WIL: Im Gegenuhrzeigersinn und mit Bypass

Der Gemeinderat von Zuzwil hat die Idee vorgebracht, im Wiler Zentrum einen Grosskreisel zu errichten. Doch was braucht es konkret, damit das Verkehrsregime funktioniert? Die «Wiler Zeitung» hat einen Fachmann getroffen und präsentiert Lösungsvorschläge.

Simon Dudle
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Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Für Fritz Aemissegger ist klar: «Ein Grosskreisel ist wohl die einzige Lösung, welche dafür sorgen kann, dass die Busse des ÖV zu den Hauptverkehrszeiten pünktlich am Bahnhof Wil ankommen. Voraussetzung ist eine komplexe Steuerung.» Mehrere Jahrzehnte hat der Wiler im Hochbau gearbeitet und dabei auch wiederholt mit Verkehrslösungen zu tun gehabt. Den Input eines Wiler Grosskreisels brachte er bereits im Jahr 2015 im Rahmen einer öffentlichen Infoveranstaltung zur Neugestaltung des Wiler Bahnhofplatzes vor. Nun hat er grob analysiert, welche Gegebenheiten erfüllt sein müssten.

Der Kreisel würde die Strecke vom Bahnhof via Ilgenkreisel, Rösslikreisel, Rudenzburgkreuzung und Schwanenkreisel zurück zum Bahnhof umspannen und hätte eine eigene Busspur. Die bestehenden Kreisel Ilge, Jupiter, Rössli und Schwanen müssten zurückgebaut werden. Die Fahrtrichtung ist im Gegenuhrzeigersinn. «Das ist eine Frage der Logik. Bei Rechtsverkehr werden Kreisel im Gegenuhrzeigersinn befahren.» Von den zwei Kreiselspuren wäre die Rechte für den ÖV bestimmt, damit die Haltestellen bedient werden können. Die Haltestelle Rössli Richtung Bahnhof müsste an die Toggenburgerstrasse verlegt werden, zum Beispiel in die Nähe der Metzgerei Schmid.

Nicht beschleunigen, aber verflüssigen

Was die Grundfrage aufwirft, ob nicht mehrere Buslinien deutlich weitere Wege fahren müssten und somit wichtige Zeit verlören. Der von Kirchberg und Rickenbach kommende Bus zum Beispiel gelangte ab dem Rösslikreisel nur via Rudenzburg und Schwanen zum Bahnhof. «Wenn der Verkehr verflüssigt wird, braucht es weniger Zeit trotz mehr gefahrener Meter», sagt Aemissegger. Um diese Verflüssigung zu erreichen, müssten auch alle Fussgängerstreifen mit einer Ampel versehen und miteinander koordiniert gesteuert werden. Das Ziel ist, dass der Bus freie Fahrt hat. Die heutige Situation, dass Fussgänger einzeln hintereinander ihren Vortritt beanspruchen, bringe den Verkehr total zum Erliegen.

Einbahnstrassen mit anderer Fahrtrichtung

Auch der in einer zweiten Spur parallel verlaufende Individualverkehr wäre Teil dieser Steuerung. «Die notwendigen Abbiegemanöver über die rechts verlaufende Busspur müssen gewährleistet sein, damit der Individualverkehr im Moment der Busbevorzugung zum Abfliessen gebracht werden kann.» Um nicht den gesamten Verkehr Richtung Toggenburgerstrasse und Wilen am Bahnhof vorbeizuführen, ist ein Kreiselanschluss über die Poststrasse zu schaffen. Dazu ist die Fahrrichtung umzukehren. In die Poststrasse würde man nicht mehr vom heutigen Jupiterkreisel hineinfahren, sondern von der Lerchenfeldstrasse, also vom einstigen Swisscom-Gebäude her. Diese Massnahme ermöglicht auch die Erschliessung der St. Peter-Strasse via Kanalstrasse für Anwohner und Lieferanten. Die direkte Zufahrt von der Ilge in die St. Peterstrasse ist dem ÖV vorbehalten. Der letzte Abschnitt der unteren Bahnhofstrasse würde vom Bereich der Rudenzburg her befahren und nicht mehr vom Jupiterkreisel.

Zurück zu den Bussen und Postautos: Für jene, welche vom Wiler Bahnhof nach Bronschhofen fahren, wäre der Grosskreisel ein deutlicher Umweg, da sie statt direkt zum Schwanen neu via Rössli und Rudenzburg fahren müssten. Um dies zu verhindern, braucht es laut Aemissegger beim Ilgenkreisel Richtung Kirche St. Peter einen Bypass, der nur vom öffentlichen Verkehr genutzt werden kann. Somit würde auch auf jener Strasse in entgegengesetzter Richtung gefahren.

Eine Nebenerscheinung eines Grosskreisels mit Busspur wäre auch die Freihaltung einer Einsatzfahrbahn für die Blaulichtorganisationen.

Eine Kreiselgruppe soll das Thema vertiefen

Eine weitere zentrale Frage: müssten Häuser verschoben oder gar abgebrochen werden? «Eher nicht», sagt Aemissegger. Durch den Wegfall der Geradeaus-Spur von der Tonhalle her bei der Rudenzburg könne der Kreiselverkehr um diese nach links geschoben werden, womit die nötige Geometrie Richtung Gammakreisel gewährleistet ist.

Aemissegger ist überzeugt, dass ein Grosskreisel mehr als eine utopische Idee der Behörde einer Nachbargemeinde ist. Er empfindet es als kurzsichtig, am Bahnhof einen neuen Bushof für rund 40 Millionen Franken zu planen, wenn die Fahrzeuge des ÖV schon wenige Meter danach im Stau stehen. Er schlägt im Sinne der Kosteneffizienz vor, dass sich eine Kreiselgruppe bildet, die gratis arbeitet und das Thema vertieft. Er würde sich zur Verfügung stellen und vertritt die Meinung: «Jede seriös geprüfte Variante, die dann begründet verworfen wird, ist wenigsten keine vergessene Variante.»

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