WIL: Jugend meldet Bedarf an

Das Häxähüsli beim Wiler Stadtweier steht seit einiger Zeit leer. Eine anonyme Gruppe namens «Initiative Häxehuus» fordert, dass dort ein Jugendzentrum entsteht und hat dazu einen offenen Brief an den neuen Besitzer verfasst. Dieser hat jedoch bereits andere Pläne.

Ursula Ammann
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Das Häxähüsli an der Haldenstrasse 22 ist vor einem Jahr verkauft worden. (Bild: Ursula Ammann)

Das Häxähüsli an der Haldenstrasse 22 ist vor einem Jahr verkauft worden. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Das Häxähüsli gehöre in die ­Hände der Wiler Jugend. So lautet die Forderung der «Initiative Häxehuus». Die Gruppierung hat einen offenen Brief an den neuen Besitzer des Gebäudes gerichtet und diesen auch an den Wiler Stadtrat und die Presse weiter­geleitet. Leider habe sich seit dem Kauf nichts getan und das An­wesen werde den Naturgewalten überlassen, heisst es im Schreiben. «Dieses Haus gehört zum Wiler Ortsbild und wir möchten es ­gerne erhalten», so die Verfasser. Sie fordern, dass daraus ein selbstverwaltetes Jugendzentrum entsteht. «Seit der Privatisierung des Gare de Lions gibt es keinen Raum in Wil, in dem Junge einfach und unkompliziert Ver­anstaltungen durchführen und ihre Kultur frei leben können», schreibt die Gruppe.

Nicht auf eine Person reduziert werden

Die «Initiative Häxehuus» besteht nach eigenen Angaben aus einem gut fünfköpfigen Kernteam mit Unterstützern im Hintergrund. Die Gruppe tritt bewusst als Kollektiv auf und nennt deshalb keine Namen. «Es geht uns nicht darum, uns zu verstecken, aber wir wollen auch nicht auf eine Person reduziert werden», sagt ein Mitglied, das entsprechend anonym bleiben möchte. Nachdem das Haus so lange leer gestanden sei, habe man sich nach den Absichten des neuen Besitzers gefragt und deshalb ­einen offenen Brief an diesen geschrieben.

Für die Initianten wäre das Häxehuus als Zentrum für die ­Jugend ideal. Sprich, als «kommerzfreier Raum, der allen Personen, unabhängig von Nationalität, Geschlecht oder finanziellen Mitteln offensteht».

Wie die Gruppe auf Anfrage mitteilt, will man sich weder klar links noch rechts positionieren. Ziel sei es, für die Jugend, die breit gefächert sei, einen apoli­tischen Ort zu schaffen, wo Konzerte, kulturelle Veranstaltungen oder Podien stattfänden. Um ein solches Jugendzentrum aufzubauen, sei natürlich die Unterstützung der Stadt notwendig. Diese könne es vom jetzigen ­Besitzer mieten oder es diesem abkaufen, sollte er es nicht zur Verfügung stellen wollen.

Die Initianten können sich auch vorstellen, selbst Renovierungsarbeiten zu übernehmen, um das Häuschen nutzbar zu ­machen. Doch auch wenn es mit dem Häxähüsli nicht klappen sollte, bleibt ihre Forderung: Raum für die Jugend. Wenn nicht am Stadtweier, dann eben anderswo. Denn das Bedürfnis danach sei in der Stadt Wil durchaus vorhanden. Nach Meinung der Initianten würde sich für alle – auch für den Besitzer – nun die Chance bieten, «Wil zu beleben und zu einer bunten, kulturellen Stadt zu machen».

Vier Projekte nach Architekturwettbewerb

Vor einem Jahr haben Markus Brühwiler, Inhaber der Brüh­wiler AG Bauingenieure und Planer, und seine Frau das Häxähüsli am Wiler Stadtweier gekauft. Ziel des Ehepaars ist es, das marode Gebäude innen und aussen einer Totalsanierung zu unterziehen und zu einem Einfamilienhaus zu machen, «das möglichst gut ins Ortsbild passt» (diese Zeitung berichtete). Dazu haben die Brühwilers einen Architekturwettbewerb lanciert. Vorgestern Sonntagabend ist die Eingabefrist ­abgelaufen. Vier Projekte seien eingegangen, sagt Markus Brühwiler. Man werde diese nun auswerten und den favorisierten Vorschlag gemeinsam mit der Stadt Wil anschauen. «Wir sind also aktuell in der Projektentwicklung», so Brühwiler. Die Befürchtung der Initianten, wonach das Haus langsam verlottere, sei nicht gerechtfertigt. «Wir wollen das Häxähüsli wieder zu dem ­machen, was es in den letzten 180 Jahren war», sagt Markus Brühwiler. «Ein Wohnhaus.» Sein Bestreben sei es, noch dieses Jahr mit dem Umbau beginnen zu können. Zum offenen Brief der «Initiative Häxehuus» sagt der neue Besitzer: «Wenn eine Zusammenarbeit gefordert wird, dann erwarte ich auch, dass ich weiss, mit wem ich es zu tun habe.» Die Gruppe solle sich outen. Auf ein anonymes Schreiben reagiere er nämlich nicht.

Für Markus Brühwiler ist aber so oder so klar, dass eine Nutzung des Häxähüslis – und sei es «nur» als Jugendzentrum – grössere Investitionen erfordern würde. Zu heruntergekommen sei das Gebäude. Es sei sowohl in hygienischer als auch in sicherheitstechnischer Hinsicht unzumutbar.