WIL: Nähen, bügeln und reinigen

Rayif Demir eröffnete am Bahnhof eine Express-Schneiderei. Seit er als Schneider tätig ist, haben sich die Technik und die Aufgaben im Beruf verändert.

Arcangelo Balsamo
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Rayif Demir erlernte den Beruf des Schneiders, als die Nähmaschinen noch ganz anders aussahen als heutzutage. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Rayif Demir erlernte den Beruf des Schneiders, als die Nähmaschinen noch ganz anders aussahen als heutzutage. (Bild: Arcangelo Balsamo)

WIL. Am Wiler Bahnhof gibt es seit kurzem neben Coiffeur, Bäckerei und Avec-Shop auch eine Express-Schneiderei. Rayif Demir bietet Änderungen, chemische Reinigungen und einen Hemdenservice an.

Mit dem Schneidern begann der 45-Jährige bereits im Kindesalter in seiner türkischen Heimat. «Während der dritten Klasse ging ich am Vormittag jeweils in die Schule. Am Nachmittag arbeitete ich in einer Schneiderei», erinnert er sich an seine Anfänge zurück. Zu Hause nähte er Kleider für die Puppen seiner Geschwister, während seine gleichaltrigen Kollegen ihre Freizeit mit Fussballspielen verbrachten. Nach der Ausbildung zog es Rayif Demir nach Deutschland und später in die Schweiz, wo er nun seit bereits 16 Jahren lebt.

An Overlocks oder Nähmaschinen mit einem Pedal, geschweige denn Touchscreens oder sonstigen technischen Hilfsmittel, war während Demirs Ausbildungszeit noch nicht zu denken. «Wir arbeiteten noch mit Nähmaschinen, welche wir mit einem Handrad antrieben», sagt er und mimt mit seiner Hand die kreisende Bewegung, welche früher die Nadel an der Maschine auf Touren brachte. Das Bügeleisen war auch noch Lichtjahre von den heutigen Dampfstation-Exemplaren entfernt: «Damals erhitzten wir das Gerät noch mit Kohle», sagt Rayif Demir.

Doch nicht nur die Arbeitsutensilien haben sich seither verändert, auch die Arbeit als Schneider hat sich über die Jahre gewandelt. «Brauchte man früher ein neues Kleid, ging man zum Schneider», sagt der 45jährige Kleidermacher. Dies sei damals günstiger gewesen, als ein Kleid in einer Boutique zu kaufen. Mit der Massenproduktion in der Textilbranche trat ein rasanter Wandel ein, so dass heutzutage kaum jemand mehr zum Schneider geht, um sich ein neues Kleid anfertigen zu lassen. Auch wenn dies weiterhin möglich ist. Demirs Kommentar dazu: «Kein Problem, ich mache alles.»

Um als Schneider überleben zu können, müsse man das Angebot ausweiten, sagt er. Deshalb bieten heute praktisch alle Schneidereien einen Reinigungs- und Bügelservice an und erledigen primär Flick– und Änderungsarbeiten. «Millionär wird man damit nicht. Aber es reicht, um leben zu können», so Demir.