WIL: Knuspern am Hüsli hat Grenzen

Das baufällige «Häxähüsli» am Wiler Stadtweier soll verkauft werden. Was der künftige Besitzer daraus machen wird, ist unklar. Ein Abbruch und Neubau sei aber ausgeschlossen, sagt Stefan Hauser, Informationsbeauftragter der Stadt.

Ursula Ammann
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Das «Häxähüsli» an der Haldenstrasse 22 beim Wiler Stadtweier stand zum Verkauf ausgeschrieben – zu einem Mindestpreis von 150 000 Franken. (Bild: Ursula Ammann)

Das «Häxähüsli» an der Haldenstrasse 22 beim Wiler Stadtweier stand zum Verkauf ausgeschrieben – zu einem Mindestpreis von 150 000 Franken. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Auf dem Dach wachsen ganze Büschel von Blumen, rechts von der Tür breitet ein Korkenzieher-Haselnussstrauch seine verknorzten Äste aus, und an den Fenstern kleben Vorhänge, die etwas an Spinnennetze erinnern. Das «Häxähüsli» am Stadtweier könnte zweifelsohne als Kulisse für einen Märchenfilm dienen. Bei aller Idylle scheint es aber auch ziemlich heruntergekommen. Die Wände sind versprayt, die Fensterscheiben beschlagen und teils zersplittert.

Unlängst war das ehemalige Wohnhaus an der Haldenstrasse 22 zum Verkauf ausgeschrieben – zu einem Mindestpreis von 150 000 Franken. Das Verkaufsschild ist inzwischen weg. Nun ziert ein Transparent mit der Aufschrift «Häxehuus bliibt – Renovation statt Neubau» die Fassade. Doch was ist baurechtlich überhaupt möglich?

Neu in der Grünzone

Das stark baufällige Haus befindet sich in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und ist damit zonenfremd. Im März dieses Jahres beschloss das Stadtparlament im Rahmen der laufenden Zonenplanrevision eine Umzonung der Parzelle in die Grünzone. Auf den rechtlichen Status des bestehenden Wohnhauses habe dies keinen Einfluss, sagt Stefan Hauser, Informationsbeauftragter der Stadt Wil. Das «Häxähüsli» bleibe zwar nach wie vor zonenfremd, geniesse jedoch Bestandesgarantie. Nach kantonalem Baugesetz sind der Bestand und die Erneuerung des Hauses an der Haldenstrasse 22 gewährleistet. Unter Erneuerung ist zu verstehen, dass Bauten und Anlagen instand gehalten, instand gestellt oder an die Erfordernisse der Zeit angeglichen werden können. Allerdings dürfen sich dabei der Umfang, die Erscheinung und die Bestimmung des Werkes nicht verändern. «Ein Abbruch und ein Ersatzbau sind im Fall des <Häxähüslis> aufgrund der fehlenden Zonenkonformität ausgeschlossen», sagt Stefan Hauser.

Nur ein Abbruch wäre theoretisch möglich. Allerdings bliebe dem Liegenschaftsbesitzer dann lediglich ein Hang, auf den er nichts mehr bauen kann, zumal sich das Grundstück neu in der Grünzone befindet.

Kleinere Erweiterungen möglich

Das kantonale Baugesetz sieht neben der Bestandesgarantie auch eine sogenannte Erweiterungsgarantie vor. Davon können Bauten und Anlagen, die den aktuell gültigen Vorschriften oder Plänen widersprechen, profitieren. So sind Umbauten, Zweckänderungen oder Erweiterungen insoweit zulässig, als dadurch die Rechtswidrigkeit weder vermehrt noch wesentlich verstärkt wird.

Sofern die Bausubstanz es zulasse, seien am «Häxähüsli» kleinere Erweiterungen oder eine Zweckänderung möglich, sagt Stefan Hauser. Eine kleinere Erweiterung wäre beispielsweise der Einbau eines Dachfensters, eine Zweckänderung die Umnutzung des Wohnhauses in einen Gewerberaum. «Kaum möglich sein wird der Anbau von zusätzlichem Volumen wie zum Beispiel eine Garage», erklärt Hauser. Konkrete Vorschläge müsste die Stadt Wil im Rahmen des Bewilligungsverfahrens prüfen.

Ob das Gebäude bereits verkauft wurde, konnte noch nicht bestätigt werden. Von den Immobilienplattformen im Internet ist die Verkaufsanzeige aber bereits verschwunden. Demnach dürfte davon ausgegangen werden, dass ein ernsthafter Interessent vorhanden ist.