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WIL: Neue Züge sorgen für neuen Ärger

Wegen einer Beschwerde am Bundesverwaltungsgericht müssen Bahnreisende in Wil womöglich noch länger mit altem Rollmaterial vorlieb nehmen. Eine Umfrage der «Wiler Zeitung» zeigt: Der Unmut zielt in eine Richtung.
Simon Dudle
Womöglich noch länger auf Probefahrt: Der neue Doppelstock-Zug von Bombardier steht im Gegenwind von Behinderten-Organisationen. (Bild: KEYSTONE)

Womöglich noch länger auf Probefahrt: Der neue Doppelstock-Zug von Bombardier steht im Gegenwind von Behinderten-Organisationen. (Bild: KEYSTONE)

Nachdem die Behindertenorganisation Inclusion Handicap mit einer Verbandsbeschwerde dafür gesorgt hat, dass die neuen Doppelstockzüge von Bombardier womöglich noch länger nicht in Einsatz gelangen (Ausgabe von Mittwoch), stellt sich nun die Frage: Wer ist schuld, dass rund 40 Jahre alte Züge einen nächsten Frühling erleben könnten? Ist die Behindertenorganisation mit ihren Forderungen zur Gleichstellung ein Bremsklotz? Oder haben die SBB als Besteller und Bombardier als Hersteller versagt? Hört man sich bei den Entscheidungsträgern in der Region Wil um, ist die Meinung eindeutig: SBB und Bombardier stehen in der Verantwortung.

Deutliche Worte wählt Guido Grütter, Präsident der Regio Wil: «Nachdem 2012 bereits eine Beschwerde von Behindertenverbänden vor das Bundesgericht gelangte, erstaunt es sehr, dass es der SBB bisher nicht gelungen ist, sämtliche Bedürfnisse zugunsten der uneingeschränkten und sicheren Mobilität von Behinderten zu erfüllen. Was heutzutage in jeder Planung eines Immobilienvorhabens selbstverständlich ist, scheint bei der SBB unbekanntes Terrain zu sein», sagt Grütter. Er ergänzt: «Offenbar sind die Bedürfnisse von beeinträchtigten Menschen nicht vollumfänglich als Anforderungen und Kriterien in das Pflichtenheft zur öffentlichen Ausschreibung gelangt. Das lässt Zweifel an der fachlichen Kompetenz aufkommen, sowohl seitens Besteller als auch des Lieferanten.»

Aus der Sicht des Regio-Wil-Präsidenten dürfen neuerliche Verzögerungen vom Besteller SBB nicht hingenommen werden. Das Rollmaterial, welches in Wil halte, sei und bleibe eine Zumutung. «Es braucht keine Suche und Benennung von Schuldigen. Die SBB hat einen Leistungsauftrag und soll diesen erfüllen. Das kann nicht derart schwierig sein. Es gäbe ansonsten einen global sehr erfolgreichen, seit 75 Jahren skandalfreien Lieferanten im Thurgau, der das erwiesenermassen kann», sagt Grütter.

Einer forsch, eine zurückhaltend

Auch Urs K. Scheller hält mit Kritik nicht zurück. Der Präsident der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) von Stadt und Region Wil sagt: «Zuerst eine mehrjährige Lieferverzögerung und jetzt noch das. Meine Sympathie gilt der Inclusion Handicap, auch wenn wir halt noch länger mit altem Rollmaterial Vorlieb nehmen müssten. Das ist an und für sich schon eine Schande. Diese ist aber klein gegenüber dem Versagen der Verantwortlichen bei Besteller und Lieferant.»

Deutlich zurückhaltender ist Wils Stadtpräsidentin Susanne Hartmann. Sie sagt: «Die Stadt bietet Handicapierten eigene Hilfestellungen und Erleichterungen. Zu einem selbstständigen Leben in Wil gehört auch die Zugänglichkeit zu öffentlichen Grundleistungen wie dem öffentlichen Verkehr. Wir erwarten, dass dies sichergestellt wird.»

Auch das Bundesamt steht in der Verantwortung

Der fast blinde Wiler Gerd Bingemann, der den neuen Bombardier-Doppelstöcker begehen durfte und in dieser Zeitung diverse Mängel kundgetan hatte, bekam diverse Rückmeldungen. Er sagt: «Ich bin auf viel Kopfschütteln und Ermutigung zum Einstehen für unsere Gleichstellungsanliegen gestossen. Diese werden durch das Behinderten-Gleichstellungsgesetz abgestützt.» Bingemann führt weiter aus: «Es gab auch Leute, welche sich erbost über Bombardier, ein Stück weit über die SBB und auch etwas über das Bundesamt für Verkehr gezeigt haben. Dieses stellt sich als unzuständig dar, obwohl es ja eine befristete Betriebsbewilligung für ein Jahr verfügt hat.»

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