WIL: Offen für solche Ideen

Die «Initiative Häxehuus» fordert autonomen Raum für die Wiler Jugend. Stadtrat Dario Sulzer findet das legitim. Anstösse wie diese begrüsst er sogar. Der SP-Politiker rät Jugendlichen aber auch, dranzubleiben.

Ursula Ammann
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Stadtrat Dario Sulzer sieht in Auseinandersetzungen Chancen, Neues zu initiieren. (Bild: Ursula Ammann)

Stadtrat Dario Sulzer sieht in Auseinandersetzungen Chancen, Neues zu initiieren. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Dario Sulzer, das Häxähüsli am Wiler Weier soll mit Hilfe der Stadt zu einem Jugendzentrum werden. Das verlangt die «Initiative Häxe­huus». Die Gruppe ist anonym aufgetreten. Können Sie ein solches «Phantom» überhaupt ernst nehmen?

Die Forderung nach Raum, den die Jugend selber verwalten und gestalten kann, ist sicherlich legitim und für mich auch nachvollziehbar. Die «Initiative Häxe­huus» hat die Diskussion um dieses Thema angestossen, und das finde ich grundsätzlich gut. Für mich ist zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht entscheidend, ob die Gruppe anonym auftritt oder nicht. Sobald aber eine konkrete Zusammenarbeit gefordert wird, muss die Stadt das Gegenüber schon kennen.

Was hält die Stadt überhaupt von einem Jugendzentrum im Häxähüsli?

Die Liegenschaft gehört nicht der Stadt, sondern einem privaten Besitzer, der Umbaupläne hat. Daher ist es meiner Meinung nach zu spät für ein solches Projekt. Aber es kann gut sein, dass sich die Frage nach einem Jugendzentrum im Zusammenhang mit einer anderen Liegenschaft wieder einmal stellt. Ich bin offen, solche Ideen zu prüfen.

Tut Wil genug für die Jugend?

Wir machen einiges. Wil hat seit vielen Jahrzehnten eine gut organisierte Jugendarbeit und das Jugendzentrum Obere Mühle. Darüber hinaus gibt es mit dem Gare de Lion und anderen Einrichtungen ein vielfältiges Kulturangebot. Auch zahlreiche aktive Vereine leisten ihren Beitrag. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene mag dies ausreichen. Für andere nicht. Es gibt auch nicht «die» Jugendlichen. Zudem verändern sich ihre Bedürfnisse laufend. Heute ist zum Beispiel das Thema Ausgang für unter 18-Jährige aktuell. Die Forderung der Jugend nach mehr Raum, in dem sie ihre eigene Kultur leben können, ist hingegen nicht neu. Schon vor 40 Jahren forderte eine IG ein Jugendhaus. So entstand das Jugendzentrum Obere Mühle in Wil. Nicht zu vergessen, mit dem neu eingeführten Partizipationsvorstoss können sich Jugendliche seit diesem Jahr ­direkt einbringen.

In den 80er-Jahren hat sich der Verein Kulturlöwe für ein kulturelles Zentrum im ehemaligen Löwenbräu-Gebäude eingesetzt. Als die Stadt dieses abreissen liess, gab es Unmut und sogar brennende Matratzen. Könnte sich ein solches Beispiel in Wil wiederholen?

Die Gefahr, dass in Wil aus Frust etwas brennt, sehe ich nicht. Aber Jugendliche und junge Erwachsene, welche die Arbeit und die ­Angebote der Stadt kritisch ­anschauen, gibt heute wie in ­Zukunft. Das finde ich auch gut. Solche Auseinandersetzungen bieten Chancen, etwas zu verändern und Neues zu initiieren.

Die «Initiative Häxehuus» fordert einerseits Autonomie, will aber auch die Unterstützung der Stadt. Schliesst sich das nicht aus?

Nicht zwingend. Jugendliche sind mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln auf die Unterstützung Dritter angewiesen. Es sei denn, sie besetzen irgendwo ein Haus, was wohl nicht gerne gesehen würde. Für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum sähe ich durchaus Möglichkeiten, wenn die Stadt oder Private eine leer stehende Liegenschaft haben, die man vorübergehend für eine solche Nutzung freigeben könnte. Abmachungen braucht es aber in jedem Fall. Auch in einem autonomen Haus sind Regeln notwendig. Alleine schon wegen der Nachbarn.

Sie sind selbst in Wil aufgewachsen, haben hier Ihre Jugendzeit verbracht. Was war Ihnen damals wichtig?

Städtische Angebote habe ich eher wenig genutzt. Dafür war ich in der Remise und habe Musik gemacht in verschiedenen Bands. Damals waren wir froh, in Liegenschaften der Stadt Räume mieten zu können.

Welche Möglichkeiten haben Jugendliche heute, wenn sie zum Beispiel ein Konzert veranstalten wollen? Die Räume sind knapp, und sie kosten etwas.

In der Oberen Mühle zum Beispiel gibt es einen Raum für Konzerte. Auch im Gare de Lion oder der Lokremise bestünde die Möglichkeit dazu. Weiter haben die Kirchgemeinden ein Raumangebot. Wenn man etwas auf die Beine stellen will, gilt es nicht zuletzt auch, etwas wirklich ernst zu nehmen und dran zu bleiben. Als ich mit Freunden vor vielen Jahren mit der Idee zum Stadtrat ging, auf der Weierwiese ein Open Air zu veranstalten, hatten wir anfangs Zweifel, ob sich die Stadt darauf einlassen würde. Heute hat sich das Rock am ­Weier etabliert, auch dank dem, dass wir damals nicht aufgegeben ­haben.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipp ein neues Angebot für Jugendliche schaffen könnten, was wäre das?

Dann würde ich gleich auf morgen den See auf der Oberen Weierwise realisieren, gemäss der Idee im Stadtpark-Projekt. Wenn Wil an einem See liegen würde, wäre das ein riesiger Mehrwert – für die Jugend und auch für alle anderen.