Wil
Kaputte Lampen, Littering und Kot: Wie die Stadt mit einer neuen Plattform die Infrastruktur in Schuss hält

Seit einem halben Jahr können Mängel in Wil direkt über den Stadtmelder erfasst werden. Es zeigt sich, dass dieses Angebot bei der Bevölkerung gut ankommt.

Gianni Amstutz
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Via Stadtmelder werden immer wieder Hinterlassenschaften der unschönen Art gemeldet.

Via Stadtmelder werden immer wieder Hinterlassenschaften der unschönen Art gemeldet.

Bild: PD

Strassen zeigen Abnutzungen, Strassenlampen geben den Geist auf, es gibt Beschädigungen oder Schmierereien: Zu solchen Problemen kommt es in einer Stadt wie Wil praktisch täglich. Die Hausdienste oder Mitarbeiter der Technischen Betriebe Wil (TBW) kümmern sich darum, dass solche Mängel an der städtischen Infrastruktur möglichst schnell behoben werden.

Doch auch sie haben ihre Augen und Ohren nicht überall. So kann es vorkommen, dass kleinere Mängel unentdeckt bleiben – und deshalb über eine längere Zeit weiterbestehen. Dies kann wiederum zu Unmut bei der Bevölkerung führen, da der Eindruck entsteht, die Stadtverwaltung sei nicht um die Behebung solcher Mängel besorgt.

Schäden können schnell gemeldet werden

Abhilfe schafft seit Juni der sogenannte Stadtmelder. Mit diesem Tool können Wilerinnen und Wiler per App oder über die Internetseite der Stadt Meldungen absetzen. Zusätzlich zur Meldung kann ein Bild aufgenommen und angehängt sowie der genaue Standort auf einer digitalen Karte markiert werden.

Die Stadtverwaltung versprach sich davon, dass «Mängel schneller erkannt und die Behebung besser planbar werden», wie es in einer Medienmitteilung bei der Lancierung des Stadtmelders hiess. Nun, etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Einführung, lässt sich ein erstes Fazit ziehen, ob dieses Ziel denn auch erreicht werden konnte.

Zwei bis drei Meldungen pro Woche

Ein Blick auf die Seite zeigt, dass der Stadtmelder relativ gut genutzt wird. Rund zwei bis drei Meldungen werden durchschnittlich pro Woche erfasst. Die Bandbreite ist dabei relativ gross.

Ein Grossteil betrifft kleinere Probleme. Mal geht es um kaputte Strassenlampen, mal um Littering oder Vandalismus. Auch vermutlich verlorene oder gestohlene Gegenstände wie beispielsweise Velos oder Rucksäcke werden über die Plattform gemeldet.

Zu den unschöneren Meldungen zählen jene über tierische und menschliche Ausscheidungen. Einen solchen Fund meldete jemand hinter der Trafostation an der Bronschhoferstrasse. Dort lägen besagte Ausscheidungen, inklusive Unterhose und WC-Papier. Nicht ganz ohne Ironie dann die Antwort der Stadt: «Danke für die Rückmeldung. Wir leiten diese gerne an die zuständige Stelle weiter, welche sich sicher darüber freuen wird.»

Meldungen teilweise nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt

Nicht immer kann Stadt aber weiterhelfen, weil die Mängel manchmal nicht in ihren Aufgabenbereich fallen, beispielsweise dann, wenn der Kanton oder auch ein Privater zuständig ist. Doch selbst dann können Meldungen zum Ziel führen. Die Stadt leitet solche Einträge nämlich an die zuständigen Stellen weiter.

Es gibt aber auch Fälle, in denen der vermeintliche Mangel zwar in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fällt, aber trotzdem nichts passiert. Dies, weil es sich nicht um einen eigentlichen Mangel handelt. Ein Einwohner erkundigte sich beispielsweise, ob es nicht möglich sei, bei der Badi Weierwise zusätzliche Parkplätze zu bauen. Die Stadt musste dieser Forderung zwar eine Absage erteilen, konnte dem Mann jedoch erklären, weshalb das nicht möglich ist.

Grund war in diesem Fall, dass durch ein kantonales Gesetz die Parkplätze auf öffentlichem Grund auf den Stand vom 31. Dezember 1994 begrenzt wurden. Solche Erklärungen lösen zwar keine Probleme, können allerdings das Verständnis der Bevölkerung für die Umstände erhöhen.

Bei der Stadt ist man grundsätzlich zufrieden mit dem neuen Tool. Das Departement Bau, Umwelt und Verkehr, das sich gemeinsam mit den TBW um die Bearbeitung und Koordination der gemeldeten Fälle kümmert, lässt auf Anfrage verlauten:

«Grundsätzlich hat sich der Stadtmelder zur einfachen und niederschwelligen Meldung von Mängeln an der Infrastruktur bewährt.»

Es gebe jedoch immer wieder Mitteilungen oder Meinungsäusserungen, für welche der Stadtmelder nicht gedacht sei. Diese würden nicht über dieses Tool abgewickelt, sondern auf herkömmlichem Wege.

Die Einführung des Stadtmelders habe jedoch nicht dazu geführt, dass sich die Anzahl Reklamationen, die der Stadtverwaltung auf anderem Weg zugetragen werden, merklich reduziert hätten, heisst es seitens des BUV. «Jedoch halten sich solche Beschwerden allgemein auf tiefem Niveau.»

Stadtmelder geht auf Vorstoss der SVP zurück

Die Einführung des Stadtmelders geht auf einen Vorstoss des SVP-Stadtparlamentariers Erwin Böhi zurück. Behandelt wurde dieser im Stadtparlament allerdings nie.

Der Stadtrat war von der Idee überzeugt und beschloss kurzerhand, den Stadtmelder in Eigenkompetenz umzusetzen. Bisher, so scheint es, hat sich dies als Erfolgsgeschichte herausgestellt.