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WIL: Nicht vergessen zu leben

Das Netzwerk Demenz organisiert monatlich einen geselligen Nachmittag für Betroffene und Angehörige. Ziel ist es, ins Gespräch zu kommen und dadurch der Isolation von Menschen mit Demenz entgegenzuwirken.
Gianni Amstutz
Vergesslichkeit ist das wohl bekannteste Symptom von Demenz. (Symbolbild: Donato Caspari)

Vergesslichkeit ist das wohl bekannteste Symptom von Demenz. (Symbolbild: Donato Caspari)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Die Begrüssung im Kafi Peter in Wil fällt herzlich aus. Ein älterer Herr stellt sich gleich mit Vornamen vor. Wenn er von seiner Vergangenheit erzählt, strahlt er. Musik habe ihn immer begeistert, sagt er. Schon als Kind. Oboe, Saxofon und auch Orgel habe er gespielt. Eine weitere Leidenschaft von ihm seien Sprachen und Dialekte. Problemlos imitiert er diverse Dialekte und begrüsst die Damen am Tisch mit einem «Bonjour Madame».

Nach rund zwanzig Minuten erzählt er erneut von seiner Begeisterung für Sprachen und das in fast identischen Worten. Denn die Kaffeerunde im Kafi Peter des Evangelischen Pfarreizentrums ist keine gewöhnliche. Der Mann, der von seinen Leidenschaften erzählt, und das in ausgeprägter Detailgetreue tut, weiss bereits nicht mehr, was er heute Mittag gegessen hat. Er leidet an Demenz. Eine Krankheit, die immer mehr Menschen in der Schweiz betrifft und die unter anderem das Kurzzeitgedächtnis angreift. Heilen lässt sich Demenz nicht. Als Folge der Krankheit ziehen sich Betroffene, aber auch deren Angehörige oft zurück und leben isoliert.

Einen Raum schaffen, um über die Krankheit zu reden

Diesem Umstand will das Netzwerk Demenz Wil mit dem Café Trotz-Dem entgegenwirken. Jeden Monat, immer am ersten Freitag, findet ein Treffen für Menschen mit Demenz, deren Umfeld oder sonstig Interessierte statt. Begleitet wird der Nachmittag von mindestens einer Fachperson. Gestern fand das erste Treffen statt. Ziel ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei muss es nicht um die Krankheit gehen. «Aber besonders für Angehörige kann es wichtig sein, darüber zu sprechen», sagt Mitorganisatorin Imelda Keller. Denn sie litten oft ebenso unter der Erkrankung wie Betroffene. Zudem sei es für Angehörige entlastend, Hilfe anzunehmen. Die Fachpersonen im Café Trotz-Dem könnten diese Hilfe vermitteln. Das Wissen darüber, dass man mit der Krankheit nicht alleine sei, helfe den Betroffenen wie auch dem Umfeld, sagt Imelda Keller. «Deshalb ist es unser Ziel, mit und nicht über Menschen mit Demenz zu sprechen», sagt sie. Der Austausch könne mit Betroffenen, Angehörigen oder mit Fachpersonen erfolgen. Doch auch der gesellige Teil soll an den Nachmittagen nicht zu kurz kommen. Jedes Treffen steht unter einem anderen Thema. Geplant sind Kurzreferate zu Demenz, aber auch Spiel- und Tanznachmittage. «Die Teilnehmer gehen keine Verpflichtungen ein, müssen sich nicht anmelden und entscheiden selbst, wie lange sie bleiben wollen.» Wer gerne mit anderen Teilnehmenden Kontakt aufnehmen wolle, könne dies tun. Man könne aber auch einfach einen geselligen Nachmittag in entspannter Atmosphäre geniessen, sagt Imelda Keller.

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