WIL
Nach der Coronapause ehrt die Stadt doppelt so viele kulturelle Leistungen

Die Stadt Wil hat am Mittwochabend in einer festlichen Ambiance die Anerkennungs- und Förderpreise 2020 und 2021 sowie zwei Atelierstipendien verliehen.

Rolf Hürzeler
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Vizestadtpräsident Dario Sulzer mit Preisträgerin Angela Galli.

Vizestadtpräsident Dario Sulzer mit Preisträgerin Angela Galli.

Bild: Michel Canonica

Die herbstlichen Blumensträusse standen auf der Bühne der Tonhalle bereit. Für die ersten festlichen Klänge sorgten die Pianistin Marie-Louise Eberhard und die Oboistin Marietta Burri-Bosshart. Sie stimmten mit dem Stück «Gabriel’s Oboe» aus dem Kinofilm «The Mission» die Anwesenden auf die Preisverleihung der Stadt Wil für kulturelle Leistungen ein.

Dieses Jahr konnte unter der Regie von Vizestadtpräsident Dario Sulzer gleich doppelt gefeiert werden, weil die Preisverleihung im vergangenen Jahr wegen der Pandemie ausfallen musste.

Musikalische Darbietung während der Preisverleihung in der Tonhalle.

Musikalische Darbietung während der Preisverleihung in der Tonhalle.

Bild: Michel Canonica

Beseelte Holzobjekte und Förderung des Ostschweizer Jazz

Der Kunstsammler Peter Zumstein eröffnete die Laudationes mit einer Würdigung der Holzbildhauerin Angela Galli, die den Förderpreis 2020 erhielt: «Sie beseelt ihre Holzobjekte, dass die Menschen wieder zu sich selber finden», sagte Zumstein und erkannte in der Künstlerin «eine Schürferin, die bei uns die Sonnenseiten zu Tage fördert».

In einer Filmaufzeichnung aus dem Gare de Lion lobte danach der Jazzer Claude Diallo den Kulturvermittler Lukas Häne für «seinen Enthusiasmus und Tatendrang» etwa bei der Förderung des Ostschweizers Jazzkollektivs: «Mit diesem wunderbaren Menschen habt ihr einen Goldschatz.» Häne erhielt den Förderpreis 2021.

Poetische Dokumentation und berührende Interpretationen

Die Filmemacherin Mélanie Moser, Anerkennungspreis 2020, brachte Filmausschnitte aus ihrer poetischen Dokumentation «Rigolo» mit. Sie stellte das Tanzende Theater aus Wattwil mit stimmungsvollen Bildern vor, die belegten, wie sich Ausdruckstanz, Musik und Kunst verbinden lassen.

Filmsequenz auf der Bühne.

Filmsequenz auf der Bühne.

Bild: Michel Canonica

Die junge Musikerin Marietta Burri-Bosshart würdigte in warmen Worten das Ensemble Toccatawil und seinen Konzertzyklus (Anerkennungspreis 2020). Sie erinnerte an das italienische Wort «toccare», zu Deutsch berühren: «Der Name ist Programm. Die Musikerinnen und Musiker wollen mit ihren Interpretationen berühren und bewegen.» Genau dies gelang ihnen auch an dieser Preisverleihung mit ihren musikalischen Einlagen.

Erinnerung an gesellschaftliche Aufbrüche

Für ein Stück Kultur- und Sozialgeschichte steht das Chällertheater im Baronenhaus, wie die Bühnenkünstlerin Nicole Knuth in ihrer Rede zum Anerkennungspreis 2021 erläuterte. Sie erinnerte an die gesellschaftlichen und politischen Aufbrüche im Gründungsjahr 1979.

Seither habe das Chällertheater die Stadt durch alle Fährnisse begleitet: «Es ist schön, dass es einen Ort gibt, wo zusammen gelacht und gestaunt werden kann.» Knuth wünschte Wil «viele weitere Jahre mit bunter, mannigfaltiger und verrückter Kunst».

Anerkennungspreis für Architekten und Tessin-Aufenthalte

Auf eine treue Anhängerschaft darf der Architekt und Künstler Markus Ebner in Rossrüti seit Jahren zählen, wie Franziska Peterli in ihrer Würdigung für den zweiten Anerkennungspreis 2021 festhielt: «Trotz ihrer Strenge strahlen Ebners Bilder eine Sinnlichkeit aus, der ich mich nicht entziehen kann.» Peterli ordnete seinen Werken eine Hintergründigkeit zu, «welche Ordnung und Struktur listig umspielt».

Die Atelierpreise für Aufenthalte in den Tessiner Häusern Bick gingen an die Performerin Melinda Giger und den Schlagzeuger Matthias Zuber. Letzterer setzte gegen den Schluss der Feier mit einer grandiosen Improvisation auf seiner Handpan einen markanten Akzent. Er wirbelte die Festgemeinde akustisch durch; der Applaus brandete ihm zu.

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