WIL: "In Wil hält nur noch Ramsch" - Ärger über schlechte Zugverbindungen

Im Dezember des nächsten Jahres wird sich das Angebot im öffentlichen Verkehr im Grossraum Wil deutlich verschlechtern. Nicht nur deswegen meldet sich die Regio Wil nun mit sechs Forderungen zu Wort.

Simon Dudle
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Das mehrere Jahrzehnte alte Rollmaterial sorgt am Knotenpunkt Wil für Unzufriedenheit. (Bild: Simon Dudle)

Das mehrere Jahrzehnte alte Rollmaterial sorgt am Knotenpunkt Wil für Unzufriedenheit. (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Bis zu 22 Minuten wird man ab 2019 am Bahnhof Wil gezwungenermassen Zeit für einen Kaffee haben, wenn man mit Bus und Bahn von Braunau nach St. Gallen fahren will. Auch andere Verbindungen werden abgewertet. Hintergrund: Den Güterzügen wird mehr «Platz» zugeteilt, was im Personenverkehr markante Veränderungen mit sich bringt.

«Es ist eine Entwicklung, die uns Bauchschmerzen bereitet», sagt Lucas Keel, Präsident der Fachgruppe Mobilität bei Regio Wil. Der Präsident der Regio Wil, Guido Grütter, wählt noch deutlichere Worte: «Es ist eine Zumutung, was in Wil anhält. Das ist nur noch Ramsch.»

Intercitys sollen wieder anhalten

Um die schlechter werdende Situation zu bekämpfen, ist der Blick weit nach vorne zu richten, denn aktuell werden die Ausbauschritte der Jahre 2030 bis 2035 geplant. Um dann nicht weiter abgehängt zu werden, stellt die Regio Wil sechs Forderungen:

– Takt: Im Fernverkehr soll es einen Halbstundentakt geben, der mit der S-Bahn zu einem Viertelstundentakt verdichtet wird. «Es sieht so aus, als würden pro Stunde zwei schnelle und zwei langsame Intercity-Verbindungen verkehren, wobei die langsamen in Wil, Uzwil und Flawil anhalten.», sagt Keel.

– Anbindung: Der Fernverkehr mit Halt in Wil, Uzwil und Flawil soll zur Minute 00 und 30 in Zürich sein, und dort auch in den Randstunden gute Verbindungen nach Norden, Süden und Westen ermöglichen. «Wir wollen in Zürich nicht auf dem Abstellgleis ankommen», sagt Keel.

– Knoten: Dieser wird sich im Dezember 2018 verschlechtern. «Die Situation muss wieder verbessert werden», sagt Keel. Gefordert werden «schlanke Umsteigesituationen auf den Regionalverkehr und attraktive Anschlüsse an den Fernverkehr», sagt Keel.

– Kapazität: Alle Passagiere sollen in Wil einen Sitzplatz haben. Es sei ärgerlich, wenn ein halb leerer Zug vorbeifahre, und danach ein überfüllter anhalte, so der Tenor in Anspielung an den unlängst lancierten «St. Galler Sprinter» ohne Halt in Wil.

– Koordination: Die Ziele der Regio Wil sollen in Planungen der Kantone St. Gallen, Thurgau und Zürich einfliessen. «Eine Vielzahl von Planungsbüros ist mit dem Thema ÖV beschäftigt. Die Kantone sollen die Koordinatonsaufgaben noch kongruenter wahrnehmen. Dann bringen wir Kraft auf den Boden», sagt Keel.

– Nachfrage: Das ÖV-Angebot soll berücksichtigen, dass die Strecke Wil-St. Gallen mit täglich rund 24000 Reisenden die meistbefahrene in der Ostschweiz ist. «Trotz Diskrepanzen braucht es ein Zusammenspiel zwischen den Kantonen St. Gallen und Thurgau», sagt Keel.