WIL: In Wil hat's keinen Platz: Mit dem Auto zum Fernbus?

Schon ab Dezember könnten Busse im Fernverkehr der SBB Konkurrenz machen. Die Stadt Wil wehrt sich dagegen, dass Cars der Firma Domo an der Weststrasse einen fünfminütigen Halt einlegen. Sie schlägt einen Halt in der Nähe der Autobahnausfahrt vor.

Simon Dudle
Merken
Drucken
Teilen
Die Stadt Wil sieht keinen Bedarf, dass solche Doppelstöcker-Fernbusse künftig viermal pro Tag beim Bahnhof anhalten. (Bild: PD)

Die Stadt Wil sieht keinen Bedarf, dass solche Doppelstöcker-Fernbusse künftig viermal pro Tag beim Bahnhof anhalten. (Bild: PD)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Den Fahrplan hat die Firma Domo bereits erstellt. Ab dem 10. Dezember dieses Jahres soll jeden Morgen um 6.40 Uhr ein Bus mit 69 Sitzplätzen Wil Richtung Westen verlassen. Nach Halten in Winterthur, Zürich Flughafen, Zürich, Rothrist (Haupt-Umsteigeort, wo sich drei der vier Linien kreuzen), Solothurn, Biel, Neuenburg, Yverdon, Lausanne, Nyon und Genf wird der Bus rund sechseinhalb Stunden später in Genf Flughafen ankommen. Bis Zürich dauert es ab Wil gemäss Fahrplan 75 Minuten. In die Gegenrichtung ist geplant, dass der Bus um 22.10 Uhr in Wil abfährt und nach einem Halt in Gossau 40 Minuten später in St. Gallen ankommt. Ab Juni des kommenden Jahrs soll das Angebot auf vier Busse pro Tag verdoppelt werden.

Zwar fehlt noch die Konzession vom Bundesamt für Verkehr. Dieses will aber demnächst entscheiden. Da der Bundesrat bereits klargemacht hat, dass er Busse im Fernverkehr unter Auflagen zulassen will, stehen die Chancen für «Domo» gut. Das Unternehmen hat bis jetzt als einziges einen Konzessionsantrag gestellt.

Stadt schlägt alternativen Standort vor

Wil wäre einer von über 40 Orten in der Schweiz, an welchen die Busse halten. Domo würde gerne an der Weststrasse zwischen dem Konstanzerhof und dem Bahnhof der Frauenfeld-Wil-Bahn die Leute ein- und aussteigen lassen. Doch dazu dürfte es nicht kommen. Die Stadt Wil hat ihr Veto eingelegt. Das angrenzende Trottoir sei der einzige Zugang zum Westquartier, und gut frequentiert. Eine eingeschränkte Nutzbarkeit dieses Gehsteigs ist von der Stadt nicht erwünscht. «Der Bahnhofplatz Wil hat insbesondere in den Spitzenstunden seine Kapazitätsgrenze erreicht oder überschritten. Zusätzliche regelmässige Belastungen durch Fernbuslinien sind aus unserer Sicht nicht denkbar. Die Strecke vom Autobahnanschluss Wil zum Bahnhof ist zudem in der Abendspitzenstunde nur mit einem markanten Zeitverlust bewältigbar», schreibt die Stadt Wil in einem Brief an die Firma Domo.

Nicht einmal ein Testbetrieb erwünscht

Beim Reiseunternehmen sieht man es anders. «Wir haben eine Testfahrt gemacht. In Wil funktionierte alles tadellos. Es ist nicht richtig, dass wir für mehr Verkehr sorgen. Jeder, der wegen des Fernbusses sein Auto nicht benutzt, trägt zu einer Entlastung der Strasse bei. Untersuchungen haben ergeben, dass ein Drittel der Benutzer eines Fernbusses vorher nicht gefahren ist, ein Drittel den Zug genommen hat und ein Drittel das Auto», sagt Patrick Angehrn, Leiter Linienbusverkehr bei «Domo».

Auch ein klärendes Gespräch zwischen der Stadt und Domo hat nichts geändert. «Die Stadt Wil hat kein Interesse an einem Testbetrieb der nationalen Fernbuslinie und kann die Haltestelle an der Weststrasse beim Bahnhof nicht bereitstellen», schreibt der zuständige Stadtrat Daniel Stutz in einem nächsten Brief. Und weiter: «Die Stadt Wil sieht bis zum definitiven Konzessionsentscheid und dem Vorliegen von konkreten Umsetzungsvorgaben seitens Bund oder Kanton keinen Handlungsbedarf.»

Als Option war dem Unternehmen bereits zuvor vorgeschlagen worden, einen Haltestandort nahe der Autobahnzufahrt zu suchen. «Wenn die Fernbusse aus der Stadt gedrängt werden, wird die ganze Idee ad absurdum geführt», sagt Patrick Angehrn.

In Gossau und St.Gallen ist ein Halt beim Bahnhof möglich

Die Firma Domo hat nun zwei Möglichkeiten: Entweder werden Verhandlungen mit privaten Grundstücksbesitzern für einen anderen Halteplatz geführt, oder Wil fällt aus dem Fahrplan. «Die Verhandlungen mit Privaten laufen. Kommunizieren können wir noch nichts», sagt Angehrn.

In Gossau und St.Gallen ist übrigens eine Lösung gefunden worden. In beiden Städten kann nördlich der Gleise nur wenige Meter neben dem Bahnhof gehalten werden.

Was angeboten werden soll

Die Firma Domo will ab Dezember vier Fernbuslinien betreiben. Neben der Strecke St.Gallen–Genf fahren Busse von Basel nach Lugano, von Basel nach Zürich und von Sitten über Vevey und Zürich nach Chur. GA und Halbtaxabonnement werden akzeptiert. Als Faustregel gilt, dass der Car etwa doppelt so lange braucht wie der Zug, dafür nur halb so teuer ist. Im Bus gibt es Sitzplätze 1. und 2. Klasse, Stromanschluss an jedem Sitzplatz und kostenloses WLAN-Internet. Es werden Snacks und Getränke angeboten. Auch eine Hostesse reist mit. Bei den Doppelstöcker-Bussen werden erstmals weltweit rollstuhlgängige Toiletten eingebaut. Domo ist ein rund 50 Jahre altes Schweizer Unternehmen in privater Eigentümerschaft aus Glattbrugg. Im Gegensatz zu Konkurrent «Flixbus» werden die Chauffeure direkt beim Unternehmen angestellt. (sdu)