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WIL: In der Welt der Kinder

Kinder sind die Zukunft der Gesellschaft. Diese Einsicht ist verbreitet. Weit weniger dagegen die Bereitschaft, sich selber dafür einzusetzen und Freizeit zu opfern. Einer, der das zehn Jahre mit Leidenschaft tat, ist Beda Meier. Ein Blick zurück und nach vorne.
Hans Suter
Auf Augenhöhe: Stiftungsratspräsident Beda Meier blickt durch eine Maueröffnung, durch die sonst Kinder gucken. (Bilder: Hans Suter)

Auf Augenhöhe: Stiftungsratspräsident Beda Meier blickt durch eine Maueröffnung, durch die sonst Kinder gucken. (Bilder: Hans Suter)

St. Gallerstrasse 5. Eine Eingangstüre, zwei Klingeln. Die eine auf üblicher Höhe, die andere einen guten halben Meter tiefer. «Kindertagesstätte» steht auf beiden Schildern. Dass Erwachsene mit Vorliebe die Kinderklingel benutzen und dabei verschmitzt lächeln, wundert hier niemanden. Es ist schliesslich die Pforte zur Welt des Kindes. Hier ist alles auf die Bedürfnisse der kleinen Erdenbürger ausgerichtet, in Höhe, Form, Farben und Dimensionen. Sicherheitsaspekte inklusive. 18 Kinder im Alter von drei Monaten bis zum Schuleintritt können hier professionell betreut werden, weitere 20 in der dazu gehörenden Kita Nord an der Neugrubenstrasse 19.

Die Betreuung der Kinder in den zwei Betrieben liegt fest in weiblicher Hand, geleitet von der diplomierten Kleinkinderzieherin und Krippenleiterin Edith Goetz. Ihr stehen 17 Frauen in unterschiedlichen Arbeitspensen zur Seite: neun ausgebildete Fachfrauen, fünf Auszubildende, eine Praktikantin, eine Kauffrau für die Geschäftsstelle und je eine Köchin pro Betrieb. Kein Mann weit und breit. Erst im Hintergrund. Hier findet sich ein erster Mann. Dafür aber mit Wucht. Dieser hat der 38-jährigen Institution in den vergangenen zehn Jahren seinen Stempel aufgedrückt: Beda Meier, Präsident der Stiftung Kindertagesstätten Wil. Heute Abend übergibt er dieses Amt seinem Nachfolger: Christian Stieger, Leiter Services der Raiffeisenbank Wil.

In Beda Meiers Amtszeit fallen denkwürdige Ereignisse. Die bedeutendsten lassen sich mit den Begriffen Neubau und Professionalisierung zusammenfassen. Ein Blick zurück: Als die Kita 1985 ihren Betrieb in einem alten Einfamilienhaus an der Blumenaustrasse aufnahm, war die Welt eine andere. Zwar wurde bereits damals mit ausgebildetem Fachpersonal gearbeitet. Doch sowohl die Ansprüche der Eltern als auch jene des Staates als Regulator sind seither massiv gestiegen. Ebenso ist die Nachfrage nach diesem Angebot stetig gewachsen. Mit Folgen: Die Kindertagesstätte verlegte den Betrieb später an die St. Gallerstrasse in ein älteres Haus, das dank Spenden und Mithilfe von ehemaligen und aktiven Eltern käuflich erworben werden konnte. Bald platzte die Kita auch hier aus ihren Nähten. Es wurde entschieden, einen zweiten Standort zu realisieren. Aus dem einstigen Verein wurde eine Stiftung und 2012 wurde die neue Kita Nord mit 20 Betreuungsplätzen an der Neugrubenstrasse 19 eingeweiht. Damit verdoppelte sich das Angebot auf einen Schlag. Nebst den herausfordernden organisatorischen Anpassungen an die neue Betriebsgrösse stand bereits ein weiteres, ehrgeiziges Grossprojekt an: der Neubau der Kita Süd. Die bestehende Liegenschaft wurde abgerissen und durch einen wiederum nach neuesten Erkenntnissen realisierten Neubau ersetzt. Aufgrund der Lage und der Grundstücksgrösse liess sich dieser Betrieb mit Mietwohnungen ergänzen, um einen positiven Effekt in der Kostenrechnung zu erzielen. Eine Rechnung, die aufgeht.

«Eine Tagesstätte ist längst keine Chinderhüeti mehr», sagt Beda Meier. «Es hat auf allen Seiten eine massive Professionalisierung stattgefunden.» Als Direktor der Valida in St. Gallen weiss Meier, wovon er spricht. Er ist ein Mann mit Prinzipien, mit klaren Zielen vor Augen und bereit, viel Einsatz zu leisten. Den verlangt er aber auch von anderen. «Er hat uns neue Strukturen gebracht, er hat uns gefördert und gefordert», äusserte Kita-Leiterin Edith Goetz schon oft. Sie ist dankbar für die unternehmerischen Qualitäten, die Beda Meier mit ebenso hoher sozialer Kompetenz in den Betrieb hat einfliessen lassen. Diese Dankbarkeit beruht auf Gegenseitigkeit. «Edith Goetz ist eine Unternehmerin», tönt es aus dem Mund von Beda Meier. Diese Worte ehren die Leiterin der Kindertagesstätten. «Was wir bisher erreichen konnten, berührt und macht auch ein wenig stolz», sagt Beda Meier.

Wohin führt der Weg nun? «Es gibt heute ganz andere Familienmodelle als früher. Und es zeichnet sich ein zunehmender Fachkräftemangel ab», sagt Beda Meier. «Das macht die Kindertagesstätten und ähnliche Institutionen in Zukunft noch bedeutender, als sie es ohnehin schon sind.» Es sei wichtig, gut ausgebildete Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub wieder für die Arbeitswelt zurückgewinnen zu können. Doch dazu brauche es flächendeckend adäquate Betreuungsangebote zu Konditionen, die auch finanziell nicht zu sehr belasteten. Der Höchsttarif in der Kita Wil beläuft sich bei einem Nettoeinkommen ab 101000 Franken auf 2000 Franken pro Monat oder umgerechnet 100 Franken pro Betreuungstag. Bei tieferen Einkommen gelangt ein Sozialtarif der Stadt Wil zur Anwendung. Es darf nicht vergessen werden, dass in vielen Familien beide Elternteile aus finanziellen Gründen arbeiten müssen. Und dass fremdsprachige Kinder hier rasch Deutsch lernen.

«Die Qualität der Betreuung ist sehr wichtig», betont Beda Meier immer wieder. «Eine Kita ist ein Ort der Bildung.» Dass die Kita Wil das hochstehende Qualitäts-Gütesiegel erarbeitet und erlangt hat, bezeichnet Meier denn auch als «das Beste, was wir je gemacht haben». Das kommt nicht nur den Kindern zugute, sondern auch dem Betrieb. Obwohl die Löhne beim Betreuungspersonal tief sind, kennt die Kita keinen Fachkräftemangel. «Ich habe drei Kinder grossgezogen, ich werde das hier wohl auch schaffen», reicht in der Kita längst nicht mehr. «Wer neun Jahre die Schule besucht hat, ist deswegen auch noch nicht Lehrer», sagt Beda Meier.

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