WIL: Katastrophen gezielt vorbeugen

Der Stadtwald ist weitestgehend gesund. Dennoch sind die Eschenwelke und der Borkenkäfer auch in diesem Sommer für Revierförster und Betriebsleiter Renaldo Vanzo ein Dauerthema.

Christof Lampart
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Stadtförster Renaldo Vanzo: «Die Eschenwelke bereitet uns zwar grosse Sorgen. Aber über alles gesehen ist der Wiler Wald in Sachen Vielfalt und Gesundheit sehr gut aufgestellt.» (Bild: Christof Lampart)

Stadtförster Renaldo Vanzo: «Die Eschenwelke bereitet uns zwar grosse Sorgen. Aber über alles gesehen ist der Wiler Wald in Sachen Vielfalt und Gesundheit sehr gut aufgestellt.» (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch

«Die Baumkrankheit Eschenwelke ist nun einmal da, und man kann nicht viel gegen sie ausrichten.» Die Meinung vieler Experten teilt auch der Wiler Revierförster Renaldo Vanzo. Denn Tatsache sei, dass die durch Sporen übertragene Baumkrankheit in unseren Breitengraden stark wüte. Dort, wo das «Falsche Weisse Stängelbecherchen» (Hymenoscyphus fraxineus) – so der wissenschaftliche Name der Eschenwelke – auftrete, helfe im Grunde genommen nur noch sprichwörtlich Beten. Ein wirksames Gegenmittel sei trotz intensiver Forschung noch nicht gefunden. Aus dem Thurgau, wo gut elf Prozent des Baumbestandes Eschen sind, ist bekannt, dass rund die Hälfte der Eschen durch den aggressiven Pilz irreparabel geschädigt ist. Und da der Thurgau nicht weit vom Wiler Stadtwald entfernt ist, ist die Ausgangslage hier ähnlich.

Schützende Vielfalt lässt sich fördern

Dennoch verfällt Renaldo Vanzo ob dieser schlimmen Ausgangslage nicht in Pessimismus. «Wir müssen schauen, dass wir den Wald systematisch verjüngen und zugleich eine grössere Baumvielfalt hinbringen.» Denn je grösser die Biodiversität sei, also je mehr verschiedene Baumarten ein Wald habe, desto kleiner sei das Risiko, dass eine Krankheit einen ganz bestimmten Baum ausrotte. Im Fall der Esche bedeutet dies, dass Renaldo Vanzo bis zur Lösung des Problems im gut 600 Hektaren umfassenden Wiler Wald (430 Hektaren gehö­ren der Ortsgemeinde Wil, 170 Hektaren Privaten) keine Eschen mehr anpflanzt. Denn die vier Franken, die ein Eschensetzling kostet, seien zurzeit «herausgeschmissenes Geld, das wir besser anders einsetzen können».

Bergahorn als Ersatz für die Esche denkbar

Dabei wäre die Esche im Grunde genommen für den Wald ganz wichtig. Der Baum schaffe es gut, Hänge zu besiedeln, womit er erheblich dazu beitrage, dass die neigenden Böden nicht erodierten. Aber auch da hat Vanzo zumindest eine «Lösung» für den Wald im Kopf. «Der Bergahorn eignet sich ähnlich gut. Und sollte auch dieser einmal unter einer grassierenden Krankheit leiden, dann müssten wir uns wohl mit Kunstbauten behelfen.» Einzig nichts zu tun könne keine Lösung sein, denn dafür sei die Esche für den Waldboden zu wichtig.

Ist die Baumgrösse relevant?

Allerdings schöpft Renaldo Vanzo für die verbliebenen Eschen ein wenig Hoffnung. «Es scheint, als hätten einige Bäume Resistenzen entwickelt», sagt er, «vielleicht so um die fünf Prozent.» Besonders auf dem Nieselberg habe es noch einige sehr schöne Eschen, «denen wir gut ­schauen». Eine weitere Theorie, die Vanzo jedoch nur als «private Vermutung» verstanden wissen möchte, ist folgende: «Es könnte sein, dass die Grösse der Bäume etwas mit dem Risiko, von der Eschenwelke befallen zu werden, zu tun hat», vermutet Renaldo Vanzo. Denn gerade beim sogenannten Stangenholz, das sind Bäume mit bis zu 20 Zentimeter Durchmesser, sei der Befall sehr gross. Belegen oder gar beweisen könne er seine Gedankenspiele jedoch nicht, räumt Vanzo ein.

Nadelholz soll wieder gefördert werden

Und wie schätzt er den Wald auf dem Wiler Stadtgebiet generell ein? «Wir haben einen schönen Wald mit schönem Laubholz. Aber sowohl beim Laub- als auch beim Nadelholz gehen wir eher in Richtung Massenproduktion. Wir fördern aber auf jeden Fall sowohl Laub- als auch Nadelbäume», erklärt der Revierförster. Der Grund liegt für ihn klar auf der Hand: «Es macht aus ökologischer Sicht Sinn, dass wir unser Bauholz hier selber fördern, anstatt es aus Russland oder noch weiter entfernten Ländern zu importieren.» Auch wenn dies zur Folge haben könnte, dass mit steigendem Fichtenbestand die Gefahr des Borkenkäferbefalls wieder ansteigt. Zumal das Risiko, dass sich die aus der Familie der Rüsselkäfer stammenden Borkenkäfer «Buchdrucker» und «Kupferstecher» nach langen Hitze- und/oder Trockenperioden explosionsartig vermehren könnten, wohl auch dieses Jahr gegeben gewesen wäre.

Borkenkäfer: Früh gezielt gefällt

Doch die Equipe um Renaldo Vanzo hat gut aufgepasst und schon beim ersten Anzeichen von Befall die Fichten gefällt und abtransportiert, sodass eine flächenmässige Schädigung nicht zu befürchten ist. «Immerhin macht es uns der Borkenkäfer bei der Jagd leicht, denn das braune Bohrmehl am Boden des Baumes verrät ihn. Somit können wir ganz gezielt auf ihn Jagd machen und eine weitere Ausbreitung des Schädlings verhindern.»

Die Stabilität des Holzes leide nicht unter dem Borkenkäfer. Das Problem sei lediglich die blaue Verfärbung, die es unansehnlich mache. Das Holz könne von den statischen Eigenschaften her wie unbefallenes Holz verwendet werden.