WIL: «Ist das wirklich Känguru?»

Es hat sich dieses Wochenende nicht gelohnt, selbst zu kochen. Wer es trotzdem tat, hat etwas verpasst. Denn diese Auswahl an leckerer und deftiger Ernährung, die am Freitag, Samstag und Sonntag auf der Wiler Allee geboten wurde, bekommt man ziemlich wahrscheinlich in seinem ganzen Leben nicht zusammen.

Michael Hug
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Gefüllte peruanische Fladenbrote frisch aus der Fritteuse – lecker! (Bild: Michael Hug)

Gefüllte peruanische Fladenbrote frisch aus der Fritteuse – lecker! (Bild: Michael Hug)

Es hat sich dieses Wochenende nicht gelohnt, selbst zu kochen. Wer es trotzdem tat, hat etwas verpasst. Denn diese Auswahl an leckerer und deftiger Ernährung, die am Freitag, Samstag und Sonntag auf der Wiler Allee geboten wurde, bekommt man ziemlich wahrscheinlich in seinem ganzen Leben nicht zusammen. Es sei denn, man ist permanent auf Reisen. Doch warum um die Welt jetten, wenn man spanische, tibetische, peruanische, australische, taiwanische, vietnamesische und noch eine ganze Auswahl weiterer Nationalgerichte und Spezialitäten vor der Haustüre haben kann?

Es schien am Freitag, als hätten Wiler Geniesserinnen und Geniesser, neugierige Karnivoren ebenso wie bekennende Vegetarier, Hobby-Food-Scouts und Fingerfood-Gourmets auf das erste World Food Festival gewartet. Innert Kürze waren die rund 25 Ess- und Fressstände von essbegeisterten und sonstwie hungrigen Menschen, ob gross oder klein, von verwöhnten Gaumen und Allesessern, von Wählerischen und Zugreifern belagert. Schnellentschlossene waren so oder so im Vorteil, weil wenn man sich das ganze wunderbare Essen, das da geboten wurde, erst mal grundsätzlich erklären lassen wollte, man lange dastand und sich allenfalls bei den Hinteren in der Warteschlange unsympathisch machte. Denn gar manches war völlig unbekannt, gar ganz genau wollte es mancher wissen, was da durch den Gaumen schlüpfen wird.

«Ist da wirklich Kängurufleisch drin?» war die vielgestellte Frage am australischen Grill. Wo Känguru draufsteht, ist auch wirklich Känguru drin, meinte der Mann hinter der Theke in gebrochenem Deutsch. Her damit, so eine Gelegenheit gibt es lange nicht mehr, wer weiss, wann sich die nächste Australienreise ergibt. Und was kümmert einen der CO2-Verbrauch, bis das edle Filet des Steppenhüpfers um den halben Erdball gereist war. Da konnte man beim Taiwaner sein Gewissen schon eher beruhigen, seine knusprige Ente dürfte sehr wahrscheinlich hierzulande gemästet worden sein. Auch die polnischen Pierogi dürften ziemlich sicher mit Fleisch und Weisskabis aus einheimischer Landwirtschaft gedämpft worden sein. Doch weg mit dem Gewissen, es ging ja ums Essen. Um Churros und Bambussprossen, um Burgers und Poulet, um Veggie Delight und Pork Belly, Gauffres und Nougat. Und um Mojitos und Bier, Tee und viel oder wenig Sojasauce. Und es ging auch um Adjektive wie lecker, spicy, delicious, süss, sauer, fein, frisch oder vegan, viel oder wenig. Ja klar, man konnte auch ewig übers Essen diskutieren, über Preise und Warteschlangen, oder darüber, wie man sich seine persönliche Ess-Tour zusammenstellt, um sich nicht gleich beim ersten Stand zu über(fr)essen. Auch wenn der wunderbar crosse Pork Belly (Schweinebauch bzw. Speck) beim Taiwaner schon sehr schön glänzte, war das bestimmt nicht der erste Happen, den man sich gönnte. Darum: Eine Frühlingsrolle gefällig, der Herr? Ein flaumenweich gepuderter Zwetschgenstrudel bitte, die Dame? Ein Perro Caliente vom Peruaner? Oder vielleicht erst mal ein kenianisches Samosa: «pastry leaves filled with either beef minced meat or variety of vegetables. Delicious!» (hausgemachter Blätterteig mit Hackfleisch- oder Gemüsefüllung. Lecker!).