WIL: Kunst nur mit Können und Willen möglich

Die Stadt ehrte ihre Kulturschaffenden. Schauspielerin Ambra Berger erhielt den Förderpreis. Anerkennungspreise gingen an die Band Frantic, Schauspielerin Bigna Körner und Leo Künzle, Leiter der Jungtambouren, das Bick-Stipendium an Hildegard Elisabeth Keller.

Gianni Amstutz
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Leo Künzle (rechts) mit Laudator Marcel Malgaroli.

Leo Künzle (rechts) mit Laudator Marcel Malgaroli.

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

«Kunst kommt von Können», zitierte Stadtpräsidentin Susanne Hartmann den deutschen Dichter Johann Gottfried von Herder an der Kulturpreisverleihung der Stadt Wil am Mittwochabend. Der Bühnenautor Ludwig Anton Salomon Fulda habe Herders Ausspruch um einen zweiten Teil ergänzt: Kunst kommt von Können, nicht von Wollen. Die Stadtpräsidentin widersprach dieser Aussage jedoch. Talent und das Beherrschen des Handwerks seien wichtige Grundvoraussetzungen, um als Kunstschaffender etwas zu erreichen. Ebenso wichtig sei jedoch der Wille. «Es ist schliesslich noch kein Meister oder eben Künstler vom Himmel gefallen», sagte Hartmann. Erfolg müsse Schritt für Schritt erkämpft und erarbeitet werden.Denn nur wenn sich Können und Wollen zusammenfügten, entstehe Kunst. Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger hätten bewiesen, dass sie sowohl über Können als auch den nötigen Willen verfügten.

Förderpreis als Startschuss zu grösserem Erfolg

Der Förderpreis wurde der Schauspielerin Ambra Berger verliehen. Bereits zu Schulzeiten habe sie ihr schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt, sagte Laudatorin Claudia Rüegsegger. «Das war ein Wink mit dem ganzen ‹Gartenhaag› nicht nur mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl.» Was Ambra Berger aber besonders auszeichne, sei, dass sie sich mit heiklen Themen auseinandersetze und das Publikum zum Nachdenken anrege.

Das ein Förderpreis durchaus das Potenzial hat, als Startschuss zu noch grösserem Erfolg zu dienen, bewies die Band Frantic. 2004 erhielten sie einst selbst den Förderpreis, am Mittwoch nun den Anerkennungspreis. «Mit dem Geld, das wir für die Verleihung des Förderpreises erhalten haben, war es uns überhaupt erst möglich, unsere erste professionelle Demo-CD aufzunehmen», sagte Frontmann Mike Sarbach. Inzwischen hat Frantic sich im schweizerischen Musikbusiness einen Namen gemacht. Vom Pfadiheim in Zuzwil, wo sie in ihren Anfängen auftrat, hat sich die Band bis auf die Sitterbühne des Open Airs St. Gallen gespielt. Dabei seien sich die Bandmitglieder trotz des Erfolgs stets treu geblieben und hätten sich keinem Management unterworfen, sagte Laudator Matthias Löpfe. «Am meisten bewundere ich, dass ihr die Musik in eurem Alltag lebt und weiter das geblieben seid, was ihr zu eurer Anfangszeit gewesen seid: Fünf Freunde, die zusammen Musik machen.»

Ein weiterer Anerkennungspreis ging an die Schauspielerin Bigna Körner. «Bigna zeichnet aus, dass sie sich die kindliche Energie, die für Schauspielerinnen und Schauspieler nötig ist, bewahrt hat», sagte Laudator Florian Rexer. Neben ihrem schauspielerischen Können, sei ihr grösstes Talent, das sie Leuten, denen sie begegne, ihr Lächeln und gute Laune schenke.

Dass für Künstler der Wille gerade auch bei Misserfolgen wichtig ist, zeigte das Beispiel des dritten Anerkennungspreisträgers Leo Künzle, Leiter der Jungtambouren Wil. Als er 1968 an einem Jungtambourenfest zum ersten Mal an einem Einzelwettkampf teilnahm, belegte er den 66. und somit fast letzten Rang. Heute ist Leo Künzle eine feste Grösse in zahlreichen Tambourenverbänden. «Leo Künzle ist ein Begriff für das schweizerische Trommelwesen und mit seiner sympathischen Art trägt er den Namen der Stadt Wil in die gesamte Schweiz hinaus», hielt Laudator Marcel Malgaroli fest.

Verrückte Stunden im Tessin

Schliesslich wurde das Bick-Stipendium an Hildegard Elisabeth Keller verliehen. Sie arbeitet als Professorin und Autorin, bekannt aus dem SRF-Literaturclub. Die Laudatio hielt die vormalige Bick-Stipendiatin Bettina Scheiflinger. Im Zuge des Stipendiums verbrachte sie im Frühling einen Monat im Künstleratelier Bicks in einem Tessiner Bergdorf. Den Monat beschrieb Scheiflinger als intensive Erfahrung, bei der sie an ihrem Roman arbeiten konnte. Ein Monat in der Abgeschiedenheit sei eine lange Zeit. «Manchmal verschwammen die Grenzen der Realität und ich bin mir nicht sicher, ob ich dabei nicht ein bisschen crazy geworden bin», erzählte sie. Sie hoffe, dass auch Hildegard Elisabeth Keller verrückte und inspirierende Stunden im Tessin erleben werde und sich mindestens einmal frage, was das alles eigentlich soll. Hildegard Elisabeth Keller wird sich während dem Monat im Tessin zwei Projekten widmen: Einerseits einem Dokumentarfilm über die Dichterin Silvana Lattmann, andererseits einem zweiten Band der Texte von Alfonsina Storni, einer Tessinerin, die in Argentinien zur Vorkämpferin der Moderne wurde.