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WIL: Juso-Vorstand kritisiert Polizei nach FC-Fan-Angriff: "Die sind scheinbar auf dem rechten Auge blind"

Es hätte eine stimmungsvolle Party zum 200. Geburtstag von Karl Marx werden sollen. Doch einige FC-Wil-Fans vermiesten den Jungsozialisten die Feier und bedrohten sie. Schliesslich musste die Polizei einschreiten und für sicheres Geleit zum Bahnhof sorgen.
Hans Suter
Polizeieinsätze wegen einiger wenigen Fussballfans, die sich nicht zu benehmen wissen, sind auch in Wil traurige Realität. (Symbolbild/Benjamin Manser)

Polizeieinsätze wegen einiger wenigen Fussballfans, die sich nicht zu benehmen wissen, sind auch in Wil traurige Realität. (Symbolbild/Benjamin Manser)

«Wir sind wütend, wir sind enttäuscht, wir sind traurig», sagt Timo Räbsamen, Vorstandsmitglied der Juso Wil-Toggenburg. «Wütend auf rechte Fussballfans, die nichts Besseres zu tun haben, als uns anzugreifen, enttäuscht von der Polizei, die uns nicht schützen konnte, und traurig, weil unsere Party ins Wasser gefallen ist.» Dabei hatte alles friedlich begonnen. Die FC-Wil-Anhänger erfreuten sich in der IGP Arena eines 2:0-Heimsiegs gegen Rapperswil-Jona. Rund 35 Jungsozialisten ihrerseits feierten im Hof zu Wil den 200. Geburtstag von Karl Marx (siehe Box).

"Glücklicherweise wurde niemand verletzt"

«Die Vorfreude war riesig», sagt Timo Räbsamen. Es begann mit einem Podium über die Theorien von Karl Marx. Kaum war dieses fertig, sei die Party von rechten Fussballfans unterbrochen worden, die pöbelnd und gewaltbereit einzudringen versuchten. «Zum Glück gelang es, dies zu verhindern», sagt Räbsamen. Doch die Angst, angegriffen zu werden, sei geblieben. Deshalb seien einige Jungsozialisten losgeschickt worden, um die später eintreffenden Gäste am Bahnhof abzuholen. Als diese in der Altstadt an der Trinkstube zum Hartz vorbeigegangen seien, seien einige Fussballfans aufgesprungen und hätten die Jusos bedroht und seien ihnen nachgerannt. Laut Räbsamen wurden dabei Parolen wie «Ihr Jusos seid hier nicht willkommen» nachgerufen und es sei eine Flasche geworfen worden. «Nur knapp konnten die Jusos entkommen glücklicherweise wurde niemand verletzt.»

Laut den Jusos war die Polizei zu diesem Zeitpunkt bereits informiert, habe aber lange auf sich warten lassen. Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, bestätigte auf Anfrage, dass kurz vor 22 Uhr eine Meldung eingegangen sei. Um etwa 22.15 Uhr sei eine Patrouille in Wil eingetroffen, direkt von einem Einsatz aus Zuzwil kommend. «Es war sehr viel los an diesem Abend.»

Juso kritisiert Polizei

«Diejenigen, die an den Bahnhof geflüchtet waren, wurden nach langer Wartezeit mit Polizeischutz zurück in die Volkshochschule im Hof gebracht», teilten die Jusos am Montag in einem Communiqué mit. «Die Polizei war sichtlich nicht gross interessiert an dem Vorfall und fand, sie habe Besseres zu tun als uns zu beschützen», kritisieren die Jusos. «Erst nach langem Diskutieren machten die Polizisten einen Schritt auf uns zu und boten den Feiernden an, sie um Mitternacht an den Bahnhof zu bringen.» Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli zeichnet ein etwas anderes Bild der Situation, nachdem er sich bei den betreffenden Polizisten informiert hatte. «Die Polizei beurteilte die Situation nicht als gefährlich oder gar dramatisch.» Timo Räbsamen verweist noch auf einen weiteren Aspekt: «Das Beispiel macht einmal deutlich, dass die Polizei scheinbar auf dem rechten Auge blind ist.» Die Jusos seien nicht von irgendwelchen FC-Wil-Fans angegriffen worden, sondern insbesondere von solchen mit rechtsnationalistischem Gedankengut.

«Ich sehe mir auch das eine oder andere Spiel des FC Wil an», sagt Timo Räbsamen. Er wisse denn auch, dass es unter den Fans solche aus der rechten Szene habe. Man dürfe aber nicht alle FC-Wil-Fans unter Generalverdacht stellen. «Es sind nur wenige.» Von einer Anzeige sehen die Jungsozialisten vorerst ab. «Wir werden uns aber demnächst treffen und das Vorgefallene analysieren. Für uns ist klar, dass wir gegen solche Ideologien Widerstand leisten müssen», sagt Räbsamen. Der Vorfall habe erneut gezeigt, dass Rechte immer salonfähiger würden. Das sei nicht tolerierbar.

FC Wil verurteilt das Vorgefallene scharf

Auch dem FC Wil missfällt das Vorgefallene. «Wir verurteilen das aufs Schärfste. Der FC Wil distanziert sich in jeder Form von Gewalt. Wer Gewalt anwendet, hat nichts verloren in der FC-Wil-Familie», sagte Mediensprecher Dani Wyler auf Anfrage.

Karl Marx

Er stand weltweit geistig Pate für kommunistische Bewegungen: Karl Marx. Sozusagen sein Lebenswerk – «Das Manifest der Kommunistischen Partei» – ist ein programmatischer Text aus dem Jahr 1848, in dem Karl Marx und Friedrich Engels grosse Teile der später als «Marxismus» bezeichneten Weltanschauung entwickelten. Am vergangenen Samstag jährte sich sein Geburtstag zum 200. Mal. Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 als Sohn einer jüdischstämmigen Familie in Trier geboren. Seine Studien in Bonn und Berlin schloss er als Doktor der Philosophie ab. Wegen seiner radikalen Ansichten war er im Visier der preussischen Regierung. Ab 1849 lebte Marx mit seiner Familie in London, anfangs unter prekären Bedingungen. Nur drei seiner sieben Kinder erreichten das Erwachsenenalter. Karl Marx starb am 14. März 1883. (hs)


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