Wil
Offener Brief an Stadträtin Ursula Egli: «Wer hat die Bevölkerung hinters Licht geführt?»

Beat Steiger richtet sich mit einem offenen Brief an die Stadtregierung. Er wirft ihr vor, die Bevölkerung beim geplanten Ersatz des Kunstrasens unpräzise informiert zu haben. Zudem stellt er die Umweltverträglichkeit des darin verwendeten Granulats infrage.

Gianni Amstutz
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Der Kunstrasen im Bergholz macht nicht nur optisch einen mitgenommenen Eindruck: Jetzt muss er ersetzt werden.

Der Kunstrasen im Bergholz macht nicht nur optisch einen mitgenommenen Eindruck: Jetzt muss er ersetzt werden.

Bild: Simon Dudle

Der Kunstrasen im Bergholz hat seine Lebensdauer erreicht. Nun muss er ersetzt werden. In der Sommerpause soll der neue Rasen eingebaut werden. Der Stadtrat hat dafür einen Auftrag über 270'000 Franken an die Firma Walo Bertschinger AG vergeben. Im Dezember hatte der Stadtrat im Budget 2021 noch einen Kredit über 600'000 beantragt und Bericht und Antrag an das Parlament angekündigt.

Beat Steiger, Präsident von «Netzewerk Alter – Nachhaltig Unterwegs», des wendet sich nun in einem offenen Brief an die zuständige Stadträtin Ursula Egli. Darin macht er seinem Ärger über den geplanten Ersatz des Kunstrasens Luft. Unter anderem wirft er dem Stadtrat vor, die Medien und damit die Öffentlichkeit unpräzise informiert zu haben. Denn es sei gar kein kompletter Ersatz des Kunstrasens, sondern nur eine Teilsanierung geplant. Dies, weil ein Teil des bisherigen Granulats wiederverwendet werde.

Das Problem mit dem Granulat

Steiger schreibt, damit habe der Stadtrat die Bevölkerung hinters Licht geführt. Obwohl die Wiederverwendung des bereits gebrauchten Granulats wohl ökologische Überlegungen zugrunde liegen, zweifelt Steiger grundsätzlich die Umweltverträglichkeit von verfüllten Kunstrasen an, die Granulat verwenden.

Er zitiert dazu eine Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften im Auftrag der Stadt Zürich, in der es heisst:

«Die verfüllten Kunstrasen schneiden sowohl in der Gesamtökobilanz als auch in der Umweltbelastung pro Nutzungsstunde schlecht ab.»

Aufgrund dieser Studie werden in Zürich – anders als dies jetzt in Wil der Fall zu sein scheint – bei Neu- oder Ersatzbauten keine verfüllten Kunstrasen mehr eingesetzt.

Steiger stellt Stadträtin Ursula Egli deshalb die Frage: Sind Sie bereit für eine enkeltaugliche Politik? Er legt ihr nahe, bei der nächsten Sanierung auf Naturrasen umzustellen. «Seien Sie nicht kurzsichtig! Schauen Sie über Ihren Tellerrand hinaus!»

Kunstrasen ohne Granulat besser als Naturrasen

Was Steiger nicht erwähnt: In der von ihm zitierten Studie weisen nicht etwa Naturrasen, sondern unverfüllte Kunstrasen die beste Ökobilanz aus. Die geringste jährliche Umweltauswirkung pro Rasenfeld erzeugt gemäss Studie zwar der bodennahe Naturrasen – allerdings sei dieser am wenigsten belastbar. Will heissen: Um dieselbe Anzahl Trainings und Spiele durchzuführen, bräuchte es davon deutlich mehr.

Der Stadtrat hat eine Stellungnahme Anfang nächster Woche in Aussicht gestellt.