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WIL: Mit dem Messer im Rücken

Der engagierte Wiler Politiker Norbert Hodel kehrt dem Stadtparlament abrupt den Rücken. Der Unternehmer und Ortsbürgerpräsident zu den Gründen und was er über Wil denkt.
Hans Suter
Norbert Hodel im Baronenhaus der Ortsbürger. Das 1795 erbaute Gebäude liegt ihm als Ortsbürgerpräsident sehr am Herzen. (Bild: Hans Suter)

Norbert Hodel im Baronenhaus der Ortsbürger. Das 1795 erbaute Gebäude liegt ihm als Ortsbürgerpräsident sehr am Herzen. (Bild: Hans Suter)

Nach 20 Jahren und fünf Monaten hat Norbert Hodel seinen sofortigen Rücktritt aus dem Wiler Stadtparlament erklärt. An den drei verbleibenden Parlamentssitzungen nimmt er nicht mehr teil. Für die neue Amtsdauer hat er nicht mehr kandidiert und wäre somit Ende Jahr ohnehin ausgeschieden. Dennoch sorgt sein abrupter Abgang für Irritation. Was ist vorgefallen? «Nichts», lächelt Norbert Hodel. «Mein sofortiger Rücktritt hat rein berufliche Gründe», sagt er. Nebst seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines Unternehmens in der Wassertechnik baut er derzeit eine Generalvertretung für ein völlig anderes Produkt auf. Daher fehle es ihm an genügend Zeit für die politische Arbeit. «Es entspricht nicht meinem Naturell, Dinge nur halb zu tun. Deshalb ist es nicht mehr als konsequent, per sofort zurückzutreten statt den drei Sitzungen entschuldigt fernzubleiben.»

Norbert Hodel ist fürwahr ein vielbeschäftigter Mann. Nebst seinen beruflichen Tätigkeiten engagiert er sich in verschiedenen Gremien. Allen voran im Wiler Ortsbürgerrat, dem er als Präsident vorsteht. Dies beschert ihm eine Fülle weiterer Aufgaben: Von Amtes wegen ist er Stiftungsrat der kulturellen Veranstaltungen im Baronenhaus (gehört den Ortsbürgern), in der Wiler Kulturstiftung und in der Wiler Künstlerstiftung. Ausserdem ist er Waldrat der Waldregion 1 des Kantons St. Gallen, Vorstandsmitglied der St. Gallischen Ortsgemeinden und Delegierter beim Sicherheitsverbund Region Wil (SVRW).

FDP-Fraktion hat ihn masslos enttäuscht

Hodel war einer der dienstältesten Wiler Stadtparlamentarier. Länger als er ist nur Guido Wick (Grüne Prowil) im Parlament (seit 1.1.1993). Der bald 63jährige Norbert Hodel war kein Vielschreiber von politischen Vorstössen. Vielmehr wandte er sich direkt an den Stadtrat und die zuständigen Stellen, um den Verwaltungsapparat nicht unnötig zu belasten. Aufgefallen ist er trotzdem: Er war ein eifriger Redner, kritisch, impulsiv und streitbar. War er von einer Idee überzeugt, kämpfte er mit Herzblut. In Erinnerung bleiben wird er auch als langjähriger GPK-Präsident und Thurvita-Kritiker.

Als wohl grössten politischen Erfolg nennt er das Ratsreferendum gegen eine geplante Steuererhöhung; die daraus resultierende Volksabstimmung hat er gewonnen. Grosse Ehre wurde ihm zuteil, als er 2005 zum Parlamentspräsidenten und damit höchsten Wiler gewählt wurde. Es gab aber auch Niederlagen. Die schmerzlichste erlebte der freisinnige Politiker in der eigenen Fraktion. Als es vor knapp vier Jahren darum ging, die Präsidien der ständigen Kommissionen neu zu besetzen, kam es zum Eclat. Hodel war damals Präsident der Liegenschaftenkommission und wollte es gerne bleiben. Doch dann bot sich der FDP die Möglichkeit, das GPK-Präsidium zu erhalten. Es war aber undenkbar, dass eine Partei gleich zwei Präsidien von nur fünf ständigen Kommissionen erhält. Der von den Grünliberalen zur FDP gestossene Daniel Gerber wurde schliesslich zum GPK-Präsidenten gewählt, das Präsidium der Liegenschaftenkommission ging an die SVP. «Die FDP-Fraktion hat mir das Messer in den Rücken gesteckt», sagt Hodel. Nicht der Verlust des Präsidiums, sondern das unehrliche Verhalten einiger Fraktionskollegen habe ihn masslos enttäuscht. Mit Konsequenzen: Er trat aus der FDP-Fraktion aus und politisierte als Parteiloser in der SVP-Fraktion. «Mein Herz schlägt weiterhin für den Freisinn, aber nicht mehr für die FDP-Fraktion.» Zugleich reifte in ihm der Entschluss, für die Legislatur 2017–2020 nicht mehr zu kandidieren.

Den Arbeitsplätzen Sorge tragen

Norbert Hodel ist in Wil aufgewachsen und sah die Stadt von 7000 auf 23 000 Einwohner wachsen. Wie sieht er seine Geburtsstadt heute? «Wil ist nach wie vor attraktiv, obwohl nicht viel dafür getan worden ist», sagt er. Als Vorzüge nennt er insbesondere die Altstadt, die Einkaufsmöglichkeiten, das kulturelle Angebot und das lebendige Vereinsleben. Auch dem Naherholungsgebiet und der günstigen Verkehrslage misst er hohe Bedeutung bei.

Als grösste Errungenschaften der jüngeren Vergangenheit nennt der langjährige Stadionsprecher des FC Wil die Realisierung der Kantonsschule, des Hallenbads und des neuen Stadions Bergholz mit zeitgemässer Infrastruktur für Fussball und Eishockey. Er macht sich aber auch Sorgen. Vor allem um die Zukunft kleiner Einkaufsgeschäfte, von denen es immer weniger gibt. Generell sagt er: «Wir müssen der Wirtschaft und den Arbeitsplätzen Sorge tragen.» Das sei entscheidend für die Attraktivität Wils.

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