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WIL: Im Güterzug nach St. Gallen

Die Unzufriedenheit über die SBB ist gross, da ab Dezember am Bahnhof Wil teilweise mehr Zeit beim Umsteigen einberechnet werden muss. Anno 1918 waren die Einschränkungen noch deutlich drastischer.
Simon Dudle
Als dieses Bild des Wiler Bahnhofs vor gut 100 Jahren entstand, musste für Bahnreisen noch markant mehr Zeit eingerechnet werden. (Bild: PD)

Als dieses Bild des Wiler Bahnhofs vor gut 100 Jahren entstand, musste für Bahnreisen noch markant mehr Zeit eingerechnet werden. (Bild: PD)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Gewiss wird die Situation für die Pendler am Wiler Bahnhof beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember nicht besser. Und gewiss ist es wichtig, dass man sich Gehör verschafft. Diese Anpassungen sind aber ein Klacks, wenn man sich jene Neuerungen zu Gemüte führt, welche vor exakt 100 Jahren anstanden.

In der «Wiler Zeitung» vom 6. Februar 1918 wurde über die am 1. März in Kraft tretenden Änderungen informiert. Dies unter dem Titel «Die vierte Fahrplaneinschränkung». Schon damals schien die SBB auch jenseits der Äbtestadt Prioritäten zu legen. In «Richtung von St. Gallen» kam nämlich der Frühschnellzug «in Wegfall», wie es hiess. Keine bessere Kunde gab es für den Mittag, da der 12.10-Uhr-Zug nur noch von St. Gallen bis Flawil verkehrte – und nur noch an Werktagen. Der Abendzug fuhr lediglich noch bis Gossau und dann weiter nach Sulgen. Auch der Spätzug von St. Gallen nach Wil kam fortan «in Wegfall». Immerhin wurde ein neuer Abendzug eingeführt, aber nur an Werktagen. Dieser brauchte von St. Gallen bis nach Wil ganze 55 Minuten. In dieser Zeit schafft man es heute von der Kantonshauptstadt vor die Tore Zürichs.

Fünf Stunden von Winterthur nach St. Gallen

Erfreulichere Neuigkeiten waren für die Gegenrichtung «nach St. Gallen» zu vermelden. Zwar verkehrte der Frühzug nur noch werktags und eine Verbindung am Vormittag fiel ganz aus. Dafür wurde ein neuer Mittagszug eingeführt, welcher um 11.13 Uhr in Winterthur losfuhr und um 13.10 Uhr St. Gallen erreichte. Wer nun glaubt, zwei Stunden sei eine lange Reisezeit für diese Strecke, dem seien die Neuerungen des Nachmittags nicht vorenthalten. Der um 16.14 Uhr in der Kantonshauptstadt eintreffende Zug fiel nämlich aus. An seiner Stelle verkehrte an Werktagen ein Güterzug mit Personenbeförderung. Wer diesen nahm, begab sich auf eine Bummelfahrt. Dieser Zug verliess um 14.20 Uhr Winterthur und erreichte um 19.20 Uhr St. Gallen. In fünf Stunden schafft es heute der St. Galler Sprinter locker nach Genf. Ob es geholfen hätte, wenn man schon damals dem Güterverkehr mehr Platz auf dem Schienennetz eingeräumt hätte? Oder vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, ab Dezember dieses Jahres die Güterzüge in Wil halten zu lassen?

160 Minuten von Wil nach Nesslau

Auch auf der Strecke ins Toggenburg musste man mit einem Güterzug vorlieb nehmen. Denn in «Richtung von Wil» wurde der 16.21-Uhr-Zug durch einen Güterzug mit Personenbeförderung ersetzt. Dieser brauchte von der Äbtestadt nach Nesslau ganze 2 Stunden und 40 Minuten. In der umgekehrten Richtung wurden der Abendzug, der Abend-Lokalzug und der Spätzug zu einem einzigen Abendzug zusammengezogen. Dieser benötigte von Nesslau bis Wil eineinhalb Stunden. Das ist ansehnlich, da noch heute rund eine Stunde für diese Strecke einzurechnen ist. Trotzdem war man in der Region Wil unzufrieden mit dem Angebot. «In der Richtung nach St. Gallen ist der werktägliche Nachmittagsverkehr ungenügend berücksichtigt worden», schrieb die «Wiler Zeitung». Die letzte Verbindung von Wil nach St. Gallen, die eine Rückkehr am gleichen Tag ermöglichte, verliess Wil schon um 12.10 Uhr mittags. «Es sollte versucht werden, mindestens eine Güterzugs-Verbindung am Nachmittag herzustellen», so die «Wiler Zeitung» vom 6. Februar 1918.

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