WIL: Hof wird zur Wunderkammer

Der obere Bereich des Hofs zu Wil soll saniert werden. Für ein Vorprojekt sind 345 000 Franken vorgesehen. Als Basis dient ein neu erstelltes Nutzungskonzept. Es wäre die dritte Bauetappe seit den 1990er-Jahren.

Philipp Haag
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Ein Drittel der Räume des Hofs zu Wil ist noch nicht nutzbar und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. (Bild: Philipp Haag)

Ein Drittel der Räume des Hofs zu Wil ist noch nicht nutzbar und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Er wird die Krone der Altstadt genannt, der Hof zu Wil. Majestätisch und burgähnlich thront er über dem historischen Zentrum der Äbtestadt. Der Gebäudekomplex, der über eine Kubatur so gross wie 40 Einfamilienhäuser verfügt, prägt die Altstadt nicht nur architektonisch, er besitzt auch eine 800jährige Geschichte (siehe Kasten).

Nun soll der Hof saniert werden. Geplant ist, den brachliegenden Bereich mit dem 2. und 3. Stock sowie den Dachstock zu erneuern. Auch die Dienerschaftskapelle mit dem Nebengebäude Roter Gatter sollen saniert werden. Wann die Bauarbeiten stattfinden sollen und wie hoch die Kosten ausfallen werden, steht noch nicht genau fest. Es ist damit zu rechnen, dass der Betrag mehrere Millionen Franken umfassen wird.

Als erstes soll nun ein Vorprojekt erarbeitet werden, wofür 345 000 Franken vorgesehen sind. Die Stiftung Hof zu Wil, seit 1990 Besitzerin des Gebäudekomplex, trägt 115 000 Franken, die Stadt und der Kanton jeweils den gleichen Betrag. Über den Beitrag der Stadt befindet das Parlament, voraussichtlich im Herbst. Der Antrag für den 115 000-Franken-Kredit liegt vor. Über den Betrag aus dem Lotteriefonds entscheidet der Kantonsrat in der Junisession.

Leben im Denkmal

Als Basis für das Vorprojekt und somit das Bauprojekt dient ein neu erstelltes Nutzungskonzept. Erarbeitet worden ist es unter Einbezug «Hof-naher» Personen, unter anderem Vertreter der Stiftung und der Stadt. Das Nutzungskonzept steht unter dem Motto «Leben im Denkmal», das sich an dem im Stiftungszweck festgeschriebenen «Lebendigen Treffpunkt» anlehnt. Dabei werden alle Bereiche des Gebäudekomplexes einbezogen, die bereits renovierten und genutzten sowie die noch brachliegenden und zu sanierenden. Im Nutzungskonzept ist eine in zwölf Punkte unterteilte Grundhaltung fixiert, in welcher die Bedeutung des Hofs und dessen Historie für die Stadt und Region zum Ausdruck kommt. Im Papier ebenfalls aufgeführt sind sieben Aktivitätsfelder, die ineinandergreifen. Diese gliedern sich in Entdecken, Arbeiten, Essen, Lesen, Einkaufen und Experimentieren. Neben der bereits bestehenden Gastronomie und der Stadtbibliothek besteht die Möglichkeit eines Hofmuseums, bestehend aus einer Wunderkammer im Dachstock, wo die Geschichte von Hof, Stadt und Kanton dargestellt ist, einem Setzkasten im Turm, wo Exponate ausgestellt werden, und einem Geschichtspfad, der zu den bedeutenden Räumen und Orten in und um den Hof leitet. Ebenfalls denkbar in den Obergeschossen 2 und 3 sind Arbeitsräume wie Büros, Co-Working-Spaces, Ateliers, Praxen und Vereinslokale. Im Haus zum Roten Gatter ist das Einrichten eines Bed & Breakfast eine Option. Ebenfalls Raum erhalten soll das Experimentieren, beispielsweise durch neue Veranstaltungsgarten, welche das Profil des Hofs erweitern und stärken sollen. Die Nutzungsplanung ist entscheidend für Art und Umfang der Sanierung.

Hof mit Restaurant eröffnet

Es wäre die dritte Bauetappe. Die erste fand von 1994 bis 1998 statt. Damals wurde der Wartecksockel unter dem Hofgarten mit der Gebäudetechnik erneuert und der Hof mit Restaurant wieder eröffnet. Bei der zweiten Sanierungsetappe von 2008 bis 2010 wurden das Brauhaus und die ehemalige Pfisterei (Bäckerei) zur Stadtbibliothek umgebaut sowie die historische Dauerausstellung eingerichtet. Neben der Modernisierung der Infrastruktur wurden das Turmgeviert vom Keller bis ins Dachgeschoss erschlossen und der Gewölbekeller, die Äbtestube und vier Turmzimmer restauriert. Die Kosten beliefen sich auf rund zehn Millionen Franken.

Dem riesigen Dachstock des Hofes zu Wil stünde eine Sanierung gut an. Derzeit dominiert der Staub, die Treppe ist abgesperrt und auf dem Boden liegt Baumaterial herum. (Bilder: Chris Gilb)

Dem riesigen Dachstock des Hofes zu Wil stünde eine Sanierung gut an. Derzeit dominiert der Staub, die Treppe ist abgesperrt und auf dem Boden liegt Baumaterial herum. (Bilder: Chris Gilb)

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