Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WIL: Mario Schmitt kehrt SVP den Rücken

Der ehemalige SVP-Fraktionschef im Wiler Stadtparlament ist aus der SVP ausgetreten. Einen Eclat habe es aber nicht gegeben, besänftigt Mario Schmitt. Er macht jedoch keinen Hehl daraus, dass ihm die aktuelle Politik der SVP Wil wenig Freude bereitet.
Hans Suter
Mario Schmitt in seiner Digitaldruck-Firma: «Ich konzentriere mich vorerst auf meine Gesundheit und auf das Unternehmen.» (Bild: Hans Suter)

Mario Schmitt in seiner Digitaldruck-Firma: «Ich konzentriere mich vorerst auf meine Gesundheit und auf das Unternehmen.» (Bild: Hans Suter)

WIL. «Seit heute bin ich wieder parteilos und noch unabhängiger», schrieb Mario Schmitt am Montag mit einem Smiley im sozialen Netzwerk Facebook. Gestern bestätigte er den sogenannten Post: «Ja, ich bin aus der SVP ausgetreten.» Damit verliert die SVP Wil einer ihrer bekanntesten, aber auch am stärksten polarisierenden Exponenten.

Parteispitze überrascht

Parteipräsidentin Ursula Egli zeigte sich gestern überrascht. Es sei ihr zwar bekannt gewesen, dass sich Schmitt mit dem Austritt aus der Partei auseinandergesetzt habe. Dass dies aber bereits öffentlich werde, habe sie nicht erwartet. Deshalb mochte sie gestern den Entscheid Mario Schmitts aus präsidialer Sicht noch nicht kommentieren. «Ich möchte mich zuerst mit ihm unterhalten», sagte sie. Zugleich äusserte sie ihr Bedauern: «Natürlich sind alle in ihrer Entscheidung frei. Es ist aber immer schade, wenn einst stark engagierte Mitglieder aus der Partei austreten.»

«Es gab keinen Eclat»

Mario Schmitt sieht seinen Austritt als Resultat einer Entwicklung. «Es hat keinen Eclat gegeben», greift er allfälligen Gerüchten vor. Für ihn sei der Austritt vielmehr ein konsequenter Schritt, um Abstand zu gewinnen. Obwohl er bereits vor einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen aus dem Wiler Stadtparlament zurückgetreten sei, werde er immer noch häufig auf das politische Tagesgeschehen angesprochen. «Ich bin aber nicht mehr Teil davon», sagt er, «deshalb wäre es unseriös, Antworten auf die an mich gestellten Fragen zu geben.»

Mit seinem Austritt aus der SVP wolle er deshalb einen unmissverständlichen Schlussstrich ziehen.

Die SVP verändert sich

Der ehemalige Fraktionschef der SVP im Wiler Stadtparlament galt als Hardliner, der auf der Seite der Opposition zu Hause war und mit Konsenspolitik wenig anzufangen wusste. Er bezog stets klare Positionen und stand dafür ein, auch wenn er in den eigenen Reihen im Gegenwind stand. Die neuen Kräfte in der Wiler Ortspartei pflegen einen anderen Kurs. Sie scheinen der Konsenspolitik eher aufgeschlossen zu sein. «Wir wollen grundsätzlich das Beste für die Stadt Wil», sagt Parteipräsidentin Ursula Egli zur Entwicklung. Ausserdem habe es eine gewisse Zeit gebraucht, die Ortsparteien Bronschhofens und Wils im Zuge der Gemeindefusion zusammenzuführen. Die Kulturunterschiede zwischen der damaligen Stadt- und Landpartei waren offensichtlich. «In meinen Augen sind wir mittlerweile gut zusammengewachsen», ist Ursula Egli zufrieden.

Schmitt nicht zufrieden

«Es steht mir nicht an, die Arbeit aktuell amtierender Politikerinnen und Politiker zu kritisieren», sagt Mario Schmitt. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er eine andere Sicht der Dinge hat und einiges anders machen würde. Details will er aber keine nennen. Nach mehrmaliger Nachfrage lässt er sich lediglich entlocken: «Ich bin nicht ganz zufrieden mit der Arbeit der heutigen SVP.» Ein Blatt vor den Mund nehmen will Mario Schmitt aber auch in Zukunft nicht. Im Gegenteil: «Wer mich kennt, der weiss, dass ich meine Meinung immer kundgetan habe.»

Gesundheit hat Priorität

Anfang Februar erkrankte Mario Schmitt ernsthaft an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und wurde intensivmedizinisch behandelt. Ende März trat der SVP-Fraktionschef nach siebeneinhalb Jahren als Stadtparlamentarier zurück. «Ich musste meine Prioritäten neu setzen», sagt der Unternehmer. An erste Stelle sei seine Gesundheit getreten, die eine gründliche Umstellung seines Lebens erfordert habe. Mittlerweile habe er 30 Kilo abgenommen und den Umgang mit Diabetes gelernt. «Das war nicht einfach», sagt er. «Aber ich habe ein neues Lebensgefühl kennengelernt. Ich habe heute Zeit, um mich um meine Gesundheit zu kümmern.»

Streitbarer Politiker

Mario Schmitt war stets ein streitbarer Politiker. 2014 gelangte er in die nationalen Schlagzeilen, als er auf Facebook islamkritisch postete: «Mir kommt gleich das Kotzen. Wann endlich wird diese Religion ausgerottet?!?» Schmitt wurde daraufhin angezeigt und wegen Rassendiskriminierung verurteilt. Für Stirnrunzeln sorgte Mario Schmitt auch, als er sich in der Partei durchsetzen und Sarah Bösch ins Stadtparlament hieven konnte. Bald sorgte aber auch sie für Negativschlagzeilen. Nach nur wenigen Sitzungen zog sie sich wieder aus dem Parlament zurück und verlegte ihren Wohnsitz nach St. Gallen.

Nicht unumstritten

Der streitbare Politiker Mario Schmitt war in der eigenen Partei keineswegs unumstritten. Dass seine strikten Positionen kaum Kompromisse zugunsten eines Konsenses zuliessen, war den gemässigteren SVP-Mitgliedern ein Dorn im Auge. Sie dürften nun die Oberhand gewinnen und die SVP neu positionieren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.