WIL: Nur jeder Siebte macht die Matura

Die Maturitätsquote liegt in der Region Wil deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. Lediglich Zuzwil kann mithalten. Rektor Marco Frauchiger sagt, wieso das aus seiner Sicht kein schlechtes Zeichen ist.

Simon Dudle
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In der Region entscheiden sich verhältnismässig wenige Jugendliche für ein Gymnasium. (Bild: Urs Jaudas)

In der Region entscheiden sich verhältnismässig wenige Jugendliche für ein Gymnasium. (Bild: Urs Jaudas)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Im Wahlkreis Wil macht nur knapp jeder siebte Jugendliche die Matura. Der Durchschnitt liegt bei genau 13,3 Prozent, womit man zwar im kantonalen Vergleich (13,4 Prozent) mithalten kann, national aber nicht. Landesweit erlangt jeder fünfte junge Erwachsene die Matura. Dies ist zwar schon seit mehreren Jahren so, wirft aber doch Fragen betreffend Bildungsstand in der Ostschweiz auf. Nicht so bei Marco Frauchiger. Er ist Rektor des Berufsbildungszentrums Wil-Uzwil (BZWU) und Schulpräsident der Oberstufenschulgemeinde Oberbüren-Niederwil-Niederbüren.

Nimmt man die aktuellen Zahlen des Kantons St. Gallen zur Hand, so öffnet sich just innerhalb dieser Schulgemeinde ein Graben. Während Niederbüren mit einer Maturitätsquote von 17,6 Prozent hinter Zuzwil (20,2 Prozent) den zweithöchsten Wert aufweist, hat Oberbüren mit 8,5 Prozent den tiefsten. «Wir stellen im langjährigen Durchschnitt keine Leistungsunterschiede zwischen den Dörfern fest», sagt Frauchiger. Er kann nicht verstehen, dass Berufsmaturanden (Weg via BMS) nicht in die statistische Betrachtung der Maturitätsquote einfliessen.

Weniger Studienabbrüche

Die Quote der angehenden Akademiker ist für den Schulpräsidenten nicht der wichtigste Faktor. Er sagt: «Unsere Schule richtet die Ausbildung nicht auf Quoten aus. Entscheidend ist, dass alle Schüler eine individuell passende Anschlusslösung finden. Ein motivierter Realschüler, der eine Lehrstelle als Automobilfachmann in Angriff nimmt, freut mich genauso wie eine Schülerin, die sich für den gymnasialen Weg entscheidet.»

Trotzdem bleibt die Frage, wieso die Maturitätsquote in der Region seit Jahren tief ist. Für Frauchiger geniesst die Berufsbildung ein überdurchschnittlich hohes Ansehen, und die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen sei in der Ostschweiz markant höher als im Westen des Landes. «Unsere Gymnasien haben einen sehr hohen Leistungsanspruch und bilden Maturanden aus, die bestens für den akademischen Weg gerüstet sind», sagt Frauchiger. Dies habe zur Folge, dass es weniger Studienabbrüche gebe als anderswo und sich die Ostschweizer einer sehr tiefen Arbeitslosigkeit erfreuten.

Immer wieder ist die Maturitätsquote ein Thema. Sie beschäftigte in den vergangenen Jahren auch die Politik. Man fühlt sich in der Ostschweiz zuweilen benachteiligt. «Diese Eitelkeiten entbehren jeder Vernunft. Statistiken zeigen, dass Länder mit sehr hoher Maturitätsquote wie Frankreich oder Spanien eine immense Jugendarbeitslosigkeit in Kauf nehmen müssen». Aus seiner Sicht werde nicht bedarfsgerecht ausgebildet. Unzählige ­Soziologen, Politik- und Sprachwissenschafter würden auf den Arbeitsmarkt drängen. Benötigt würden aber gut ausgebildete ­Berufsleute, Ärzte, Informatiker und Naturwissenschafter.

Vor grossen Veränderungen

Auch wenn sich Frauchiger dafür ausspricht, dem dualen Bildungssystem Sorge zu tragen, so sieht er grosse Veränderungen auf dieses zukommen. «Mit der fortschreitenden Digitalisierung werden die Kompetenzanforderungen vieler Berufsfelder markant steigen. Virtuelle Shoppingcenter lösen den Dorfladen ab. Selbstfahrende Elektroautos werden die Mobilitätskonzepte und damit einige Branchen massiv verändern. Ganze Berufsfelder werden verschwinden, andere entstehen.»