Wil noch ohne Präsidium

WIL. Die wild kandidierende CVP-Parlamentarierin Susanne Hartmann hat im ersten Wahlgang um das Wiler Stadtpräsidium die Nase leicht vor Armin Eugster. Marianne Mettler (SP) steigt aus.

Hans Suter
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Susanne Hartmann erzielte am meisten Stimmen im ersten Wahlgang. (Bild: sme.)

Susanne Hartmann erzielte am meisten Stimmen im ersten Wahlgang. (Bild: sme.)

Keiner der vier Kandidierenden um das Wiler Stadtpräsidium hat im ersten Wahlgang das absolute Mehr von 3356 Stimmen erreicht. Erwartungsgemäss lagen sie sogar deutlich darunter.

CVP eine Klasse für sich

Zuvorderst liegt Susanne Hartmann. Die wild kandidierende CVP-Parlamentarierin erreichte 1989 Stimmen und liegt damit 20 Stimmen vor dem offiziellen CVP-Kandidaten Armin Eugster; der CVP-Kantonsrat erreichte 1969 Stimmen. Arithmetisch bedeutet das: Die CVP hat 59 Prozent aller gültigen Stimmen auf sich vereinigt. Dies lässt den Schluss zu: Hätte man sich in der CVP von Anfang an auf eine Kandidatur einigen können, hätte die in der Vergangenheit erfolgsverwöhnte Partei das Wiler Stadtpräsidium wohl bereits im ersten Wahlgang erfolgreich vereidigt.

Daniel Meili mit Topresultat

An dritter Stelle liegt der noch bis Ende Jahr amtierende Bronschhofer Gemeindepräsident Daniel Meili. Der FDP-Kandidat brachte es auf Anhieb auf 1592 Stimmen. Angesichts des Umstands, dass Meili zugezogen und in Wil nicht so bekannt ist wie seine Mitbewerber, ist sein Resultat als Topergebnis einzustufen.

Marianne Mettler verzichtet

Mit deutlich weniger Stimmen auf dem vierten Platz liegt die SP-Kandidatin Marianne Mettler. Auf sie entfielen 1099 Stimmen. Dass ihr die Grünen Prowil aus taktischen Gründen die Unterstützung verweigert hatten, dürfte sich in ihrem Wahlresultat spürbar niedergeschlagen haben. Angesichts der neuen Ausgangslage hat sie noch gestern abend den Verzicht auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang angekündigt.

Fast alle sind zufrieden

Susanne Hartmann zeigte sich gestern abend sehr zufrieden und bestätigte, dass sie erneut antreten werde. «Die Leute wollen einen Menschenfreund und frischen Wind», sagte die Juristin. Das habe sie in vielen Gesprächen deutlich gespürt. Armin Eugster, der offizielle Kandidat der CVP, bezeichnet die 20 Stimmen Unterschied zu Susanne Hartmann als Zufallsresultat. Dass sein Resultat nicht höher ausgefallen ist, führt er darauf zurück, dass er eben nicht die ungeteilte Unterstützung der CVP erfahren habe. Als positiv wertet er hingegen, dass die Mehrheit der Wiler Bevölkerung klar bürgerlich gewählt habe: «Auf Daniel Meili und mich entfielen 54 Prozent der Stimmen.»

Wie es weitergeht

Daniel Meili seinerseits ist sich bewusst, dass er mit der FDP nun gewollt oder ungewollt das Zünglein an der Waage spielen könnte, ob Susanne Hartmann oder Armin Eugster das Rennen machen wird. Ob er nochmals für das Stadtpräsidium antritt oder im zweiten Wahlgang möglicherweise für einen noch vakanten Sitz im Stadtrat kandidiert (siehe Kasten), liess er gestern offen. «Eine Vertretung Bronschhofens in der Exekutive wäre schön.» Aber er werde sich dem Parteiwillen beugen.