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WIL: Kinder zeigen wenig Interesse an digitalen Medien

Lea Bamert untersuchte in ihrer Maturaarbeit den Einfluss digitaler Medien auf die Entwicklung von Kleinkindern – und kam zu einem eindeutigen Schluss: Bei der Mediennutzung ist Vorsicht geboten.
Marco Cappellari
«In meinem Alter ist das Leben ohne Handy undenkbar», sagt Lea Bamert. Dass die Mediennutzung nicht in jedem Alter unbedenklich ist, zeigte sie in ihrer Maturaarbeit zum Thema «Kinder und digitale Medien». (Bild: Marco Cappellari)

«In meinem Alter ist das Leben ohne Handy undenkbar», sagt Lea Bamert. Dass die Mediennutzung nicht in jedem Alter unbedenklich ist, zeigte sie in ihrer Maturaarbeit zum Thema «Kinder und digitale Medien». (Bild: Marco Cappellari)

Kinder und digitale Medien sind ein Dauerthema – nicht nur in der Region, wo die Schulen vermehrt die Handynutzung zulassen oder sogar Handys und Laptops in den Unterricht einbauen. Im überkantonalen Lehrplan 21 nehmen «Medien und Informatik» erstmals eine grössere Stellung ein. Der erste Kontakt mit digitalen Medien hält meist aber bereits vor dem Schuleintritt Einzug in das Leben eines Kindes.

Lea Bamert, Maturandin an der Kantonsschule Wil, hat in ihrer Maturaarbeit untersucht, welchen Einfluss digitale Medien auf die Entwicklung von Kleinkindern haben. «Ich hatte im Vorfeld der Maturaarbeit eine Informationsveranstaltung in Züberwangen besucht. Diese richtete sich an Eltern und befasste sich mit dem Umgang mit digitalen Medien», sagt Lea Bamert. Das Thema interessierte sie. «Aber ich entschied mich dann dazu, die Situation bei Kindern im Kleinkind- und Vorschulalter zu untersuchen, da ich mich schon immer für Kinder dieses Alters interessierte und später mit Kindern dieser Altersstufe arbeiten möchte.» Ausserdem befindet sich einer ihrer drei Brüder in dem Alter – der fünfjährige Noah.

Wenig problematischer Medienkonsum

«Meine Eltern achten darauf, dass er nicht zu viel fernsieht und häufig draussen in der Natur ist.» Dass besonders in diesem jungen Alter die Beschäftigung mit der «realen» Welt und die Aneignung von Sozialkompetenzen wichtig ist, betont sie auch in ihrer Maturaarbeit. Um herauszufinden, wie es sich in der Realität mit der Mediennutzung von Kleinkindern verhält, hat Lea Bamert im Rahmen ihrer Arbeit sowohl diverse Fachpersonen interviewt als auch eine Elternumfrage durchgeführt. Diese Umfrage war es dann auch, die eines ganz klar zeigte: Die Eltern der Region sind sich der Problematik bewusst und achten auf einen gesunden Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien. «Das hat mich doch etwas überrascht, denn die Fachliteratur und die gängigen Klischees hatten ein anderes Resultat erahnen lassen», erklärt Lea Bamert. Sie relativiert dann auch: «Es handelt sich bei meiner Umfrage nicht um eine wissenschaftliche Untersuchung. Das würde den Rahmen einer Maturaarbeit sprengen.» Sie gehe davon aus, dass sich das überraschend positive Ergebnis auch darauf zurückführen lassen könnte, dass sich diejenigen Eltern, die sich für die Umfrage Zeit genommen haben, solche sind, die sich bereits für das Thema und einen kritischen Umgang mit digitalen Medien interessieren. Zudem gehören die meisten Eltern, die die Umfrage beantwortet haben, dem Mittelstand an.

Je nach Situation ist ein anderes Resultat möglich

Lea Bamert: «Ich vermute, das Resultat wäre ein anderes, wenn ich die Umfrage in einer Grossstadt oder an einem sozialen Brennpunkt durchgeführt hätte.» In Familien, wo beide Elternteile Vollzeit arbeiten, sei die Gefahr, digitale Medien als «Babysitter» zu missbrauchen, um einiges grösser.

Dass die Problematik des ungesunden Medienkonsums bei Kleinkindern in der Region weniger ausgeprägt ist, bestätigen auch die Interviews, die Lea Bamert im Rahmen ihrer Maturaarbeit durchgeführt hat. Im Gespräch mit ihr bekundeten zwei Kindergärtnerinnen aus Oberuzwil, dass sich die meisten Kindergärtler in diesem Alter noch weniger für digitale Medien interessieren. Dies äussere sich zum Beispiel darin, dass die Kinder viel lieber vom Besuch von Freunden oder von einem Erlebnis in der Natur erzählen und dass in ihrer Wahrnehmung die digitalen Medien noch kaum eine Rolle spielen.

So würden auch die zwei Tablets, die im Zuge des Lehrplans 21 jedem Kindergarten ausgehändigt wurden, fast nie benutzt. Der «Bee-Bot», eine Roboter-Biene, mit der Kinder spielerisch das Programmieren lernen, sei noch die beliebteste der digitalen Beschäftigungen. «Beim ‹Bee-Bot› können die Kinder berühren, sehen, greifen. Das ist in diesem Alter wichtiger als online zu sein», sagt Lea Bamert. Die ausgangs gestellte Frage nach dem Einfluss digitaler Medien beantwortet sie denn auch dementsprechend: «Die Ergebnisse meiner Untersuchungen zeigen klar, dass sich die Nutzung digitaler Medien negativ auf die kindliche Entwicklung auswirkt.»

Erste positive Folgen hatte ihre Arbeit bereits: «Ein Elternpaar, das meine Umfrage beantwortet hat, liest ihren Kindern jetzt häufiger mal was vor, anstatt sie fernsehen zu lassen», schliesst Lea Bamert ab.

Hinweis

Die «Wiler Zeitung» präsentiert in loser Folge Maturaarbeiten von Kantonsschülern aus der Region. Der erste Teil der Serie ist am 16. März erschienen.

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