WIL: Mittagessen politisch aufgewärmt

Für den grünen Stadtparlamentarier Luc Kauf ist das Thema Catering an den Mittagstischen der Wiler Schulen noch nicht gegessen. Der Entscheid für die SV Schweiz AG widerspreche den Zielen der Stadt, sagt er.

Ursula Ammann
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Das Essen für die Mittagstische an den Schulen der Stadt Wil liefert das Cateringunternehmen SV Schweiz AG. (Bild: Nana do Carmo)

Das Essen für die Mittagstische an den Schulen der Stadt Wil liefert das Cateringunternehmen SV Schweiz AG. (Bild: Nana do Carmo)

WIL. Seit einem Monat fährt an den Wiler Schulen die SV Schweiz AG vor. Sie bringt das Essen für die Mittagstische, die seit Einführung der Tagesstrukturen flächendeckend angeboten werden. Der Wiler Stadtrat hat dem schweizweit tätigen Cateringunternehmen diesen Sommer den Zuschlag für den Verpflegungsdienst erteilt.

Die Speisen werden in einer Grossküche im Kanton Baselland zubereitet, anschliessend heruntergekühlt und nach Wil gefahren. Die kalt angelieferten Menu-Komponenten müssen danach nur noch im Dampfgarer oder Steamer heiss gemacht werden.

Catering verknüpfen mit Arbeitsintegration

Nun wird das Mittagessen für die Wiler Schülerinnen und Schüler auch politisch aufgewärmt. Luc Kauf hat eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht. Dem Stadtparlamentarier der Grünen Prowil ist die Meldung über den Vergabeentscheid des Stadtrats sauer aufgestossen.

Dieser widerspreche in vielfacher Hinsicht den Zielen der Stadt, die sich die Stärkung der Region, gesunde Ernährung und Prävention sowie ökologisches Bewusstsein auf die Fahne schreibe, so Kauf. «Die regionale Wertschöpfung muss bei einem solchen Auftrag zwingend gegeben sein», sagt er. Indem man den Schülerinnen und Schülern so etwas wie Convenience Food vorsetze, verfehle man auch die pädagogischen Ansätze, wonach das Kind nachvollziehen könne, woher sein Essen komme. Auch hätte aus seiner Sicht zum Beispiel die Möglichkeit bestanden, das Catering mit dem Projekt Arbeitsintegration zu verknüpfen und so die sinnvolle Arbeit vor Ort zu fördern. Vielleicht gebe es ja Gründe, weshalb von letzterem abgesehen worden sei, sagt Kauf. «Der Entscheidungsprozess ist jedoch so intransparent, dass gar nicht klar wird, wie diese Lösung zustande gekommen ist.» Auch der Schulrat, die Schulleitung und die Leiterinnen der Tagesstrukturen seien vermutlich nicht einbezogen worden.

So schnell wie möglich aus dem Vertrag aussteigen

In seiner Interpellation stellt Luca Kauf dem Stadtrat 16 Fragen. Unter anderem zum Ausschreibungsverfahren, zu alternativen Lösungsansätzen und zu den Vergabekriterien.

Auch möchte er wissen, welchen Mehraufwand das Zubereiten des Essens für das Betreuungspersonal erfordert. «Womöglich geht dies sogar von der Betreuungszeit ab», sagt Luc Kauf. Weitere Fragen betreffen den Vertrag mit der SV Service Schweiz AG respektive dessen Kündigung. Es sei ihm ein grosses Anliegen, dass die Stadt Wil so schnell wie möglich aus diesem Vertrag aussteige, sagt Luc Kauf. «Sonst werden wir politisch weiter Druck machen.»