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WIL: Kokainboom ist abgeflacht

Die Nachfrage nach den Angeboten der Integrations- und Präventionsprojekte ist weiterhin hoch. Gegenüber 2016 wurde aber ein Rückgang festgestellt.
Gianni Amstutz
Wipp-Leiter René Akeret, Stadtrat Dario Sulzer sowie Marc Bilger, Departementsleiter Soziales, Jugend und Alter, informieren über die Entwicklungen in der Sucht- und Präventionsarbeit in Wil. (Bild: Gianni Amstutz)

Wipp-Leiter René Akeret, Stadtrat Dario Sulzer sowie Marc Bilger, Departementsleiter Soziales, Jugend und Alter, informieren über die Entwicklungen in der Sucht- und Präventionsarbeit in Wil. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Die Zeiten der offenen Drogenszene sind längst vorbei. «Das heisst aber nicht, dass es kein Drogenproblem mehr gibt», betonte Stadtrat Dario Sulzer, Vorsteher des Departements für Soziales, Jugend und Alter (SJA). Mit rund 180 suchtmittelabhängigen Menschen aus der Region stehen die Wiler Integrations- und Präventionsprojekte (Wipp) in regelmässigem Kontakt, beraten und betreuen sie. Diese Zahl bewegt sich auf einem stabilen Niveau. Gesunken sind 2017 hingegen die gezählten Besucher beim Kaktus, der Anlaufstelle der wipp an der Toggenburgerstrasse, und die Anzahl der abgegebenen Spritzen. Noch ein Jahr zuvor bewegten sich diese auf Rekordniveau. 55282 waren es damals, 2017 ging die Zahl auf 33000 zurück.

Das Jahr 2016 als unrühmliche Ausnahme

Von einer abnehmenden Tendenz zu sprechen sei jedoch falsch, sagt Wipp-Leiter René Akeret. «Vielmehr bildete das Jahr 2016 eine Ausnahme.» Damals habe es eine aussergewöhnliche Zunahme des Kokainkonsums in der Region Wil gegeben. Da der Rausch dabei weniger lang anhält als bei anderen Drogen, wurden deutlich mehr Injektionsmaterialien abgegeben. Einzelne Faktoren für den Kokainboom 2016 zu bestimmen, sei schwierig, sagt Akeret. Die relativ leichte Verfügbarkeit auf dem Markt habe sicher eine Rolle gespielt. Mittlerweile habe sich der Kokainkonsum wieder eingependelt, sodass die Nachfrage nach Injektionsmaterial sich auch insgesamt auf einem hohen Niveau stabilisiert habe.

Eine Tendenz aus den Vorjahren, die weiter zugenommen hat, ist, dass viele Klienten der Wipp gleichzeitig von mehreren Substanzen abhängig sind. Insbesondere der missbräuchliche Konsum von Medikamenten habe stark zugenommen, sagt Akeret. Damit einhergehend kam es auch zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft und zu vermehrten Einsätzen durch die Polizei. Der Wipp-Leiter betont jedoch, dass es sich dabei um einzelne Klienten handle, die ein problematisches Verhalten an den Tag legten. Dies sei oft auf den Konsum verschiedener Suchtmittel zurückzuführen. Insbesondere Medikamente, welche enthemmend wirkten und die Impulskontrolle einschränkten, seien dabei heikel.

Belegung der Notbetten rückläufig

Die wipp bieten neben der Anlaufstelle auch betreutes und begleitetes Wohnen an. Damit soll suchtmittelabhängigen Menschen eine Übergangslösung geboten werden. Die Nachfrage danach ist weiterhin hoch, sodass eine Auslastung der Zimmer von 100 Prozent erreicht wurde. Daneben betreuen die Wipp auch zwei Notbetten für obdachlose Personen. Diese sollen in Krisensituationen als «Puffer» wirken. Wegen der hohen Auslastung in den vergangenen Jahren konnte diese Aufgabe nicht immer erfüllt werden und es kam vereinzelt zu Engpässen.

Diese Situation hat sich 2017 stark verbessert und die Anzahl Übernachtungen sank von 323 auf 179. Man habe bewusst den Fokus darauf gelegt, für Personen, die Notbetten in Anspruch nehmen mussten, möglichst schnell in eine längerfristige Wohnsituation zu organisieren, erklärt Akeret den Rückgang. Im Bereich soziale Wohnbegleitung, bei dem 2017 genau 20 Personen in ihrem privaten Wohnraum eine minimale Begleitung erhielten, konnte dank einem Stellenausbau erstmals eine Leitung eingesetzt werden.

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