WIL: Letzte Videothek der Stadt schliesst

Die DVD Factory an der Hubstrasse ist das nächste Opfer des Videothekensterbens. Nach über 30-jährigem Bestehen muss der Filmverleih aus wirtschaftlichen Gründen schliessen.

Yves Weibel
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Geschäftsführer Daniel Okle bedauert, die Videothek hinter dem Wiler Bahnhof schliessen zu müssen. (Bild: Yves Weibel)

Geschäftsführer Daniel Okle bedauert, die Videothek hinter dem Wiler Bahnhof schliessen zu müssen. (Bild: Yves Weibel)

Yves Weibel

yves.weibel@wilerzeitung.ch

Vor über 30 Jahren öffnete die DVD Factory in Wil ihre Tore. Jetzt ist die Entscheidung gefallen, das Ladengeschäft per 13. August definitiv zu schliessen. Besitzer Remo Nighetto und Geschäftsführer Daniel Okle kamen zu diesem Entschluss, da trotz der Bemühung, die Kosten zu reduzieren und neue Kunden anzuwerben, der wirtschaftliche Druck zu gross wurde. «Der stetige Umsatzrückgang der vergangenen Jahre, speziell aber die wirtschaftliche Situation der vergangenen sechs Monate sowie das überaus heisse und schöne Wetter, vor allem während der Winterzeit, hat uns äusserst empfindliche Umsatzeinbussen eingebracht», sagt der Geschäftsführer. Aus diesen Gründen kamen die beiden zum Schluss, dass in der Region Wil das Bedürfnis für eine Videothek nicht mehr vorhanden sei.

Für die Zukunft ist gesorgt

Das Publikum kam von Jung bis Alt, und die Stammkundschaft habe teils fast schon Rituale entwickelt, sagt Okle. Es gehe etwas verloren. Nicht nur dass es in der DVD Factory Raritäten und andere spezielle Filme gab, auch der Kundenkontakt wird wegfallen. Man merke, dass die TV-Anbieter seit letztem Herbst in die Offensive gegangen seien, denn seit dieser Zeit sei der Kundenstamm kleiner geworden. Zurück blicke er aber nicht, denn mit seinem Partner Remo Nighetto habe er bereits ein neues Projekt, in das er sein Herzblut stecken wird. Ebenfalls unbekümmert können die beiden in Sachen Nachmieterschaft sein. Der Vermieter hat bereits jemanden gefunden, der das kleine Ladenlokal übernehmen wird. Wer das sein wird, wissen die beiden nicht. Nichtsdestotrotz schliesse mit der DVD Factory die letzte herkömmliche Videothek der Schweiz, sagt Okle.

Videotheken werden verdrängt

Das Videothekensterben ist nicht nur in der Schweiz zu beobachten. Die Möglichkeiten, Unterhaltungsprogramme und Filme zu beziehen, sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Ob Onlinestreamingdienste oder das neue A-la-carte-Fernsehen, die digitalen Medien verdrängen die Videotheken. Filmliebhaber können eine riesige Auswahl an Filmen bequem vom Wohnzimmer aus konsumieren und mittlerweile auch unterwegs auf Smartphones, Tablets und Laptops. Mit dem gestiegenen Potenzial, Programme zu beziehen, gibt es immer weniger Nachfrage nach Filmverleihen. Der steigende Druck von Seiten dieser Portale zwingt viele Videothekenbesitzer zur Schliessung.