WIL: Jugendliche helfen Jugendlichen

Nach zweijährigem Unterbruch führte die Wiler Jugendarbeit am Samstag in der Tonhalle wieder eine «Young Charity» durch. Diesmal unterstützt die Benefizveranstaltung Jugendliche in Senegal.

Christof Lampart
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Die Bühnenauftritte der Jugendlichen waren vielseitig, sie reichten von Breakdance... (Bilder: Christof Lampart)

Die Bühnenauftritte der Jugendlichen waren vielseitig, sie reichten von Breakdance... (Bilder: Christof Lampart)

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch

Wenn Jugendliche feiern, dann tun sie das in der Regel ganz anders als Erwachsene. Klar gelten bei einer «Charity» noch andere Regeln – schliesslich will man ja am Ende des Abends eher ans grosse Geld der Eltern, denn ans Taschengeld der kleinen Schwester kommen –, doch die Jugendlichen zeigten am Samstagabend, dass sie verstanden hatten, wie sie dabei vorgehen mussten. Während mit coolen Ansagen, kurzen Einspielfilmen und ganz vielen Auftritten im Theatersaal einem lockeren Live-Erlebnis gefrönt wurde, ging es in der Pause im Untergeschoss der Tonhalle gediegen zu und her. Servicepersonal in schicker Aufmachung kredenzte (natürlich alkoholfreie) Getränke und selbstgemachte Häppchen – und wer Lust hatte, konnte sich an einer Ausstellung ein preiswertes Bild fürs eigene Heim aussuchen.

Jugendliche organisierten alles selber

Kurzum: Es fehlte nicht an all jenem, was eine gute Benefizgala ausmacht: Kultur, Kulinarik und Kunst fanden hier zusammen, ohne dabei altbacken zu wirken. Ganz im Gegenteil: Was die 50 Jugendlichen in den vergangenen zwei Monaten auf die Beine stellten, verdient höchsten Respekt. Von der Sicherheit am Einlass, der Bedienung der Technik, der Werbung und dem Bühnenbild, von der Moderation bis hin zum Apéro – all das lag ausschliesslich in den Händen und in der Verantwortung der Jugendlichen.

Und wie sie das machten, stiess auch bei den Erwachsenen auf grosses Lob. Wie beispielsweise bei Jürgen Pfitzke, Lehrer am «Sonnenhof»: «Einige meiner Schüler machen hier mit; ich freue mich riesig darüber, wie engagiert sie sich hier einbringen. Zudem finde ich die Darbietungen einfach grosse Klasse.»

Grosse Klasse war auch das Engagement der Kinder und Jugendlichen, zeigten sich doch mit dieser aufwendigen Geldsammelaktion, dass sie nicht einfach nur dann ein Projekt unterstützen, wenn es für sie selbst ist, sondern wenn andere, die noch weniger haben als sie, davon profitieren. Davon zeugten auch die Filmeinspielungen, in denen die Teens über ihre Motivation befragt wurden. Alle gaben sie an, dass es ihnen Freude mache, zu helfen. Und diesen Worten folgten dann auch Taten auf der Bühne. Egal, ob Gesang, Breakdance oder Instrumentalvortrag – die Kinder (die Jüngste war elfjährig) und Jugendlichen zeigten zu jedem Moment, dass diese Youth Charity ihnen sowohl kulturell als auch sozial ein ganz grosses Anliegen war. Darüber freute sich auch Kilian Müller aus Sempach (LU), Initiator und Leiter des Projektes «Taliberté», welches mit diesem Abend unterstützt wurde.

Geld fliesst in ein Jugendhaus

Er sei gerne nach Wil gekommen, denn mit der Charity-Gala werde in einem Armenviertel im senegalischen Saint-Louis viel Gutes, sagte Müller. Genau genommen fliesst das Geld in den Unterhalt des Jugendhauses «Taliberté». «Ursprünglich war das Haus nur für Strassenkinder gedacht, aber mittlerweile ist es ein Ort fürs ganze Quartier, denn es gibt viele arme Kinder, die keine Strassenkinder sind», erzählte Müller. Nebst der Möglichkeit, hier ihre Freizeit zu verbringen, besteht im «Taliberté» für die Kinder die Möglichkeit, sich zu waschen, etwas zu essen, Englisch und Französisch zu lernen und auch medizinisch erstversorgt zu werden.