Wil
Kloster St.Katharina: Das Dach kam vom Himmel auf den Gebetsraum herab

Die Montage des Dachstocks auf das neue Oratorium war spektakulär. Für den Flug des Dachs über die Giebel des Wiler Klosters musste eine Schönwetterperiode abgewartet werden. Die Schwestern filmten und freuen sich nun auf die gute Akustik für das Chorgebet.

Pablo Rohner
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Zweieinhalb Tonnen wiegt der Dachstock, der am Dienstag über die Klostergiebel schwebte.

Zweieinhalb Tonnen wiegt der Dachstock, der am Dienstag über die Klostergiebel schwebte.

Bild: PD

«Eine geometrische Herausforderung.» So beschreibt Architekt Romeo Martignoni die Planung und Montage des Dachs für das neue Oratorium im Kloster St.Katharina in Wil. Am Dienstag wurde der am Boden vorgefertigte Dachstock über die Klostergiebel in den Innenhof gehoben und auf die Lücke gesetzt, die der Abbruch eines Stücks alten Dachs hinterlassen hatte. Dort entsteht nun das neue Oratorium für die Dominikanerinnen. Die Schwestern beobachteten die Aktion zum Teil von den Fenstern aus, machten Fotos, filmten. Schwester Ruth-Emmanuel sagt gegenüber dieser Zeitung:

«Ich war sehr gespannt und hatte Freude, dass es endlich so weit war und dass das Dach gut reinpasste.»

Für die Montage auf dem Luftweg war der grösste selbstaufstellende Kran der Schweiz im Einsatz. Anders wäre das zweieinhalb Tonnen schwere Element nicht über die hohen Dächer zu hieven gewesen. Gerüstbauer, Zimmerleute, Maurer, Elektriker, Kranführer und der Hausabwart: Rund zehn Leute waren an der Aktion beteiligt. Am Montag wurde das alte Dach abgebrochen. Am Dienstag war der Kran im Einsatz und am Mittwoch dichtete der Dachdecker bereits das Unterdach ab, sodass kein Regen eindringen kann.

Der grösste Selbstaufstellerkran der Schweiz ist bereit für den Einsatz am Kloster.
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Es durfte ein paar Tage am Stück nicht regnen, damit der Dachstuhl aufgesetzt werden konnte.
Blick vom eingerüsteten Kirchturm in die Baustelle, wo der neue Gebetsraum entsteht.
Die komplizierte Dachstruktur des Klosters forderte die Planer heraus.
Der Dachstuhl ist gelandet und wird unter das Klosterdach geschoben.

Der grösste Selbstaufstellerkran der Schweiz ist bereit für den Einsatz am Kloster.

Bild: PD

Die verwinkelten Dächer des Klosters hätten es schwierig gemacht, das Oratorium und dessen Dachstock zu planen, sagt Martignoni. Einerseits, weil die Baustelle nach dem Abbruch des Dachs des alten Raums bei schlechtem Wetter nicht einfach mit Plastikfolie hätte abgedeckt werden können. «Bei den komplizierten Dachformen wäre Regenwasser irgendwo reingelaufen». Deshalb musste die Montage warten, bis eine Schönwetterperiode kam. Auch musste der Dachstock genau so gezeichnet und gebaut werden, dass er in einem Stück und möglichst schnell unter das Kirchendach geschoben werden konnte.

Bis es schönes Wetter wurde, wartete der Dachstuhl auf einer Wiese auf die Montage.

Bis es schönes Wetter wurde, wartete der Dachstuhl auf einer Wiese auf die Montage.

Bild: PD

In den nächsten Wochen wird das Oratorium nun inwendig ausgestaltet. Besonders für das Chorgebet hatten sich die Dominikanerinnen einen neuen, kleinen Gebetsraum gewünscht. «In der Kirche sind wir zu weit auseinander. Im Oratorium hören wir uns gegenseitig besser», sagt Schwester Ruth-Emmanuel. Das heisse aber nicht, dass sie in der Kirche nicht mehr beten würden.

Damit der Raum auch atmosphärisch als Gebetsraum taugt, wurde dem Dachstock die Spitze «abgeschnitten». Durch eine drei Meter lange und einen Meter breite Scheibe wird das Licht so von oben in das Oratorium fallen. Für die Montage des eine halbe Tonne wiegenden Fensters wird nochmal ein Kran im Einsatz sein, ein kleinerer allerdings.