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WIL: Mehr als die Hälfte ins Ausland

Der Export von Käse gewinnt an Bedeutung. Ein Blick zur grössten Käserei in der Region Wil zeigt: Die Abschaffung des Franken-Mindestkurses hat Spuren hinterlassen, aber keine Kunden gekostet.
Simon Dudle
In der Käserei Oberli in Rossrüti: Inhaber Christian Oberli und Geschäftsführer Marcel Ledergerber präsentieren den «Schweizer Gold», der einen Cheese Award bekommen hat. (Bild: Simon Dudle)

In der Käserei Oberli in Rossrüti: Inhaber Christian Oberli und Geschäftsführer Marcel Ledergerber präsentieren den «Schweizer Gold», der einen Cheese Award bekommen hat. (Bild: Simon Dudle)

WIL. «Der 15. Januar 2015 war ein ganz brutaler Tag», sagt Marcel Ledergerber, Geschäftsführer der Käserei Oberli von der Bodensee Käse AG. An jenem Tag hat die Schweizer Nationalbank kommuniziert, den Mindestkurs des Schweizer Frankens zum Euro aufzuheben. Das Rossrütener Unternehmen traf diese Meldung besonders hart, weil mehr als die Hälfte des Käses ins Ausland verkauft wird. Als Konsequenz erhöhte das Unternehmen die Preise um rund 13 Prozent. «Wir haben zwar keine Kunden verloren. Die Absatzmenge ging aber zurück», sagt Ledergerber.

Es musste gehandelt werden. Dem Unternehmen kam zupass, dass in jener Phase ein Neubau realisiert wurde und dank diesem effizienter gearbeitet werden konnte. Zu Entlassungen kam es nicht. «Wir kompensierten den Rückgang, indem wir Neukunden gewannen», sagt Ledergerber. Inhaber Christian Oberli ergänzt: «Wir produzieren seit jenem 15. Januar eine grössere Menge Käse.»

Zwei von drei Käsereien sind verschwunden

Rund 40 000 Liter Milch werden jeden Tag verarbeitet. Gut zwei Drittel der Menge stammt von rund 30 landwirtschaftlichen Betrieben der Region Wil. Der Rest wird am freien Milchmarkt dazugekauft. Das ergibt pro Jahr rund 900 Tonnen Halbhart- und Hartkäse. 16 Arbeitskräfte besetzen 14 Vollzeitstellen. Das sind die Zahlen der grössten Käserei der Region Wil. Es gibt in der Ostschweizer immer weniger Betriebe, die Milch verarbeiten. Waren es vor rund 20 Jahren noch 350, so hat sich die Zahl in der Zwischenzeit auf 113 reduziert. Zwei von drei Käsereien sind also in zwei Jahrzehnten verschwunden. «Es handelt sich um viele kleine bäuerliche Betriebe, wo kein Nachfolger gefunden werden konnte. Es ist noch nicht vorbei mit dem Käsereien-Sterben», sagt Oberli, seines Zeichens auch Präsident der Genossenschaft Ostschweizer Milchverarbeiter.

Seine Käserei stand vor knapp 20 Jahren vor dem Aus. Damals hat er zu 100 Prozent an Coop geliefert. Als der Grossverteiler aber den Vertrag kündigte, ergab sich für das Unternehmen eine Existenz bedrohende Situation. «Wir mussten eineinhalb Jahre unten durch. Durch das Beziehungsnetz konnten wir die Situation meistern», sagt Oberli.

Amerika ist interessant, China nicht

Die Lehren daraus sind gezogen. Oberli würde heute nicht mehr ein so grosses Klumpenrisiko mit nur einem Abnehmer eingehen und hat nun viel mehr Kunden. Es werden Migros, Spar und Volg direkt beliefert, aber auch diverse Wiederverkäufer wie die Firma Hardegger in Jonschwil. Und vor allem wird exportiert. «Der Schweizer Markt ist gesättigt und es kommen immer mehr ausländische Produkte dazu. Um zu wachsen, ist Export zwingend», sagt Geschäftsführer Ledergerber. Hauptabsatzland ist Deutschland, wo man betreffend Preis zwar nicht mithalten kann, dafür die hohe Qualität ein wichtiges Argument ist. Auch der amerikanische Markt wird immer interessanter und macht bereits rund zehn Prozent des gesamten Exports aus. Keine Rolle spielt China, da dort viele auf Laktose empfindlich reagieren.

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