WIL: Kunst mitten in der Altstadt

Auf einem Rundgang im Rahmen eines Bürgerstamms der Ortsgemeinde Wil erfuhren Teilnehmer Interessantes über Wiler Künstler, die weniger bekannt sind.

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Stadtarchivar Werner Warth vor einem Bild von Georg Rimensberger, das im Altstadtfenster an der Marktgasse in Wil ausgestellt ist. (Bild: PD)

Stadtarchivar Werner Warth vor einem Bild von Georg Rimensberger, das im Altstadtfenster an der Marktgasse in Wil ausgestellt ist. (Bild: PD)

Mitten auf dem Hofplatz versammelte sich die Gruppe. Um die 20 Personen standen zusammen, um im historischen Zentrum von Wil einen bedeutenden Teil der Wiler Kulturhistorie zu begutachten. «Wiler Künstler haben über Jahrzehnte das Kunst- und Kulturleben der Stadt entscheidend mitgeprägt», begrüsste Werner Warth die Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern, die sich mit dem Wiler Stadtarchivar im Rahmen eines Bürgerstamms der Ortsgemeinde Wil auf einen Rundgang durch die Marktgasse begaben.

In Schaufenster etlicher Geschäfte und Läden entlang des Strässchens sind Aquarelle, Ölbilder sowie Skulpturen ausgestellt. Viele der präsentierten Exponate stammen aus der Sammlung der Künstlerstiftung der Wiler Ortsgemeinde, welche die Werke der Altstadtvereinigung für die Ausstellung «Altstadt als Galerie» zur Verfügung stellt. Um die 35 Gemälde und Figuren werden an 24 Standorten an der Markt- und Kirchgasse gezeigt. Darunter Werke des über die Stadt und die Region hinaus bekannten Wiler «Viergesteins», wie Warth sich ausdrückte: Karl Peterli, Werner Hilber, Karl Glauner und Urban Blank.

Malen aus innerem Zwang

Unter den acht Künstlern, deren Werke ausgestellt sind, finden sich auch solche, die zwar eingesessenen Wilerinnen und Wilern ein Begriff sind, einer breiten Öffentlichkeit aber nicht oder nur bedingt bekannt sind. Einer von ihnen ist Hermann «Hermi» Breitenmoser, ein Ur-Wiler, der im Jahr 1993 den Anerkennungspreis der Stadt Wil verliehen bekam. Sein Lebens-Motto lautete: Mit einem wachen «Grind» durch die Welt gehen, um sich eine eigene und eigenständige Meinung zu bilden.

Das Malen war für den Schlosser mehr als ein Hobby, es war seine Leidenschaft, die aus einem «inneren Zwang» entstand. Dass beim 2005 verstorbenen Kunstschaffenden auch das Vergnügen nicht zu kurz kam, davon zeugen Bilder wie jenes einer Jassrunde, aber auch die beim Rundgang von einem Teilnehmer zum Besten gegebene Anekdote, dass er einmal den Fahrausweis abgeben musste.

Briefmarkenserie in Millionenauflage

Ein Wiler Künstler mit nationaler Ausstrahlung und gar einer Millionenauflage ist Georg Rimensberger. Der freiberufliche Maler und Grafiker, der ab dem Jahr 1971 in Wil wohnte und arbeitete, hat die Pro-Juventute-Briefmarkenserie «Das Kind und seine Welt» von 1983 gestaltet. Auch eine Briefmarkenreihe mit Titelfiguren bekannter Kinderbücher wie Heidi, Pinocchio und Pippi Langstrumpf stammt von Rimensberger. Vielen Wilerinnen und Wilern dürfte die Panoramatafel beim Kirchplatz bekannt sein. Diese vom 1998 verstorbenen Künstler gezeichnete Übersicht, war Anfang dieses Jahres überarbeitet und angepasst worden.

Den Weg ins Bundesarchiv fand eine Radierung von Fridolin Thoma. Diese zeigt neue Ansichten der Altstadt Wil zur 750-Jahrfeier der Schweiz. Die Kupferplatte befindet sich im Wiler Stadtmuseum. Der Wiler Kunstmaler versuchte stets, in seiner Malerei neue Wege zu beschreiten. Im Jahr 2005 erhielt die mit den langen wallenden grauen Haaren und dem graumelierten Bart auffallende Persönlichkeit den Anerkennungspreis der Stadt Wil. Ein Werk des 2008 verstorbenen Künstlers ist mit einem Mysterium behaftet. «Thoma hat ein einziges Aktbild gefertigt», sagte Warth. Darauf zu sehen ist eine Frau mit roten Haaren. Wer die Dame sei, habe Thoma nicht verraten. Doch anscheinend gäbe es Einwohnerinnen und Einwohner von Wil, die vermuteten oder gar wüssten, «wer die unbekannte Dame ist».

Die Ausstellung «Altstadt als Galerie» dauert noch bis am Freitag, 3. November. (red)