Wil ist ein Corona-Hotspot – doch nun zeigt sich: Die Ansteckungen mit Covid-19 unter den Rückkehrern aus den Sommerferien waren vernachlässigbar

«Der seit Anfang Oktober 2020 in der ganzen Schweiz verzeichnete Anstieg der Fallzahlen ist nicht auf Rückreisende aus Risikoländern zurückzuführen.» Das antwortet die St.Galler Kantonsregierung auf eine Einfache Anfrage des Wiler SVP-Kantonsrats Erwin Böhi. Massnahmen sieht die Regierung nicht vor.

Hans Suter
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Der neue Sanitätsanhänger des Samaritervereins Wil steht seit dem 2. November am Klosterweg in Wil. Dort dient er als mobile Teststation, um das Covid-19-Testcenter in Wil zu unterstützen.

Der neue Sanitätsanhänger des Samaritervereins Wil steht seit dem 2. November am Klosterweg in Wil. Dort dient er als mobile Teststation, um das Covid-19-Testcenter in Wil zu unterstützen.

Bild: PD

«Wil ist aktuell der Corona-Hotspot des Kantons St. Gallen, nachdem in den letzten zwei Wochen im Wahlkreis rund 60 laborbestätigte Covid-19-Fälle pro 100’000 Einwohner registriert wurden», schrieb Erwin Böhi am 3. Oktober in der Einleitung zu seinem Vorstoss. Während die Einwohnerzahl des Wahlkreis Wil 15 Prozent der Wohnbevölkerung des Kantons betrage, entspreche die Anzahl der bestätigten Covid-19-Infektionen rund 25 Prozent aller Fälle im ganzen Kanton. «Sollte sich diese Entwicklung nicht verlangsamen, dann riskiert der Wahlkreis Wil, vom Bundesamt für Gesundheit als Risikogebiet eingestuft zu werden», mahnte Böhi. Die Situation in anderen Teilen des Kantons sei weit weniger kritisch.

Grosse Unterschiede in den Kantonen

Erwin Böhi, SVP-Kantonsrat, Wil

Erwin Böhi, SVP-Kantonsrat, Wil

Bild: PD

Die Zahl der bestätigten Fälle im gleichen Zeitraum belief sich beispielsweise im Wahlkreis St. Gallen auf 43 und im Werdenberg auf lediglich acht Fälle. Gemäss Medienberichten gebe es grosse Unterschiede in den Kantonen bei der Kontrolle von Personen, die sich aufgrund einer bestätigten Infektion oder nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet in Quarantäne begeben haben. In Zürich würden am meisten Kontrollen durchgeführt und fehlbare Personen angezeigt, im Kanton St. Gallen offenbar sehr wenige.

Wie viele Personen wurden angezeigt?

In seiner Einfachen Anfrage vom 3. Oktober richtete SVP-Kantonsrat Erwin Böhi vier Fragen an die Regierung:

  1. Verfügt die Regierung über Zahlen zu den Covid-19 Fällen, aufgeteilt nach der Stadt Wil und den anderen Gemeinden des Wahlkreis Wil?
  2. Wie viele Quarantäne-Kontrollen wurden im Kanton St. Gallen im Allgemeinen und im Wahlkreis Wil im Besonderen seit Anfang Juni durchgeführt, und wie viele Personen wurden wegen Nichtbeachtung der Quarantänevorschriften angezeigt?
  3. Wie viele der laborbestätigten Covid-19-Fälle wurden bei Personen festgestellt, die aus dem Ausland in die Schweiz reisten, und aus welchen Ländern stammen diese Personen?
  4. Welche Massnahmen wird die Regierung treffen, um zu verhindern, dass die Zahl der infizierten Personen nach den Herbstferien aufgrund der Rückkehr von Personen aus Risikoländern beziehungsweise Risikogebieten weiter steigt?

Das sagt die Regierung dazu

«Die Entwicklung der Fallzahlen im Kanton St.Gallen blieb bis zur Woche 40 stabil mit unter 50 gemeldeten Fällen je Tag», heisst es in der Antwort der Regierung vom 17. November. Ab der Woche 41 habe die Anzahl gemeldeter Fälle, wie in der ganzen Schweiz, rapide zugenommen. Dies gelte auch für den Wahlkreis Wil, wo bereits zuvor zwischen dem 14. und 28. September 2020 eine leichte Welle verzeichnet wurde. Die Regierung hält fest:

«Die Mehrheit der Ansteckungen war bei jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren zu verzeichnen.»

Aufgrund der Entwicklungen der letzten Wochen würden alle Wahlkreise gemäss Definition des Bundesamtes für Gesundheit als Risikogebiet eingestuft.

Anstieg erfolgte primär in der Stadt Wil

«Die Zahl der gemeldeten Personen mit einem positiven Testresultat stieg zuerst im Wahlkreis Wil an. Dieser Umstand konnte weder auf Reiserückkehrende noch auf spezielle Ereignisse oder Orte zurückgeführt werden», antwortet die Regierung auf due erste Frage Böhis. Es sei jedoch anzunehmen, dass sich die beobachtete Zunahme in erster Linie auf berufliche und private Pendelströme in den Kanton Zürich zurückführen lasse. Aus der Detailanalyse sei ersichtlich, dass sich dieser Anstieg primär auf die Stadt Wil beziehe.

Fast 7000 Rückreisende in Quarantäne

Die Quarantäne für Reiserückkehrende werde über die eidgenössische Covid-19-Verordnung Massnahmen im Bereich des internationalen Personenverkehrs geregelt, heisst es in der Antwort auf die zweite Frage. Alle Rückreisenden aus dem Ausland müssen sich nach der Rückkehr in die Schweiz umgehend in eine zehntägige Quarantäne begeben, wenn sich ihr Reiseland auf der Risikoländer-Liste befindet. Die Personen müssen sich sodann innerhalb von zwei Tagen über ein Webportal beim Wohnkanton melden. Bis zum 15. Oktober 2020 hätten sich im Kanton St.Gallen seit Pandemiebeginn 6747 Reiserückkehrende unter Quarantäne befunden. Ab dem 29. Oktober seien die Kriterien für die Definition eines Risikolandes angehoben und der aktuellen epidemiologischen Situation in der Schweiz angepasst worden. Die Einhaltung der Quarantäne sei stichprobenartig bis Anfang Oktober 2020 über das Contact-Tracing-Team durchgeführt worden.

Bisher wurde niemand angezeigt

Seit Mitte Oktober 2020 sei das Contact-Tracing-Team so stark mit dem Kontaktieren von positiv Getesteten und ihren Kontaktpersonen beschäftigt, dass keine Stichprobenkontrollen mehr durchgeführt werden. Im Kanton St. Gallen sei bisher keine Person wegen Nichteinhaltung der Quarantänevorschriften angezeigt worden.

«Nicht auf Rückreisende zurückzuführen»

Der Anteil von Personen, der während der Rückreisequarantäne positiv auf das SARS-CoV- 2-Virus getestet wurde, lag im Kanton St.Gallen bis Ende September 2020 bei unter einem Prozent. «Der seit Anfang Oktober 2020 in der ganzen Schweiz verzeichnete Anstieg der Fallzahlen ist nicht auf Rückreisende aus Risikoländern zurückzuführen», hält die Regierung weiter fest. Die Regierung sehe keine weiteren Massnahmen vor.