WIL: Kathi: Los kommt nicht zum Zug

Der Kanton hat der Beschwerde der Jungen Grünen gegen den Vertrag der Stadt mit der Mädchenschule St. Katharina die aufschiebende Wirkung entzogen. Gestern beschloss der Schulrat die Klasseneinteilung für das nächste Schuljahr.

Philipp Haag
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Das Tor öffnet sich: Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti können ab dem nächsten Schuljahr das Kathi uneingeschränkt besuchen. (Bild: Philipp Haag)

Das Tor öffnet sich: Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti können ab dem nächsten Schuljahr das Kathi uneingeschränkt besuchen. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Die Unsicherheit, ob Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti das Kathi uneingeschränkt besuchen können, ist seit einer Woche behoben. Das kantonale Department des Innern entzog der Beschwerde der Jungen Grünen Wil gegen den Nachtrag zum Vertrag der Stadt Wil mit der Mädchenschule St. Katharina teilweise die aufschiebende Wirkung. Der Nachtrag liefert der Stadt die Basis, für die Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti das Schulgeld für die Mädchenschule zu entrichten. Somit war klar, dass den Schülerinnen ab dem Schuljahr 2016/2017 das Schulgeld übernommen wird, so wie denjenigen aus Wil seit Jahren.

Doch es stellte sich umgehend die Frage, ob der Kanton den Entscheid genügend zeitig gefällt hat, dass die Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti überhaupt auf das neue, im August beginnende Schuljahr ins Kathi eingeteilt werden können. Schulratspräsidentin Jutta Röösli gibt Entwarnung. «Der Entscheid des Kantons ist beim Stadtrat gerade noch rechtzeitig eingetroffen», sagt sie. Auch Sekundarschülerinnen aus Bronschhofen und Rossrüti seien für das nächste Schuljahr ins Kathi eingeteilt. Die entsprechende Klassenzuteilung hat der Schulrat gestern Donnerstag abend beschlossen.

70-Prozent-Quote nicht erreicht

Ein Losentscheid war nicht notwendig. «Die Anzahl Sekundarschulmädchen mit Zuteilungswunsch Kathi übersteigt die Quote von 70 Prozent der Sekundarschulzuweisung von Mädchen nicht», sagt Jutta Röösli. Im Nachtrag zum Kathi-Vertrag ist vereinbart, dass die Zahl der Schülerinnen im 1. Sekundarschuljahr der Mädchensekundarschule 70 Prozent der Schülerinnen, welche in die Sekundarschule eintreten, nicht überschreiten darf. Das Kathi wird ab dem neuen Schuljahr zwei 1.-Sekundar-Klassen führen. Wie die Situation ab dem Schuljahr 2017/2018 aussieht, ist noch nicht geklärt, da der vorliegende Teilentscheid aktuell Klarheit über die Zulassung der Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti liefert. «Es ist aber nicht davon auszugehen, dass diese Gleichbehandlung der Ortsteile von Wil wieder in Frage gestellt wird», sagt Jutta Röösli.

Nur der Rechtsweg

Die Jungen Grünen akzeptieren den Teilentzug der aufschiebenden Wirkung, wie diese Zeitung bereits berichtete. Sie stellen allerdings ein Erläuterungsgesuch, da sie sicherstellen wollen, dass der Entscheid keine negativen Auswirkungen auf ihre Stellung im Beschwerdeverfahren hat. Die Abstimmungsbeschwerde ist nach wie vor hängig. Abgesehen vom Entzug der aufschiebenden Wirkung bei der Zulassung der Bronschhofer/Rossrüter Mädchen zum Kathi macht der Kanton keine Aussage. Die Jungpolitiker fechten den Vertrag und in der Konsequenz den vom Parlament im Februar genehmigten Nachtrag der Stadt mit der Mädchenschule St. Katharina an, weil sie das Rechtsverhältnis der Stadt mit dem Kathi endgültig geklärt haben wollen. Sie fordern, den Nachtrag aufzulösen. In den Augen der Jungen Grünen ist die Kathi-Frage nur auf dem Rechtsweg zu lösen. Denn sie halten den Vertrag und somit den Nachtrag für rechtswidrig. Diesem fehle es an einer gesetzlichen Grundlage, da weder auf kantonaler noch auf kommunaler Ebene Bestimmungen zur Finanzierung einer Privatschule durch die öffentliche Hand vorlägen. Durch die Übernahme der Schulgelder für die Schülerinnen sehen die Jungen Grünen das Kathi als durch die öffentliche Hand vollfinanziert. Die Jungpartei hält den Vertrag ausserdem für verfassungswidrig, da der Artikel zur Gleichbehandlung der Geschlechter nicht eingehalten werde.

Riccardo Rizza hat gekündigt

Die künftige Rolle des Kathi innerhalb des Wiler Bildungsplatzes soll im Projekt «Schule 2020» geklärt werden. So sieht es zumindest die Zielsetzung vor. Dafür haben die Mitglieder des Stadtparlaments 350 000 Franken gesprochen. Beim Projekt «Schule 2020», das mit einer Kick-off-Veranstaltung bereits angelaufen ist, kommt es allerdings zu einem personellen Wechsel. Riccardo Rizza, pädagogischer Leiter der Wiler Schulen, hat gekündigt. Er tritt im August eine Stelle als Schulleiter im Oberstufenzentrum Zil in St. Gallen an. Rizza hat die Leitung des Projekts «Schule 2020» inne. «Es ist vorgesehen, dass die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Rizza in seiner Funktion als Leiter Pädagogik auch die Projektleitung <Schule 2020> übernimmt», sagt Jutta Röösli. Die Aufgabe werde im Profil der Stelle weiter geführt. Um die Weiterarbeit beim Projekt vorläufig sicherzustellen, übernimmt Jutta Röösli interimistisch die Projektleitung.

Jutta Röösli Wiler Schulratspräsidentin (Bild: pd)

Jutta Röösli Wiler Schulratspräsidentin (Bild: pd)