WIL: In den Topf statt auf den Boden

Wildpinkler in der Velohalle am Wiler Bahnhof haben im vergangenen Jahr die Politik beschäftigt. Die Stadt hat schliesslich auf das Problem reagiert – mit einem Toi-Toi-WC. Das Häuschen wird offenbar rege genutzt.

Ursula Ammann
Drucken
Teilen
Ein Toi-Toi-WC soll Wildpinklerei verhindern. Letzteres verbietet das Schild an der Mauer nebenan. (Bild: Ursula Ammann)

Ein Toi-Toi-WC soll Wildpinklerei verhindern. Letzteres verbietet das Schild an der Mauer nebenan. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Zweimal pro Woche steht eine Leerung an, weil in der Velohalle am Wiler Bahnhof so häufig die Blase geleert wird. Allerdings fliesst der Urin im Idealfall nicht mehr auf den Boden, sondern in die Schüssel. Die Stadt hat nämlich im Tiefparterre der Velohalle ein Toi-Toi-WC aufstellen lassen.

Auslöser für diese Massnahme war eine Interpellation, die der Stadtparlamentarier Luc Kauf (Grüne Prowil) vor gut einem Jahr eingereicht hat. Sein politischer Vorstoss kam unter dem Namen «Pissoir am Bahnhof» aufs politische Tapet. Nachdem die SBB eine Gebührenpflicht für ihr Pissoir erhoben hatte, verrichteten immer mehr ihre Notdurft in der Velohalle. Kauf, der jeweils sein Velo dort abstellt, wurde des öfteren Zeuge von Wildpinklerei. Bis er – angesichts der Geruchsemissionen auch im wörtlichen Sinn – die Nase voll hatte und die Stadt zum Handeln aufforderte. Der Stadtrat, der unter der Überschrift «WC-Anlage am Bahnhof Wil» auf die Interpellation «Pissoir am Bahnhof» antwortete, zeigte sich anfangs etwas verhalten. Es werde täglich eine Trockenreinigung durchgeführt und alle drei Wochen ein Duftmittel gesprüht, hiess es unter anderem.

Mit dem Toi-Toi-WC hat die Stadt dann aber doch noch auf das Problem reagiert. Bis auf weiteres soll die Toilette dort bleiben, wie Stefan Hauser, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Wil sagt. Auf die Frage, weshalb man das Häuschen in und nicht ausserhalb der Velohalle installiert habe, sagt Hauser: «Das Toi-Toi-WC soll direkt am Problemort Abhilfe schaffen.» Zudem seien mit den SBB noch andere alternative Standorte geprüft, jedoch alle verworfen worden. Die Toilette wird gemäss Hauser jedenfalls rege genutzt, zweimal wöchentlich geleert und einmal täglich gereinigt.

Luc Kauf, der nach wie vor sein Velo, in der Abstellanlage parkiert, hat ebenfalls festgestellt, dass das Toi-Toi-WC gut frequentiert ist. Als erste Massnahme reiche es auch aus. «Die Stadt hat immerhin ein Zeichen gesetzt.» Ein «einladender Ort» sei die Velohalle aber noch immer nicht. Von weiteren Vorstössen sieht er aber ab.

Geschäfte in die Pflicht nehmen

Im Rahmen seiner Interpellation wies Kauf darauf hin, dass die Geschäfte rund um den Bahnhof durch den Verkauf von Getränken über die Gasse auch in der Verantwortung stehen. Man müsse sie in die Pflicht nehmen. Hinter dieser Forderung steht der Stadtparlamentarier nach wie vor. «Schliesslich werden die Getränke im öffentlichen Raum konsumiert», sagt er.

Eine solche Einbindung sei mangels einer konkreten gesetzlichen Grundlage nicht möglich, sagt Stefan Hauser. «Zudem ist zu beachten, dass diese Geschäfte in einem Vertragsverhältnis zur SBB stehen.» Die Stadt habe aber diesbezüglich Gespräche mit den SBB geführt.