Wil
Juso fordert Netto-Null bis 2030: «Wil hat als Teil des reichen globalen Nordens eine besondere Verantwortung»

Juso-Politiker Timo Räbsamen verlangt in einem Vorstoss, dass sich die Stadt Wil zum Climate Action Plan des Klimakollektivs bekennen soll. Die darin enthaltenen Massnahmen gehen um einiges weiter als jene des 2019 ausgerufenen Klimanotstands.

Gianni Amstutz
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Der Massnahmenplan von Klimastreik Schweiz soll auch in Wil angewendet werden.

Der Massnahmenplan von Klimastreik Schweiz soll auch in Wil angewendet werden.

Bild: Patrick Luethy / Imagopress

Vor bald zwei Jahren, am 16. Mai 2019, rief das Wiler Stadtparlament den Klimanotstand aus. Mit Transparenten warben damals Mitglieder des Klimakollektivs vor der Tonhalle für dieses Anliegen.

Nun sitzt mit Timo Räbsamen (Juso) ein Vertreter des Klimakollektivs im Stadtparlament – und fordert weitere Schritte. «Mit der Ausrufung des Klimanotstandes wurde bereits ein wichtiger symbolischer Schritt getan, nun braucht es jedoch konkrete Massnahmen, um die CO2-Emmissionen möglichst schnell auf Netto-Null zu bringen», sagt er.

Deutlich mehr Forderungen als der Klimanotstand

Timo Räbsamen, Juso-Stadtparlamentarier.

Timo Räbsamen, Juso-Stadtparlamentarier.

Bild: PD

Deshalb hat Räbsamen einen Vorstoss eingereicht. In seiner Interpellation fordert er den Stadtrat dazu auf, sich zur Umsetzung des Climate Action Plan zu verpflichten. Dieses Dokument wurde vom Klimastreik Schweiz gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt.

Während der Klimanotstand in Wil das Ziel Netto-Null auf der Verwaltung bis 2030 und in der ganzen Stadt bis 2050 verfolgt, geht der Climate Action Plan deutlich weiter. Das Ziel Netto-Null Treibhausgasemissionen soll demnach schweizweit bereits 2030 erreicht werden.

Wie dieses ambitionierte Vorhaben gelingen soll, wird im Aktionsplan auch festgehalten – mit ganzen 143 Massnahmen. Diese reichen von einem Verbot fossiler und elektrischer Heizsysteme über autofreie Städte bis hin zum Verbot von Kurzstreckenflügen.

Für Timo Räbsamen ist klar, dass es zusätzliche Anstrengungen braucht:

«Mit dem Climate Action Plan haben wir ein wissenschaftliches Papier, das aufzeigt: Netto-Null bis 2030 ist nicht nur notwendig, sondern auch möglich.»

Viele der Massnahmen des Plans seien zwar nur auf globaler oder nationaler Ebene umsetzbar, einige jedoch auch kommunal. Dort müsse die Stadt Wil ansetzen und alles dafür tun, dass sie eine Vorreiterinnenrolle im Kampf gegen Klimakrise einnimmt. Denn trotz der Ausrufung des Klimanotstands sei es in Wil bisher oft bei «schönen Gesten» geblieben. So sei beispielsweise nach dem Dialog des Stadtrats mit der Klimajugend keine der vorgeschlagenen Ideen umgesetzt worden.

Eine Frage der globalen Verantwortung

In seiner Interpellation will Räbsamen deshalb vom Stadtrat wissen, ob er gewillt ist, die Forderungen aus dem Climate Action Plan in die Umsetzung des Klimanotstandes miteinzubeziehen. Ausserdem erkundigt sich der Juso-Politiker, wie der Stadtrat zur Idee steht, grössere Teile der Wiler Innenstadt autofrei zu machen, um so Platz zu schaffen für Freiräume, ÖV und Langsamverkehr. Auch die Aufhebung von 50 Prozent aller Parkplätze sieht Räbsamen als Möglichkeit, wie sich die Stadt Wil aktiv für das Netto-Null-Ziel engagieren kann.

Die Ideen damit gehen weit über das hinaus, was im Rahmen des Klimanotstands definiert wurde. Doch Räbsamen betont: «Der reiche globale Norden hat eine besondere Verantwortung, so auch die Stadt Wil.»