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WIL: Knochen liefern Hinweise zu Ofen

Der Hafner Mischa Casanova hat in seinem Haus in der Wiler Altstadt eine spätmittelalterliche Feuerstelle nachgebildet. Deren Überreste hatte er bei Umbauarbeiten entdeckt. Inzwischen gibt es neue Indizien zur früheren Nutzung.
Ursula Ammann
Bei der Feuerstelle, die der Hafner Mischa Casanova entdeckt hat, dürfte es sich um einen gewerblichen Ofen aus dem Spätmittelalter gehandelt haben. Möglicherweise wurde er damals zur Herstellung von Knochenleim oder zum Färben genutzt. Casanova hat den Ofen nun mit historischem Material nachgebaut. (Bild: Ursula Ammann)

Bei der Feuerstelle, die der Hafner Mischa Casanova entdeckt hat, dürfte es sich um einen gewerblichen Ofen aus dem Spätmittelalter gehandelt haben. Möglicherweise wurde er damals zur Herstellung von Knochenleim oder zum Färben genutzt. Casanova hat den Ofen nun mit historischem Material nachgebaut. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Blaue Farbspritzer und Russflecken hinter der Wand, eine Holzrinne sowie Knochen von Schweinen und Hirschen unter dem Boden: Das ist in den letzten Monaten in einem Altstadthaus an der Marktgasse 46 zum Vorschein gekommen. Es handelt sich um weitere «Steine» eines grossen Puzzles, das lange Zeit gänzlich im Verborgenen lag. Und das wäre wohl noch viel länger der Fall gewesen, hätte Liegenschaftsbesitzer Mischa Casanova das rund 700jährige Gebäude nicht renovieren lassen. Im Erdgeschoss des Hauses schlummerte unter einer dicken Schicht aus losem Schutt eine alte Feuerstelle (die Wiler Zeitung berichtete). Sie bestand aus einem Mäuerchen mit verkohlten Steinen, die mit Lehm verputzt waren. Mischa Casanova, von Beruf Hafner, sicherte die Fundstelle und begann aus persönlichem Interesse mit Nachforschungen. Er wälzte Bücher, besuchte Ausstellungen und kontaktierte Experten.

Färbung oder Knochenleim

Wie erste Nachforschungen ergaben, dürfte es sich bei der Feuerstelle mit grosser Wahrscheinlichkeit um einen gewerblichen Ofen aus dem Spätmittelalter handeln. Dafür spricht ihre ovale Form, aber auch der schmale Gang aus Stampflehm, der zu ihr hinführt. Durch die weiteren Funde rund um die Feuerstelle hat sich inzwischen ein neues Bild ergeben, wie diese genutzt wurde. «Die Farbspritzer an der Wand könnten darauf hinweisen, dass man hier Stoffe gefärbt hat», sagt Mischa Casanova. Für eine solche Nutzung sprechen auch zwei Löcher in der alten Kalkwand, die den Blick auf zwei eingemauerte Holzpfähle freigeben. Diese könnten beispielsweise als Vorrichtung gedient haben für eine Kurbel, mit der die Stoffe aus dem Farbbottich gezogen wurden. «Die grösseren und kleineren Tierknochen, die wir rund um die Feuerstelle gefunden haben, sind möglicherweise ein Indiz für die Herstellung von Knochenleim», sagt Mischa Casanova. Ziemlich wahrscheinlich sei jedenfalls, dass man den Ofen genutzt habe, um Flüssigkeiten zu sieden, ergänzt er. Dafür spricht eine Holzrinne, die von der Feuerstelle weg in den Kernbau des Gebäudes führt. Bei der Freilegung der Wand kamen neben Farbspritzern auch Russflecken zum Vorschein. Sie ziehen sich links von der Feuerstelle über das Gemäuer und zeigen in aller Deutlichkeit, wo sich der Rauch einen Weg bahnte.

Bald öffentlich zugänglich

Mischa Casanova hat den Ofen nach den neusten Erkenntnissen nachgebildet – aus Klosterziegeln, die er im Haus gefunden hat. Diese wurden erwiesenermassen im 14. Jahrhundert gebrannt und verwendet – auch für den noch erhaltenen Boden der Feuerstelle im Wiler Altstadthaus.

Mischa Casanovas Fund wird bald öffentlich zugänglich sein. Im Frühling wird im Erdgeschoss des Hauses ein Bücherantiquariat eröffnet.

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