WIL: Kirchgemeinde distanziert sich

Cevi-Präsident Serge Lüthi forderte die Stadtparlamentarier in einem E-Mail auf, den Beitrag für das Pfadiheim nicht zu genehmigen. Die Evangelische Kirchgemeinde Wil nimmt Abstand von seinem Vorgehen.

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«Am letzten Wochenende haben Sie von Serge Lüthi eine E-Mail bekommen, in welchem er als Präsident des Cevi seine Meinung zum Budgetpunkt Pfadiheim Wil kundgetan hat.» So beginnt das Schreiben der Evangelischen Kirchgemeinde an die Mitglieder des Wiler Stadtparlaments. Mit dieser Stellungnahme reagiert die Kirche auf die Aufforderung von Serge Lüthi an die Mitglieder des Stadtparlaments , die für den Umbau des Pfadiheims Wil im Budget 2018 vorgesehenen 300000 Franken nicht zu genehmigen.

Dies sei die persönliche Meinung von Serge Lüthi, schreibt die Evangelische Kirchgemeinde. «Seine Mitteilung wurde weder mit dem Vorstand des Cevi Wil noch mit der Kirchenvorsteherschaft abgesprochen. Die Evangelische Kirchgemeinde distanziert sich in aller Form von diesem Vorgehen.»

Gemäss den von Serge Lüthi gemachten Aussagen würde eine Unterstützung der Pfadi mit finanziellen Mitteln in dieser Höhe einer Vorzugsbehandlung eines einzelnen Vereins gleichkommen. Er kündigte in seiner Stellungnahme an, dass der Cevi Wil, sollten die 300000 Franken für die Pfadi genehmigt werden, ein Projekt für ein eigenes Vereinshaus bei der Stadt eingeben und dafür mehrere hunderttausend Franken aus der Stadtkasse beantragen werde.

Zuspruch von Bürgerlichen, Unverständnis von Lesern

Weiter führte Lüthi an, dass es ohne Richtlinien für die Vergabe von Investitionsbeiträgen an Vereine für die Stadtparlamentarier nicht möglich sei, einen objektiven Entscheid zu fällen. In diesem Punkt erhielt Lüthi Unterstützung von den bürgerlichen Parteien. Ihr Tenor bei einer Kurzumfrage unserer Zeitung lautete ebenfalls, dass der Pfadi der Beitrag erst zugesprochen werden könne, wenn die entsprechenden Richtlinien vorliegen würden. Nur so könne das Parlament gegenüber anderen Vereinen fair und transparent sein. Doch längst nicht alle sind einverstanden mit Lüthis Argumenten. In Leserbriefen wurden dem Cevi-Präsidenten «Neidkultur» und «Missgunst» vorgeworfen. Mit seiner Stellungnahme falle Lüthi einer Partnerorganisation in den Rücken, heisst es in einem Leserbrief. Das will Lüthi so nicht stehen lassen. In einem Schreiben an unsere Zeitung betont er, dass er die Pfadi auf keinen Fall bekämpfe und der Cevi und die Pfadi es «grundsätzlich gut miteinander hätten».

Die Evangelische Kirchgemeinde schreibt in ihrer Stellungnahme, der Cevi Wil sei als Verein organisiert und bilde ein Standbein der Jugendarbeit der Evangelischen Kirche. Er stehe allen Mitgliedern unabhängig der Konfession offen. «Die Kirchenvorsteherschaft findet es begrüssenswert, wenn die Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit in der Natur in einem der Jugendverbände verbringen», heisst es weiter. Die sinnvolle Freizeitgestaltung könne sowohl in der Pfadi, in der Jungwacht, im Blauring, in der Jungschar oder im Cevi stattfinden. Deshalb unterstütze sie die Zusammenarbeit der verschiedenen Jugendverbände.

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

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