Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WIL: Lieder von unterschiedlicher Gemütslage

Am zweiten Baronenhauskonzert dieser Saison waren der Tenor Benjamin Berweger und der Pianist Sebastian Tortosa zu Gast. Auf dem Programm stand Franz Schuberts «Schwanengesang».
Carola Nadler
Fast im familiären Rahmen: das Konzert im Baronenhaus mit Tenor Benjamin Berweger und Pianist Sebastian Tortosa. (Bild: Carola Nadler)

Fast im familiären Rahmen: das Konzert im Baronenhaus mit Tenor Benjamin Berweger und Pianist Sebastian Tortosa. (Bild: Carola Nadler)

November. Draussen herrscht trübes, nasskaltes Wetter. Ganz im Zeichen dieses Wetters stand auch das Gedicht «Novemberstimmung» von Martin Greif aus dem 19. Jahrhundert, mit dem Andrea und Roland Bosshart die Zuhörer im Baronenhaus begrüssten. Von kalt durchwehten Fluren ist da die Rede. Und: «Die ich geliebt, sind alle Staub».

Ganz in dieses Stimmungsbild passte auch das musikalische Programm: Franz Schuberts «Schwanengesang». Schubert selbst hatte seine letzten Lieder nicht unter diesem Titel zusammengefasst, man war posthum einer Tradition gefolgt, nach welcher die letzten Werke eines Komponisten so bezeichnet werden. Tenor Benjamin Berweger erzählte in seiner Begrüssung von der Entstehungsgeschichte der Liedersammlung, die nebst einem einzigen Gedicht von Gabriel Seidl aus Texten von Ludwig Rellstab und Heinrich Heine besteht. Schubert war im gleichen Entstehungsjahr dieser aneinander entstandenen Lieder gestorben – durchaus möglich, dass er selbst daran gedacht hatte, diese als Zyklus herauszugeben.

Die Lieder handelten jedoch nicht nur von Sterben und Abschied. In der «Liebesbotschaft» wird einem munteren Bächlein ein Gruss an die Liebste mitgegeben, das berühmte «Ständchen» schwelgt in den romantischsten Gefühlen und das Lied «Abschied» zeigte sich als überaus munterer Abschied von einem Städtchen. Dennoch sind viele Lieder von schwerer Gemütslage geprägt, die Schubert trotz junger Jahre, aber von schwerer Krankheit gezeichnet, mit grosser Tiefe und Reife musikalisch umzusetzen wusste. So darf das zwei- malig ausgesprochene «Gute Nacht» – erst aufbegehrend, dann ergeben gelassen – in «Kriegers Ahnung» sicher als Schuberts Auseinandersetzung mit dem Sterben angesehen werden.

Benjamin Berweger bot mit seinem hellen, klaren Tenor einen völlig entschlackten Schubert, der ohne schwülstige Romantisierung in seiner Direktheit zu den Wurzeln der Gemütsregungen vorzudringen vermochte. Bar jeglicher Schnörkel zeichnete der Sänger Verzweiflung, Hoffnung, Freude und Besinnung und verhinderte damit ein völliges Erschlagensein am Ende des Konzertes. Pianist Sebastián Tortosa passte sich in seinem Spiel diesem Klangbild sensibel an.

Carola Nadler

redaktion@wilerzeitung.ch

Hinweis

Nächstes Baronenkonzert: Sonntag, 21. Januar 2018, 17 Uhr, mit dem Manesse-Quartett

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.