uns auf die künstlerische Rebellion konzentrieren und nicht auf die politische», sagt Markus Eugster. Die Frustration im Zusammenhang mit dem Wettbewerb «Kunst am Bau im Sportpark Bergholz» ist zwar noch nicht vergessen, aber die Sache sei «gegessen», wie es der «Öhmler» ausdrückt. «Wir wollen jetzt vorwärts schauen und nicht zurück.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.